FAZ plus ArtikelFinanzplatz Frankfurt

Der Commerzbank geht die Kraft aus

Von Daniel Schleidt
24.09.2019
, 10:30
Frankfurts zweitgrößtes Geldhaus wollte mit einem dichten Filialnetz gegen den Strom schwimmen. Nun ändert der Konzern diesen Kurs. Es könnte zu spät dafür sein.

Irgendwie klang das doch recht schlüssig, was Martin Zielke sich ausgedacht hatte. Die Commerzbank sollte der Profiteur eines Kahlschlags in der deutschen Bankenlandschaft sein, so lautete die vom Vorstandschef immer mal wieder verteidigte Vision. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Geschäftsstellen von Banken in Deutschland um etwa ein Viertel zurückgegangen. Die Commerzbank hingegen hielt in dieser Zeit eisern an ihren rund 1000 Niederlassungen fest. Die Strategie hätte aufgehen können. Mit viel Aufwand, einem hohen Wechselbonus und einem der letzten kostenlosen Girokonten Deutschlands ging die Commerzbank auf Kundenfang, und die breite Präsenz des gelben Logos in der Fläche mitsamt der Mitarbeiter am Ort sollte exemplarisch dafür stehen, dass das Haus nicht nur die Bank für den Mittelstand, sondern auch für den Bürger sein wollte.

Allerdings hatte dieser Weg von Anfang an eine nicht unerhebliche Schwäche. Denn mit Privatkunden und ihren Girokonten lässt sich derzeit kaum etwas verdienen. Die Idee, trotzdem weiter auf viele Filialen und attraktive Preise zu setzen sowie, wie aus dem Markt zu hören ist, sehr günstige Kredite zu vergeben, war deshalb eine Art Wette auf die Zukunft. Denn wer in Zeiten niedriger Zinsen Kunden gewinnt, so wie es der Commerzbank gelang, der könnte damit in Phasen steigender Zinsen Geld verdienen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schleidt, Daniel
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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