Impfstoff gegen Corona

Gut gekühlt zum Ziel – aber wie?

Von Julia Fietz, Kelsterbach
11.12.2020
, 14:06
Kühlen Kopf bewahren: Dokasch-Chef Andreas Seitz hat viel zu tun.
Bei der Impfstoff-Verteilung steht das hessische Unternehmen Dokasch vor einer Mammutaufgabe. Vor allem die Kühl-Temperaturen stellen den Spezialisten vor Herausforderungen.
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Das Rennen ist eröffnet, die ersten Corona-Impfstoffe sind bereits zugelassen, weitere folgen. Damit steht die Welt vor einer logistischen Mammutaufgabe. Milliarden von Impfstoffdosen müssen transportiert werden. Häufig ist die Fracht empfindlich und muss durchgehend gekühlt werden.

Angesichts dieser Nachrichtenlage bereitet sich im Gewerbegebiet Mönchhof zwischen Raunheim und Kelsterbach das Unternehmen Dokasch Temperature Solutions auf den zu erwartenden Ansturm vor. Als einer von drei Anbietern weltweit verfügt der Hersteller von Luftfrachtcontainern über eine batteriebetriebene Klimaautomatik-Technologie. Diese ermöglicht es, Güter wie Pharmazeutika bei gleichbleibenden Innenraumtemperaturen in alle Klimazonen zu fliegen. Dafür ist auch kein Trockeneis notwendig, das wegen seines Eigengewichts die Frachtmenge minimiert.

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Extreme Minustemperaturen, wie sie derzeit für den Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und des amerikanischen Pharmariesen Pfizer nötig sind, können in den Dokasch-Containern nicht erzeugt werden, wohl aber die von der Weltgesundheitsorganisation allgemein für Impfstoffe vorgeschriebene Kühlung bei zwei bis acht Grad. Das wird voraussichtlich für die Stoffe von Moderna und Astra-Zeneca ausreichen.

Gleichbleibende Innentemperatur

Das hessische Unternehmen gehört zur mittelständischen Dokasch-Gruppe, die seit dreißig Jahren Luftfrachtladegeräte entwickelt und herstellt. Deren Stammsitz ist im rheinland-pfälzischen Staudt, vor den Toren des Flughafens steht das Service- und Wartungszentrum der Unternehmenstochter Temperature Solutions, in dem jeder Container, der nach einer Flugreise in Frankfurt landet, überprüft wird, bevor er mit neuer Ladung abermals verschickt wird. Seit 2013 vermietet Dokasch seinen „Opticooler“ für den Transport von Pharmazeutika auf interkontinentalen Flügen an Airlines und Hersteller.

„Von der Grundtechnologie her funktionieren die Container wie eine Klimaautomatik im Auto“, erklärt Andreas Seitz, Geschäftsführer von Dokasch Temperature Solutions, die Sparte hat er von 2013 an selbst mit aufgebaut. Er steht auf dem Firmengelände am Mönchhof, das Gebäude hinter ihm ist in seiner rechteckigen, an einer Seite unten angeschrägten Form dem kleineren Opticooler-Modell RKN nachempfunden. Um Seitz herum warten in Reih und Glied Container auf ihre Wartung oder Abholung. Einige Exemplare sehen außen etwas ramponiert aus, ein Blick auf ihre Beschilderung zeigt, dass sie einen Hin- und Rückflug aus Amerika hinter sich haben.

Mit etwas Kraftaufwand öffnet Seitz einen der Container. Bis zu fünf Europaletten und eine maximale Nutzlast von 4839 Kilogramm fasst das größere der beiden Kühlmodelle. In das kleinere passen eineinhalb Europaletten und maximal 918 Kilogramm Fracht. Das Innere der kalten Transportboxen ist mit Aluminium ausgekleidet, die Lüftungsschlitze für die Klimaautomatik sind zu sehen. Auf einem Touchscreen kann von außen die Temperatur eingestellt werden. Seitz drückt ein paar Knöpfe, und das Gerät beginnt zu surren. Es passt seine eigene Leistung automatisch der Außentemperatur an. Auf diese Weise bleibt es im Innenraum gleichbleibend kühl, auch bei minus 30 Grad im Winter in Chicago oder im Sommer bei plus 50 Grad in Dubai. Auch dann noch, wenn der Container mal einige Zeit auf dem Rollfeld stehenbleiben müsse, sagt Seitz. „Eine globale, in sich geschlossene Kühlkette ist eine echte Herausforderung.“

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Im vergangenen Jahr hat Dokasch Temperature Solutions einen Umsatz von rund 17 Millionen Euro gemacht. So gut wie alle Pharmahersteller und Airlines sind nach eigenen Angaben Kunden, Konkurrenten gibt es weltweit wenige. Wobei das schwedische Unternehmen Envirotainer fast gleichzeitig Kühlcontainer mit ähnlicher Technologie auf den Markt brachte.

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Hoher Umsatz trotz Corona-Pandemie

Aktuell haben alle Anbieter gut zu tun. Für das Corona-Jahr 2020, das für die Flugbranche eine Hiobsbotschaft nach der nächsten bedeutete, erwarten die Kühlspezialisten sogar einen Umsatz von 20 Millionen Euro.

Das liege an der weiterhin hohen Nachfrage: Medikamente müssten auch in der Pandemie transportiert werden, erklärt Seitz. Als im Frühjahr schlagartig die Flugzeuge am Boden blieben, hätten die Pharmaunternehmen vor einem Problem gestanden, denn ein Großteil ihrer Fracht wird in Passagierflugzeugen transportiert. „Die logistischen Ströme im Luftfrachtverkehr sind über Nacht vollkommen durcheinandergeraten“, sagt Seitz. Mittlerweile habe sich die Situation wieder stabilisiert.

Für die weltweite Verteilung der Impfstoffe werden nun neue Pläne gemacht. Dokasch hat seinen Containerbestand am Frankfurter Flughafen bereits auf 800 erhöht und seine Prozesse so umgestaltet, dass die Container an ihren Zielflughäfen schneller „gedreht“, also wieder beladen und verschickt werden können. Seitz rechnet damit, dass ein Großteil der Impfstoffe letztlich bei den üblichen Kühltemperaturen und damit auch in Dokasch-Behältern transportiert wird.

Die Situation sei im Ganzen aber noch sehr unsicher. „Alle wissen, da kommt etwas, da kommt eine Welle, und alle versuchen, sich auf diese Welle vorzubereiten“, so Seitz. Er steht im Kontakt mit den Pharmaherstellern, den großen Airlines und Logistikern der Branche. Und er kennt die Schätzungen des internationalen Luftfahrtverbandes und des Logistikunternehmens DHL, die von 8000 bis zu 15.000 Flügen ausgehen, die für die globale Versorgung mit Impfstoffen notwendig werden.

Quelle: F.A.Z.
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