Flughafen Frankfurt

50.000 Tonnen Asphalt in Bewegung

Von Jochen Remmert
28.09.2021
, 20:09
Tritt sich fest: Kantenkontrolle des neuen Asphalts auf der Startbahn
Am Flughafen Frankfurt wird die Centerbahn saniert. Die umfassende Erneuerung findet wegen geringen Verkehrs tagsüber statt. Die Aufbereitung der Piste kostet die Fraport AG rund acht Millionen Euro.

Gut ein Dutzend Straßenwalzen folgen den vier gewaltigen Asphaltmaschinen dicht an dicht. Ihre stetig mit Wasser benetzten Stahlwalzen dampfen jedes Mal von Neuem, wenn sie den frisch aufgebrachten, heißen Asphalt überfahren. Jede der Maschinen fährt dabei für sich immer wieder ein Stück zurück, um dann wieder aufzuschließen. Gelegentlich steuern die Fahrer die tonnenschweren Geräte auch etwas schräg, schwenken dann aber wieder auf die ursprüngliche Linie ein.

Dieser Tanz der tonnenschweren Baumaschinen am Dienstagmorgen auf der Centerbahn des Frankfurter Flughafens ergibt sich nicht zufällig, sondern folgt einem genau vorgegebenen Plan: Die zuvor auf knapp 1450 Meter abgefräste Decke der Start- und Landebahn muss schnell und präzise durch frischen Asphalt ersetzt werden, wie Axel Konrad erläutert. Der Bauingenieur verantwortet beim Flughafenbetreiber Fraport AG als Projektleiter die Erneuerung der Centerbahn. Das größere Stück der vier Kilometer langen Piste ist schon 2015 saniert worden, nun ist der sogenannte westliche Aufsetzbereich dran.

Besonderer Split auf der Landebahn

Rund 25.000 Tonnen alter Belag müssen von der Piste gelöst und abtransportiert werden, anschließend muss dieselbe Menge an neuem Asphalt herbeitransportiert und aufgebracht werden. Mehr als 100 Straßenbauer und Fahrer greifen dabei auf rund 80 Großgeräte inklusive der schweren Lastwagen zurück. Der logistische Aufwand ist gewaltig: Um den Schutt schnell abfahren und den frischen Asphalt möglichst verzögerungsfrei zur Piste bringen zu können, hat der Flughafenbetreiber ein separates Tor inklusive Kontrolle geöffnet. Außerdem sind Lastwagen und Baustellensteuerung immer via GPS verbunden. Dadurch wird es möglich, 600 bis 700 Tonnen Asphalt je Stunde zu verarbeiten. Ein Jahr war nötig, um diesen Ablauf minutiös zu planen. Dass die Bahn tagsüber saniert werden kann und die Arbeiten nicht, wie sonst üblich, nachts erledigt werden müssen, ist dem nach wie vor pandemiebedingt geringen Verkehrsaufkommen geschuldet. Begonnen haben die Arbeiten am 19.September, am 4. Oktober soll die Bahn wieder in Betrieb gehen. Dann muss eine neue, rund vier Zentimeter dicke Schicht des hochbelastbaren Asphalts eingearbeitet worden sein, die auch Schwergewichten wie einer Boeing B747-800 dauerhaft sichere Starts und Landungen ermöglicht. Die 747 startet mit maximal 442 Tonnen Gewicht und wiegt bei der Landung noch bis zu 312 Tonnen. Damit die dafür erforderliche Qualität sichergestellt ist, wird der neu aufgebrachte Asphalt ständig untersucht, wie Konrad sagt. „Wir prüfen genau, ob das geliefert wurde, was wir bestellt habe“, sagt der Ingenieur. Die Proben werden in einem Labor untersucht.

Denn dass sich etwa aus der gerade erst erneuerten Deckschicht handtellergroße Stücke wieder lösen, wie man es gelegentlich bei der Sanierung von Straßen beobachten kann, darf auf Pisten eines Verkehrsflughafens keinesfalls passieren. Deshalb werden die Qualität und auch die Verdichtung des Asphalts ständig geprüft. Die modernen Straßenwalzen, die bei der Pistensanierung am Flughafen zum Einsatz kommen, sind zudem jeweils mit einer Sensorik ausgestattet, die den Fahrern genau anzeigen, wie oft noch einmal nachverdichtet und geglättet werden muss.

Auch der Split, den jede der Straßenwalzen wohldosiert in die Pistenoberfläche einarbeitet, hat eine große Bedeutung für einen sicheren Betrieb der Piste: Er hilft dabei, den Reibungskoeffizienten der Bahn so hoch zu halten, dass eine sichere Landung auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen noch möglich ist.

Rund acht Millionen Euro investiert Fraport in die Sanierung der Piste. Außerdem nutzt der Flughafenbetreiber die Sperrung der Bahn, die früher einmal die Nordbahn des alten Frankfurter Parallelbahnsystems war, um die Befeuerung der Piste auf energiesparende LED-Lampen umzustellen. Das soll helfen, die Kohlendioxidbilanz des Flughafens zu verbessern.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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