Energieversorgung

Mainova rüstet Kraftwerk für Betrieb mit Wasserstoff aus

Von Inga Janović
26.03.2022
, 16:07
Im Abendlicht: Die Schornsteine des Heizkraftwerks der Mainova am Frankfurter Westhafen, das mit Kohle und Erdgas Fernwärme und Strom erzeugt.
Trotz der Verwerfungen auf dem Energiemarkt hat der Frankfurter Versorger Mainova 2021 gute Geschäfte gemacht. Am Kohleausstieg hält das Unternehmen fest.
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Der Energieversorger Mainova stockt seine Kohle-Vorräte am Kraftwerk West in Frankfurt auf, um in nächster Zeit vor Lieferengpässen und Preissprüngen geschützt zu sein. Grundsätzlich aber bleibt das Unternehmen, das am Freitag seinen Geschäftsbericht für 2021 vorgelegt hat, bei seinem lange vor dem Beginn des Krieges in der Ukraine beschlossenen Kurs: 2026 soll Schluss sein mit der Kohleverstromung in Frankfurt und stattdessen ein neben dem bestehenden neu errichtetes Gaskraftwerk ans Netz gehen. Gerade läuft die Ausschreibung, um einen Generalunternehmer für das mehr als 300 Millionen Euro teure Vorhaben zu bestimmen.

Was in der neuen Anlage letztlich verfeuert wird, ob Erdgas aus Russland oder Katar oder doch bald Wasserstoff, vermag auch der Mainova-Vorstandsvorsitzende Constantin Alsheimer derzeit nicht vorauszusagen. Auch, was mit dem alten Heizkraftwerk passiert, ob es stillgelegt werden kann, ist offen. Die Mainova hat das zwar geplant, aber die Bundesnetzagentur könnte bei Bedarf verlangen, dass diese alten Turbinen weiterlaufen.

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Das neue Kraftwerk wird so gebaut, dass es von Beginn an auch Gasmischungen mit einem Anteil von Wasserstoff verbrennen kann. In etwas fernerer Zukunft soll es dann ganz auf diesen erneuerbaren Rohstoff umgestellt werden. Auch wenn die Rahmenbedingungen nun andere seien, an der Funktion der Gase für die Energiewende habe sich nichts verändert, sagt Alsheimer. „Speziell in Deutschland brauchen wir sie als großvolumige Energiespeicher.“

„Wir müssen technologieoffen bleiben“

Er erinnert daran, dass vor allem im Winter die Erträge aus Wind- und Sonnenkraftanlagen stark sinken, mindestens dafür müsste die gewonnene Energie in speicherbare Gase umgeformt werden. Dass die Bundesregierung den Umstieg auf Wasserstoff beschleunigen will, ist ganz in Alsheimers Sinne. Er warnt allerdings davor, sich bei seiner Gewinnung Wege zu verbauen. „Wir müssen auch hier technologieoffen bleiben.“

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Aktuell beschäftigt sich auch die Mainova mit den Preissprüngen auf dem Rohstoff- und Energiemarkt, von denen sie 2021 auch profitiert hat. Auf 166 Millionen Euro summiert sich das bereinigte Jahresergebnis, das sind knapp sechs Millionen Euro mehr als 2020 und ein Plus von mehr als 30 Millionen Euro im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Besonders deutlich ist das Geschäftsfeld Stromversorgung gewachsen: Die Gewinne sind um fast 22 Millionen Euro auf nun 28 Millionen Euro gestiegen. Mit Stromverkauf an ihre Kunden erlöst die Mainova jährlich mehr als eine Milliarde Euro und damit ein Drittel ihres Gesamtumsatzes.

Zu erklären ist der hohe Gewinn unter anderem durch den sogenannten Spotmarkt, also dem kurzfristig agierenden Stromgroßhandel. Während die Frankfurter dort im Jahr zuvor überschüssige Strommengen, die ihnen Kunden wegen der Corona-Krise nicht abgenommen hatten, zu niedrigen Preisen verkaufen mussten, konnte sie nun die steigenden Preise für sich nutzen.

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Hohe Weltmarktpreise werden erst mit Verzögerung beim Kunden ankommen

Auch das Gasgeschäft lief 2021 besser als 2020, der Winter war deutlich kälter, die Absatzmengen deshalb höher. Allerdings sei dieses Plus vom Preisanstieg für Erdgas teilweise wieder aufgehoben worden, weswegen der Gewinn in diesem Segment nur moderat auf 45 Millionen Euro gestiegen sei, erklärt Alsheimer. Insgesamt hat das Unternehmen 463 Millionen Euro mit Gasverkauf erlöst.

Die aktuell hohen Weltmarktpreise werden bei den Kunden erst mit Verzögerung im nächsten oder übernächsten Jahr ankommen, weil die Mainova ihre Energiemengen zu festgelegten Preisen im voraus eingekauft hat. Noch zahlt sie günstigere Tarife als derzeit an den Märkten aufgerufen werden. Sollten die Preise aber hoch bleiben, wird der Versorger mehr verlangen. Da auf dem Strompreis 40 Prozent und auf dem Gaspreis 25 Prozent Steuern und Abgaben liegen, sieht der Mainova-Vorstand den Staat in der Pflicht, diese Preisanstiege abzufedern.

Der kalte Winter konnte das Ergebnis bei der Energieerzeugung, die in der Mainova-Bilanz zusammen mit dem Fernwärmegeschäft ausgewiesen wird, stützen. 22 Millionen Euro Gewinn hat das Unternehmen mit seinen Kraftwerken erwirtschaftet, im Vergleich zum Vorjahr ging er allerdings um 44 Millionen Euro zurück. Alsheimer erklärt diesen Abfall mit der Neubewertung der wenig erfolgreichen Gaskraftwerke in Bremen und Irsching. Der Gewinnrückgang sei erwartbar gewesen, das gute Fernwärmegeschäft habe ihn abgefedert. Laut Jahresbilanz ist der Absatz von Wärme im Jahr 2021 um zehn Prozent gewachsen.

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Und er soll es weiter tun, der Ausbau des Frankfurter Fernwärmenetzes ist Bestandteil des insgesamt 1,8 Milliarden Euro teuren Investitionsprogramms, das die Mainova für die nächsten Jahre aufgelegt hat. Darin enthalten sind neben den Plänen zur sogenannten Wärmewende auch der Ausbau des Stromnetzes in der wachsenden Stadt Frankfurt, der Einstieg in den Rechenzentren-Markt und geplante Beteiligungen an Ökostrom-Anlagen. Die bestehenden Beteiligungen der Mainova, allen voran am Münchner Energiekonzern Thüga, machen mit 76,8 Millionen Euro bereits fast die Hälfte des Jahresgewinns aus.

Das Geschäftsfeld Erneuerbare Energien und Energiedienstleistungen fällt bei den Frankfurtern im Vergleich zum klassischen Geschäft deutlich kleiner aus. Doch das kann sich bald ändern, die Mainova ist neuerdings Gesellschafterin der Solarenergie Boitzenburger Land GmbH, die in Brandenburg den größten Solarpark Deutschlands mit einer Spitzenleistung von 175 Megawatt errichten will. Den Strom will die Mainova direkt vermarkten. Rechnerisch erzeugt sie dann mit eigenen Anlagen erneuerbaren Strom für die Versorgung von 227.000 Menschen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Janovic, Inga
Inga Janović
Redakteurin im Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortliche Redakteurin des Wirtschaftsmagazins Metropol.
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