Handmade in Höchst

Hauchzartes aus weißem Gold

Von Thorsten Winter
31.12.2020
, 13:24
Eine Gießener Schmuckdesignerin fertigt mit Höchster Porzellan hauchzarte Teelichter und Teedosen nebst Deckel mit Wabenmuster. Dabei spielen auch Textilien eine Rolle.

Wer nutzt Dessous und andere Textilien für Muster in Silberringen und Porzellan? Die Antwort: Pia Sommerlad. Wer das nicht glaubt, kann sich im Laden der Schmuckdesignerin in Gießen selbst überzeugen. Oder im Geschäft der Höchster Porzellan-Manufaktur in der Frankfurter Altstadt. Dort zeigt das traditionsreiche Unternehmen Windlichter und Schälchen mit Deckel, die Sommerlad gefertigt hat. Die Objekte wirken hauchzart, was den edlen Charakter des sogenannten weißen Goldes, aus dem sie gemacht sind, noch verstärkt.

Wie kommt die Schmuckdesignerin aber zur Höchster Manufaktur? Sommerlad beschreibt sich als „Materialtyp“. Sie habe mit Porzellan arbeiten wollen und sich vor fünf Jahren mit einem Porträt ihrer Arbeit und ihrer Person an die Höchster Firma gewandt. Daraufhin habe die Geschäftsleitung sie zur Mitarbeit eingeladen. Seitdem experimentiere sie mit Porzellan und gestalte Produkte nach eigenen Ideen. Fasziniert äußert sich Sommerlad von der Art und Weise, wie das Rohmaterial verarbeitet wird. Und das geht so: Sie gießt die flüssige Masse in eine Gipsform, in der sie sich nach und nach infolge des Entzugs von Wasser wandelt. „Man sieht dabei jeden Moment der Entstehung“, schwärmt sie von dem Arbeitsprozess.

Aus der Gipsform heraus

Das Windlicht etwa entsteht ihren Worten zufolge, indem sie die Masse in der Gipsform schwenkt und das Gefäß immer wieder kippt. Heraus kommt eine Art Schale mit einem welligen Rand, der an Blüten erinnert. Der Clou: Auch das Innere des Teelichts weist Wellen auf, die wie übereinanderliegende Schuppen aussehen.

Bevor die Rohware zweimal im Ofen zu festem Porzellan gebrannt wird, muss Sommerlad die scharfen Kanten glätten. Und dabei besonders vorsichtig sein. Denn: „Das Material ist sehr empfindlich und bröckelt schnell ab.“ Ist es fertig und brennt ein Teelicht darin, dringt die Helligkeit sozusagen abgestuft nach außen. Denn durch die „Schuppen“ verjüngt sich das Windlicht zum Rand hin.

Die Dekoration auf dem Deckel zur Schale sieht aus wie einer Bienenwabe nachempfunden. Tatsächlich drückt die Designerin zu diesem Zweck einen entsprechend gefertigten Stoff in die weiche Porzellanmasse.

Während die Schale an sich glasiert ist, bleibt der Deckel mit der Verzierung matt. Beides ergibt - für 120 Euro (Windlicht) und 129 Euro (Teedose) – eine aparte Kombination und ein besonderes Geschenk, auch nach Weihnachten. Handwerkliche Produkte wie diese haben halt ihren Preis, das gilt auch und gerade für Schönes made in Hessen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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