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Flugbegleiter-Streik

Worum es im Streit von Lufthansa und Ufo geht

Von Timo Kotowski
 - 14:25
Maschinen der Lufthansa am Frankfurter Flughafen.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo will eine Phase langer interner Querelen hinter sich lassen. Mit einem Streikaufruf an Beschäftigte der Deutschen Lufthansa soll alte Stärke demonstriert werden. Am Sonntag sollen Flüge der Konzernmuttermarke Lufthansa von 6 bis 11 Uhr von den Flugbegleitern bestreikt werden, teilte Ufo am Montag mit. Der Konzern reagierte gelassen: „Wir sind zuversichtlich, den Flugbetrieb störungsfrei aufrecht erhalten zu können“, sagte ein Sprecher. Lufthansa geht somit davon aus, dass viele Beschäftigte nicht dem Aufruf der Gewerkschaft folgen werden.

Chancen, den Ausstand durch kurzfristige Gespräche abzuwenden, gebe es auch kaum. Denn der Lufthansa-Konzern ist seit Monaten nicht zu Verhandlungen mit Ufo bereit. Er bezweifelt, dass die Gewerkschaft nach ihren internen Querelen noch einen rechtmäßig bestimmten Vorstand hat. Bei Ufo sieht man das anders. „Statt mit Ufo über einen Tarifvertrag zu einer Lohnerhöhung von 1,8 Prozent zu verhandeln, mauert der Konzern mit dem vorgeschobenen Grund der fehlenden Vertretungsbefugnis“, sagte der Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr am Montag.

In der Auseinandersetzung geht es formal um die 1,8-Prozent-Forderung. Gewerkschaften – nicht zuletzt die Piloten – hatten in der Vergangenheit bei Lufthansa aber viel höhere Wünsche angemeldet. Außerdem hat Ufo eine sehr kurze Laufzeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember vorgeschlagen. Für den Konzern steht daher fest, dass es sich um eine vorgeschobene Forderung handle. Für die Gewerkschaft soll die Auseinandersetzung derweil auch ein Befreiungsschlag werden, man will wieder als Arbeitnehmervertretung wahrgenommen werden, die sich nicht nur an der Zerfleischung der eigenen Funktionäre abarbeitet, sondern für Beschäftigte kämpft – und das auch darf.

Lufthansa will Rechtsmittel gegen Entscheidung prüfen

Bei Ufo sieht man sich bestärkt durch eine erstinstanzliche Entscheidung des Frankfurter Arbeitsgerichts. Das hatte Ende September entschieden, dass die Kündigung von Tarifverträgen durch die Gewerkschaft wirksam ist. Lufthansa hatte das bestritten und darauf verwiesen, dass die Gewerkschaft nach vielen internen Streitereien aus Konzernsicht keinen ordnungsgemäß bestimmten Vorstand mehr habe. Lufthansa hat angekündigt, Rechtsmittel gegen die Arbeitsgerichtsentscheidung zu prüfen.

Lufthansa führt zudem einen anderen Rechtsstreit als Erklärung an, warum man mit Ufo aktuell nicht verhandeln wolle und könne. Der Konzern hat vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht beantragt, den Status von Ufo als Gewerkschaft zu überprüfen. Eine Entscheidung dazu wird erst im kommenden Frühjahr erwartet. Während man bei Ufo schon aus dem jüngsten Urteil herausliest, dass der eigene Status gesichert sein dürfte, dürfte man im Lufthansa-Konzern darauf setzen, nach der einen Schlappe in diesem Verfahren die Konzernsicht bestätigt zu bekommen.

Vorsorglich hat Lufthansa die Flugbegleiter im Konzern schon wissen lassen, dass sie aus Sicht des Arbeitgebers Gefahr laufen, sich in einen illegalen „wilden Streik“ zu begeben. Die Namen der Streikenden sollen daher erfasst, ihre Gehälter wegen nicht geleisteter Arbeitsstunden gekürzt und möglicherweise auch weitere Konsequenzen geprüft werden, heißt es aus Konzernkreisen. Ufo-Chef Flohr sagt dazu in Richtung des Lufthansa-Vorstandschefs Carsten Spohr: „Wenn Herr Spohr der Meinung ist, dass die Streiks illegal sind, dann muss er das vor Gericht beweisen.“

Verdi bald künftiger Tarifpartner?

Der Gewerkschaft könnten Schadenersatzklagen drohen, sofern die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfs oder der Gewerkschaftsstatus der Ufo später doch nicht bestätigt würden. Für die angeschlagene Arbeitnehmervertretung wäre das fatal. In der Vergangenheit hatte Lufthansa schon mal einen gerichtlichen Erfolg gegen die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit erstritten, ein Streik wurde verboten. Die Gewerkschaft sollte 60 Millionen Euro als Ausgleich zahlen, was sie nicht hätte leisten können. Letztlich kam es doch noch zu einer Einigung der Kontrahenten, so dass das Geld nie eingetrieben wurde. Ob das im Fall der Auseinandersetzung mit Ufo genauso gehandhabt würde, ist offen.

Mit Argwohn beobachtet man im Lufthansa-Konzern, dass der ehemalige Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies im Hintergrund an der Ufo-Politik wieder beteiligt ist. Er war im Zuge der internen Querelen zurückgetreten, eine aus Konzernsicht ungenehmigte Nebentätigkeit nutzte Lufthansa im September als Anlass, um ihm zu kündigen. Baublies trat zuletzt als Beauftragter des Ufo-Vorstands in Erscheinung. Die Fronten sind verhärtet: Auf Gewerkschaftsseite wird die Baublies-Kündigung als eine Episode der Konzernkampagne angesehen, was der Konzern bestreitet.

Denn in den Ufo-Reihen kursiert der Eindruck, Lufthansa wolle in Zukunft lieber die Gewerkschaft Verdi als Tarifpartner haben, was der Konzern wiederum bestreitet. Ufo hält dagegen: „Lufthansa ist sogar bereit, der Verdi ein Willkommensgeschenk am Tariftisch zu machen“, heißt in einem am Wochenende auf der Internetseite der Gewerkschaft veröffentlichten Beitrag. Auch abtrünnige Ufo-Mitglieder sollen beteiligt sein. Ein Treffen mit ehemaligen Ufo-Funktionären und Verdi habe es gegeben. „Vorbereitungen für eine Tarifvereinbarung mit Verdi sind Realität“, heißt es weiter in den Beitrag.

Weitere Streiks könnten drohen

Dagegen stemmt sich die Flugbegleiterorganisation. Sie will in den nächsten Monaten bei gleich mehreren Gesellschaften des Lufthansa-Konzerns Forderungen notfalls mit Streiks durchsetzen. Bei der Kernmarke Lufthansa geht es laut Ankündigung um 1,8 Prozent mehr Gehalt, bei Eurowings um eine betriebliche Altersvorsorge, bei der im Eurowings-Lack fliegenden Germanwings um einen Tarifvertrag Teilzeit, bei Lufthansa Cityline um 2 Prozent mehr Gehalt und bei Sun Express Deutschland um die erstmalige Einführung eines Vergütungstarifvertrags.

Ob der Streik am Sonntagmorgen als Drohkulisse für all diese Konflikt geeignet ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. In Lufthansa-Kreisen heißt es, mit einem Ausstand bis 11 Uhr mache es die Gewerkschaft dem Konzern geradezu leicht, große Folgen abzuwenden. Langstreckenflüge starteten in dem Zeitraum ohnehin kaum, sie könnten in jedem Fall mit geringer Verspätung durchgeführt werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kotowski, Timo
Timo Kotowski
Redakteur in der Wirtschaft.
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