Getriebewerk im Blick

Opel-Pläne zu geplantem Geländeverkauf sorgen für Irritationen

Von Thorsten Winter
20.08.2020
, 15:56
Autobauer Opel will sein Stammgelände in Rüsselsheim verkleinern. Davon soll auch das Getriebebau betroffen sein. Dies sorgt für Irritationen, denn ein Tarifvertrag schützt dieses Werk im Werk.

Die Pläne des Autobauers Opel zum Verkauf weiterer Teile seines Stammgeländes in Rüsselsheim sorgen im Umfeld für Aufsehen. Bisher hat die deutsche Tochtergesellschaft der Peugeot-Mutter PSA im Zuge von erheblichem Personalabbau schon Teile seines Entwicklungszentrums an den Dienstleister Segula veräußert. Andere Areale nutzt mittlerweile der Möbelhändler Ikea. Nun soll es außer um das Verwaltungsgebäude Adam-Opel-Haus, für das ein Sale-and-lease-back-Verfahren im Gespräch sei, auch um das Getriebewerk gehen. Dieser Plan wiederum ruft Irritationen hervor.

Ein Grund: Sich von der Zentrale zu trennen, hätte „krasse symbolische Bedeutung“, wie ein Kenner der Firma sagt. Ein zweiter Grund: Ein Tarifvertrag schützt den Bestand des Getriebewerks. Gleiches gilt nach Aussage von Kennern des Unternehmens auch für die Schmiede. Opel hatte vor der Sommerpause mitgeteilt, sowohl die Getriebefertigung als auch die Schmiede schließen zu wollen. Obwohl nur gut 200 Stellen daran hängen, ist die Getriebefertigung ein Werk neben der Autoproduktion und kein Anhängsel.

Gibt Opel es auf, büßt der Stammsitz an Vielfalt ein. Das gefällt Arbeitnehmervertretern nicht, wie sie schon im Juni klargemacht haben. Sie wollen sich für Rüsselsheim als Standort einer „vollstufigen Automobilproduktion und -entwicklung“ einsetzen.

Erst noch Gespräche nötig

Nach Informationen der F.A.Z. gibt es bisher keine Übereinkunft zwischen Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretern zu Getriebebau und Schmiede in Rüsselsheim. Auch und gerade über das kleine Werk im Werk muss demnach erst noch verhandelt werden. „Selbstverständlich stehen wir in einem engen Austausch mit der Stadt Rüsselsheim und dem Sozialpartner, um die erfolgreiche Entwicklung des Standorts gemeinsam zu gestalten. Konkrete Entscheidungen wurden noch nicht getroffen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Opel zielt nach eigenen Angaben auf eine „nachhaltige und wettbewerbsfähige Aufstellung an allen unseren Standorten – selbstverständlich auch an unserem Stammsitz Rüsselsheim“. Dazu gehöre eine weiter optimierte Flächennutzung. Das Gelände am Standort sei – auch im Vergleich zu anderen Automobilwerken – überproportional groß: „Noch vor drei Jahren war unser Werksgelände größer als das Fürstentum Monaco.“

Derweil sorgt auch Segula für Aufregung. Nachdem der Opel-Partner im Frühjahr noch einen größeren Personalbedarf hatte als erwartet und 150 Mitarbeiter eingestellt hat, will er sich nun von bis zu 300 Beschäftigten trennen. Allerdings gilt für die 750 ehemaligen Opel-Mitarbeiter in den Reihen von Segula ein Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende Juli 2023. Der Betriebsrat und die IG Metall plädieren für einen verstärkten Einsatz der Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden. Hier stehen Gespräche an.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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