Gehalt und Gender Pay Gap

Inflation vernichtet Lohnplus von vier Jahren

Von Falk Heunemann
12.08.2022
, 16:51
Die Beschäftigen in den Frankfurter Banktürmen verdienen fast drei Mal so viel wie Hotelangestellte. Eine Berufsgruppe bekommt aber noch mehr.
Beschäftigte in Hessen bekommen im Mittel 3799 Euro brutto im Monat. Banker bekommen allerdings dreimal so viel Geld wie Hotelangestellte. Die Geschlechter-Lohnlücke ist zudem geschrumpft.
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Hessische Beschäftigte bekommen im Schnitt 300 Euro mehr Lohn pro Monat als noch vor vier Jahren, Frankfurter kassieren das Anderthalbfache von Arbeitnehmern in Nordhessen, und das sogenannte Gender Pay Gap ist etwas kleiner geworden: Das sind Ergebnisse einer neuen Entgeltstatistik der Bundesarbeitsagentur. Grundlage sind die Gehaltsangaben, die Arbeitgeber bei den Sozialversicherungen melden.

Im Schnitt beziehen hessische Vollzeitbeschäftigte nun 3799 Euro brutto im Monat. 2017 waren es 3494 Euro. Das zeigt, dass die Löhne trotz der Pandemie gestiegen sind. Das Lohnplus über diese vier Jahre betrug insgesamt 8,7 Prozent. Zugleich sind aber die Preise um acht Prozent gestiegen. Nimmt man die Inflation seit Jahresbeginn dazu, sind die Preise nun sogar mehr als 14 Prozent teurer als 2017.

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Hessische Arbeitnehmer haben also real weniger Kaufkraft als vor vier Jahren. Gewerkschaften drängen aber derzeit auf deutlich höhere Lohnabschlüsse als früher und konnten die in diesem Jahr zum Teil auch schon durchsetzen.

Lohnlücke von 400 Euro

Die Arbeitsagentur rechnet in ihrer Statistik nicht einfach den Durchschnitt aller Gehälter aus, sondern ermittelt den Median. Das ist der Wert, der genau in der Mitte einer Liste stehen würde, auf der alle Gehälter der Höhe nach aufgelistet sind. Der Median hat gegenüber dem normalen Durchschnittswert den Vorteil, dass er weniger anfällig ist für Verzerrungen durch wenige extrem hohe oder wenige extrem niedrige Löhne.

Frauen werden laut der Statistik in Hessen weiterhin etwas schlechter bezahlt als Männer, der Gehaltsunterschied beträgt, wie schon vor vier Jahren, rund 400 Euro. Da aber die Löhne der Frauen absolut ebenso gestiegen sind wie die der Männer, ist die prozentuale Lücke leicht geschrumpft und beträgt nur noch rund zehn Prozent.

Zu erklären ist diese unter anderem damit, dass Frauen mehrheitlich in schlechter bezahlten Berufen und Branchen tätig sind, aber zum Beispiel auch, dass sie nach der Geburt eines Kindes langsamer Karriere machen. Nicht abgebildet in dieser Statistik ist, dass mehr als die Hälfe der Frauen in Hessen in Teilzeit arbeiten und dadurch nochmals weniger bekommen.

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Erzieher beziehen Durchschnittslöhne

Zu den schlecht zahlenden Wirtschaftszweigen gehört dieser Statistik nach die Gastronomie, in der selbst Vollzeitbeschäftigte nur auf ein Bruttogehalt von 2200 Euro kommen. In der Hotellerie und der Gebäudereinigung sind die Verdienste ähnlich niedrig.

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Gastronomie und Hotellerie zahlen damit etwa nur ein Drittel dessen, was Arbeitnehmer in Banken und Versicherungen beziehen, diese kommen im Median auf knapp 6200 Euro. Am besten verdienen angestellte Ärzte in Hessen mit 6900 Euro. Ziemlich genau im Durchschnitt liegen Kinderbetreuer, Sekretäre und Erzieher.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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