Langsames Internet in Hessen

Bandbreite wie vor 20 Jahren

Von Falk Heunemann
15.01.2021
, 17:21
Für Homeoffice und Homeschooling brauchen die Bewohner Hessens schnelles Internet. Das klappt aber nicht immer.

Spätabends und am frühen Morgen ist alles, wie es sein soll: 50 Megabit pro Sekunde zeigen die Geschwindigkeitstests an, mehr als genug, um Serien zu streamen und nebenbei Internetseiten durchzublättern. Doch kaum beginnt der Arbeitstag, bricht die Bandbreite ein: Mal sind es 200 Kilobit, mal sogar nur 100 Kilobit – so langsam wie einst die ISDN-Leitungen. Dienstliche Emails abzurufen wird da schon zu Qual, und an Videokonferenzen ist gar nicht zu denken. So geht es seit Tagen.

Der Fall aus dem Frankfurter Nordend ist offenbar keine Ausnahme. „Bei uns geht gar nichts seit 32 Stunden“, schreibt etwa ein Vodafone-Kunde aus Frankfurt am Freitagmorgen auf der Seite Allesstörungen.de. Einer aus Rödelheim antwortet, er habe das gleiche Problem.

„Unser Netz arbeitet absolut stabil und zuverlässig“

Von einer Mitarbeiterin der Vodafone-Kunden-Hotline heißt es, das liege wohl an der derzeitigen Auslastung infolge des Trends zum Homeoffice. In Frankfurt sei etwa das Nordend stark betroffen, andere Gebiete aber auch. Man bitte die Kunden um Geduld, bis das Problem behoben sei, das könne aber „mehrere Wochen“ dauern.

Diesen Angaben der Hotline widerspricht allerdings eine Vodafone-Pressesprecherin. „Einen Netzausfall wegen Überlastung in Corona-Zeiten gab es in den deutschen Vodafone-Netzen noch nie – auch nicht im Bereich Frankfurt.“ Vodafone bemühe sich, das Netz schneller auszubauen als es benötigt werde. Auch bei der Deutschen Telekom will man von Netzüberlastungen nichts wissen: „Unser Netz arbeitet aktuell absolut stabil und zuverlässig.“ Aufgrund des Ausbaus der letzten Jahre sei das Telekom- Netz „sehr gut für die gerade entstehenden Lasten durch Homeoffice und Homeschooling vorbereitet“.

Was Vodafone bestätigt, ist ein Totalausfall des Kabelnetzes rund um Karben, 4000 Haushalte seien davon betroffen. Bei Bauarbeiten in Bad Vilbel sei ein Glasfaserkabel beschädigt worden, nun müsse auf 100 Meter ein neues Kabel verlegt werden. Zugleich gesteht das Unternehmen zu, dass es „in Einzelfällen“ in bestimmten Segmenten – mehrere Straßenzüge, die an einem Verstärkerpunkt hängen – zu starken Auslastungen kommen könne. In solchen Fällen müsse kleinteiliger segmentiert werden, dafür sei die Neuverlegung von Glasfaserkabeln nötig – und das dauere.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot