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Kommentar

Wenigstens keine Cyberattacke

Von Thorsten Winter
 - 16:33

Als ob ein Sportwagen in voller Fahrt auf der Autobahn alle vier Reifen verliert: Dieses Bild haben Verantwortliche des Frankfurter Rechenzentrums-Betreibers Interxion gewählt, um die Tragweite des stundenlangen Stromausfalls in einem seiner Datenzentren zu beschreiben. Das klingt nicht nur dramatisch, der Vorfall war es auch.

Denn im Grunde darf der Energiefluss in einem Rechenzentrum nicht versiegen. Niemals. Die Firmen, die Flächen für die Hochleistungsrechner ihrer Kunden vermieten, bieten im Kern drei Leistungen an: Stromzufuhr, Kühlung der Computer und die Sicherheit vor Übergriffen aller Art. Und das alles rund um die Uhr das ganze Jahr hindurch.

Peinlichkeit für Interxion

Ein Stromausfall berührt folglich die Kernkompetenzen eines solchen Unternehmens, dessen Geschäftsmodell Co-Location genannt wird und das in den vergangenen Jahren in Frankfurt immer wichtiger geworden ist. Längst stellen nicht nur mehr Telekom-Konzerne, Banken und Internetunternehmen ihre Rechner in eigens dafür geplanten Gebäuden von Datacenter-Betreibern ab, auch Krankenhäuser, Händler und Mittelständler aller Art tun es ihnen gleich.

Für den Frankfurter Internetknoten-Betreiber De-Cix sind Datacenter essentiell. Dass er von dem Stromausfall in Mitleidenschaft gezogen worden ist, Internetseiten seiner Kunden einige Zeit gestört waren und dies dem Vernehmen nach europaweit zu spüren war, verstärkt die Peinlichkeit für Interxion zusätzlich. Schmückt sich der Rechenzentrumsbetreiber doch gerne mit dem größten Netzknoten der Welt.

Weshalb versagte die Notstromkette?

Darauf wird er in Zukunft zwar nicht verzichten müssen. Denn das De-Cix-Management sieht Interxion aufgrund jahrelanger guter Zusammenarbeit weiter als verlässlichen Partner an. Auch hängt es die Frage der Regressansprüche nicht hoch. Doch muss Interxion einiges klären. Obenan steht die Frage, weshalb ein Transformator ausfiel. Wichtiger ist aber im Zweifel zu ergründen, wieso danach auch das komplette Notstromsystem versagt hat. Halten doch Datacenter-Betreiber genau für solche Fälle gigantische Schiffsdieselmotoren vor und testen sie jeden Monat. Zudem sollen Batterien im Zweifelsfall die Dieselaggregate zum Laufen bringen. So weit die Theorie.

Eine gute Nachricht hat die Suche nach der Ursache hervorgebracht: Ein Cyberangriff oder eine andere Art von Sabotage hat den Stromausfall nicht verursacht. Immerhin.

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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