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Zukunft der Auto-Entwicklung

Funkstille bei Opel statt Verhandlungen

Von Thorsten Winter
 - 05:19

Die Chefetage von Opel macht Tempo beim Umbau des Autobauers. Nicht von ungefähr heißt das entsprechende Programm „Pace“. Tatsächlich hat die Geschäftsleitung um Michael Lohscheller keine Zeit zu verlieren – auch und gerade nicht, um das Entwicklungszentrum fit für die Zukunft zu machen. Diesem Ziel soll die Partnerschaft mit dem Dienstleister Segula dienen. „Der bis Juli 2023 vereinbarte Kündigungsschutz für die Beschäftigten hat weiterhin Bestand“, hat Opel schon verlautbart. Sinn der Übung dürfte sein, die Belegschaft zu beruhigen. Schließlich sollen bis zu 2000 Entwickler zu Segula gehen.

Allerdings handelte der Autobauer vorschnell: Den nötigen Tarifvertrag gibt es noch gar nicht. Nun kündigt die Firma an: „Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat über einen Interessenausgleich werden nun nach der Vertragsunterzeichnung entsprechend der gesetzlichen Vorgaben des Betriebsverfassungsrechts beginnen.“ Auf die Frage, wann sich beide Seiten treffen, heißt es aus dem Adam-Opel-Haus nur: „Details der Verhandlungen, wie konkrete Termine, kommentieren wir nicht öffentlich.“ Vertreter der Arbeitnehmerschaft zeigen sich weniger verschwiegen: „Still ruht der See.“

Einzelheiten: Fehlanzeige

Mit dieser Antwort ist weniger der Teich vor dem Adam-Opel-Haus gemeint als das Verhältnis von Opel-Chefetage und Gewerkschaft. Demnach gibt es noch keinen Termin für Verhandlungen über die Bedingungen eines Übergangs von Opel-Mitarbeitern auf Segula. Zudem ist in Betriebsratskreisen zu hören, es gebe seit Wochen keine Gespräche mit Top-Managern der deutschen Tochterfirma der Peugeot-Mutter PSA und auch keine weiteren Informationen zu der geplanten Transaktion. Für diese haben Opel und Segula in einem ersten Schritt, Signing genannt, einen Vertrag unterzeichnet. Der Vertragsschluss, das Closing, steht aus. Das geht aber nicht ohne Übereinkunft mit der IG Metall.

„Im Zuge der Strategischen Partnerschaft mit Segula beachtet Opel alle gesetzlichen Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertreter“, versichert das Rüsselsheimer Unternehmen. Vor der dauerhaft eingerichteten Einigungsstelle habe Opel auch informiert, heißt es. Einzelheiten: Fehlanzeige.

Ein Gewerkschafter weist derweil darauf hin, dass Segula die bis zu 2000 Opel-Mitarbeiter vom ersten Tag nach dem Übergang finanzieren müsse. „Ich habe aber noch keinen einzigen Auftrag für sie gesehen.“ Segula und Opel müssten schlüssig darlegen, woher diese Aufträge kommen sollten.

Gemeinsame Erklärung

Arbeitnehmervertreter fordern dies nicht ohne Grund: Opel will bis zu 2000 Entwickler deshalb loswerden, weil die Bestellungen von der früheren Konzernmutter General Motors absehbar weniger werden. Die Kompetenzzentren, in denen die Rüsselsheimer für PSA etwa neue Sitz- und Gurtsysteme, Kraftstoffe und Brennstoffzellen für Elektroautos entwickeln sollen, werden kaum genug Arbeit für alle Entwickler bieten. Die IG Metall und die französische Gewerkschaft CFDT appellieren erstmals gemeinsam an PSA, die eigene Forschung nicht den kurzfristigen Profitinteressen zu opfern.

Zu den ausstehenden Gesprächen mit der Opel-Chefetage über die Abspaltung eines Teils des Entwicklungszentrums sagt ein Gewerkschafter: „Je länger sich das hinzieht, desto lieber ist es uns – denn wir wollen das eh nicht.“

Quelle: F.A.Z.
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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