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„Friedrichsdorf bringt’s“

Zwischen Selbst-Einkaufen und Lieferdienst

EIN KOMMENTAR Von Bernhard Biener
 - 18:00

Die größte Bedrohung für den Einzelhandel hat sechs Buchstaben und fängt mit A an. Plakativ lässt sich die wachsende Bedeutung des Online-Geschäfts mit dem Branchenprimus Amazon benennen. Aber auch der Friedrichsdorfer Gewerbeverein weiß, dass sich diesem Trend nicht dadurch begegnen lässt, dass man die eigene Ware zum Kunden nach Hause bringt. Deshalb versucht er vernünftigerweise erst gar nicht, seinen Lieferdienst als Amazon-Konkurrenz zu verkaufen. Denn das Angebot ist mehr als ein Zugewinn an Bequemlichkeit.

Natürlich profitieren Kunden davon, wenn sie schwere Einkäufe nicht nach Hause schleppen müssen, sich den ohnehin anstehenden regelmäßigen Standardeinkauf bringen lassen oder sich den Weg in die Stadt sparen, wenn die Zeit knapp ist. Der Service ist aber nicht in erster Linie als Ersatz für den Kauf im Geschäft gedacht. Denn die frische Ware direkt vor Augen führen zu können ist deren Vorteil gegenüber der Abbildung im Internet. Ebenso wie die Beratung durch echte Menschen. Für die Händler ist der Lieferdienst eher ein Zusatzplus, mit dem sie ihr Angebot ergänzen können: Wenn wir Ihnen den Einkauf bringen sollen – bitte schön.

Dabei machen viele das jetzt schon. Der Optikermeister, der zu älteren Kunden fährt, die Reisebüroinhaberin, die auf der Heimfahrt noch schnell den gewünschten Katalog einwirft – der Lieferservice ist für viele Geschäftsleute nicht die Erfindung von Kundennähe. Aber die konzertierte Aktion lenkt den Blick auf diese Stärken. Im Detail sind sicherlich Verbesserungen möglich. Ein Zahlungsmodus, auch für Kleinbeträge, würde zum Beispiel neue Möglichkeiten eröffnen. Aber schon jetzt ist die große Zustimmung zu einer Fortsetzung des Lieferservice bemerkenswert, der zunächst bis Ostern erprobt werden soll.

Positiv haben selbst solche Händler „Friedrichsdorf bringt’s“ aufgenommen, die den Service bisher gar nicht nutzen konnten. Das liegt nicht nur an der damit verbundenen Werbung. Selbst zwei Apotheken stehen auf der Teilnehmerliste, obwohl diese seit langem einen eigenen Lieferdienst haben. Die Begründung, damit grundsätzlich das Geschäftsleben in der Stadt unterstützen zu wollen, ist vielleicht der wichtigste Nebeneffekt des neuen Angebots. Sie zeugt von Gemeinschaftssinn, und der ist im Einzelhandel wichtiger denn je.

Quelle: F.A.Z.
Bernhard Biener
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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