FAZ plus ArtikelGesichtsmasken im Test

Freiheit unter dem Visier

Von Petra Kirchhoff
Aktualisiert am 27.04.2020
 - 12:12
Spuckschutz: Viele Unternehmen produzieren zurzeit Visiere aus Plastik.
Gesichtsmasken aus Plastik verkaufen sich gerade bestens. Sind sie eine Alternative zu Masken aus Stoff und Vlies? Wir haben zwei Modelle made in Hessen auf Tragbarkeit und Komfort getestet.

Hände waschen, Abstand halten, Schlange stehen – an viele Gewohnheiten in der Corona-Krise haben sich Verbraucher in erstaunlicher Geschwindigkeit gewöhnt. Nicht aber an das Tragen von Mund-und-Nasen-Schutz, das von diesem Montag an beim Einkaufen sowie beim Bus- und Bahnfahren Pflicht ist.

Weil es kaum noch Mundschutzmasken zu kaufen gibt – schon gar nicht solche mit Filter –, müssen Verbraucher auf genähte Stoffmasken zurückgreifen. Die sind leichter zu bekommen. Viele setzen sich selbst an die Nähmaschine.

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Vor- und Nachteile von Gesichtsschildern

Hand­ha­bung: Die Bän­der ei­ner Stoff­mas­ke zieht man sich ein­fach über die Oh­ren. Ein Ge­sichts­schild muss der Nut­zer vor dem ers­ten Ge­brauch mon­tie­ren. Das ist et­was fum­me­lig, das Ma­te­ri­al zu­dem sper­rig. Äl­te­re Leu­te dürf­ten schnell die Ge­duld ver­lie­ren und ei­ne hel­fen­de Hand brau­chen. Zehn Schrit­te um­fasst die An­lei­tung von „Ar­no­ca­re“, dem Vi­sier der hes­si­schen Fir­ma Ar­no Ar­nold, bei dem noch ein elas­ti­sches Band mit be­rück­sich­tigt wer­den muss. Das ein­fa­che­re „Face Shield“ von Seu­fert ist schnel­ler mon­tiert, wenn man ver­stan­den hat, wie es geht.

Tra­ge­kom­fort: In die­sem Punkt sind Vi­sie­re im Ver­gleich zur Stoff- oder auch OP-Ein­weg­mas­ke klar im Vor­teil. Weil die Schei­be vor Mund und Na­se schwebt, hat der Trä­ger Luft zum At­men. Ein­mal auf den rich­ti­gen Kop­f­um­fang ein­ge­stellt und gut pla­ziert, gibt es zu­dem we­nig Grund, noch am Vi­sier zu ru­ckeln, und wenn, dann reicht es, die Schei­ben mit den Fin­gern am un­te­ren Rand in die rich­ti­ge Po­si­ti­on zu schie­ben oder am Kopf­band am Hin­ter­kopf zu zie­hen. Beim Zu­recht­zup­fen ei­ner Na­sen-Mund-Mas­ke sind die Fin­ger öf­ter und di­rekt im Ge­sicht. Was al­ler­dings nicht mal eben geht: Von der Son­nen- auf die Le­se­bril­le wech­seln. Da­zu muss die Schei­be hoch­ge­scho­ben wer­den. Die Bril­le schlägt nach un­se­rer Er­fah­rung aber nicht an. So­gar Fahr­rad fah­ren funk­tio­niert mit der Ge­sichts­mas­ke. Trotz Son­nen­scheins ist es uns da­hin­ter nicht un­an­ge­nehm heiß ge­wor­den. Un­ter dem Plas­tik­stirn­band bil­det sich al­ler­dings schnell Schweiß.

Kom­mu­ni­ka­ti­on: Ein kla­rer Punkt für das Vi­sier. Das Ge­sicht bleibt sicht­bar, der Mund frei, Ge­sag­tes wird ver­stan­den. Der Trä­ger selbst muss sich an das dump­fe Ge­fühl ge­wöh­nen, wie un­ter ei­nem Schutz­helm mit ge­schlos­se­nem Vi­sier zu at­men und zu spre­chen. Er hört die ei­ge­ne Stim­me lau­ter und auch den Atem, wenn er beim Trep­pen­stei­gen aus der Pus­te kommt. Bei län­ge­rem Ein­satz kann das von Nach­teil sein. Ver­käu­fe­rin­nen be­rich­ten, sie sei­en mit der Ge­räusch­ku­lis­se un­ter dem Schild auf Dau­er nicht zu­recht­ge­kom­men.

Trans­port: Stoff­mas­ken pas­sen in je­de Ja­cken­ta­sche. Ein Vi­sier kann man nicht zu­sam­men­k­nud­deln und in die Ta­sche ste­cken. Die leich­ten Schei­ben las­sen sich aber gut zu­sam­men­bie­gen und in ei­nen Stoff­beu­tel schie­ben. Die Aus­fahrt im Fahr­rad­korb durch die Stadt ha­ben bei­de Mas­ken gut über­stan­den, wo­bei sich die teu­re­re „Ar­no­ca­re“ als die sta­bi­le­re er­weist.

Rei­ni­gung: Das Rei­ni­gen der Schei­ben nach dem Tra­gen ist ei­ne et­was wa­cke­li­ge An­ge­le­gen­heit, weil die Plas­tik­schei­ben zit­tern. Je sta­bi­ler das Ma­te­ri­al, um­so bes­ser geht es. Emp­foh­len wird ein Des­in­fek­ti­ons­spray, das man mit ei­nem Kos­me­tik­tuch ab­rei­ben kann. Bei gu­ter Hand­ha­bung ver­spre­chen die Her­stel­ler den Ein­satz der Vi­sie­re über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum. hoff.

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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