Protest in Rüsselsheim

Im Auto gegen den Opel-Kurs

Von Martin Gropp
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 09:24
Opel-Produktion in Eisenach
Die Gewerkschaft IG Metall will per Demo-Korso für den Kündigungsschutz trommeln. Das Unternehmen sucht derweil weiter Mitarbeiter, die freiwillig gehen wollen.

Auf dem Papier haben die Mitarbeiter des Autoherstellers Opel erst einmal nicht viel zu befürchten. Noch bis Juli 2025 sind sie vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. So sieht es jedenfalls der Zukunftstarifvertrag vor, den Unternehmen und Arbeitnehmervertreter Anfang des Jahres um eine entsprechende Zusatzvereinbarung erweitert hatten. Doch hinter dem Kündigungsschutz steht seit Mitte September ein Fragezeichen.

Schließlich beruht er darauf, dass bis zu 2100 weitere Mitarbeiter Opel freiwillig verlassen. Komme diese Zahl nicht zustande, werde insbesondere die Verpflichtung zur Beschäftigungssicherung geprüft, hieß es im September von der deutschen Tochtergesellschaft des französischen PSA-Konzerns. Eigentlich läuft die Frist für das freiwillige Ausscheiden bis Ende 2021. Doch schon Ende dieses Monats will der Autohersteller den aktuellen Stand neu bewerten. Das hat die Arbeitnehmervertreter schon im September schwer verärgert. Kurz vor der Prüfung will die Gewerkschaft IG Metall daher sichtbaren Widerstand organisieren.

Für diesen Dienstag sind die Beschäftigten am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim aufgerufen, Corona-konform per Autokorso für den Kündigungsschutz zu demonstrieren. Am frühen Nachmittag soll sich der Treck vor dem Adam-Opel-Haus langsam in Bewegung setzen und dort nach zwölf Kilometern Rundkurs ums Opel-Werk und rund einer Stunde wieder ankommen.

„Lang gehegte Abbauphantasien“

„Hände weg vom Kündigungsschutz“ ist der Aufruf der IG Metall Darmstadt überschrieben, den auch die Gewerkschaftsvertretung am Opel-Standort in Kaiserslautern unterstützt. Zudem sollen sich Rüsselsheimer Beschäftigte des französischen Unternehmens Segula anschließen. Auch sie sehen derzeit einen Teil der Arbeitsplätze bedroht, die mit dem Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums an den französischen Zulieferer gegangen sind.

Der IG Metall zufolge sollen am Segula-Standort in Rüsselsheim 200 Mitarbeiter gehen. Das Management begründe dies damit, dass wegen der Corona-Krise Aufträge von Kunden ausgeblieben sind, heißt es in einem weiteren Flugblatt.

„Seit Wochen schon bedrohen das PSA- und Opel-Management die Beschäftigten von Opel und ihre Familien mit betriebsbedingten Kündigungen, wenn der Personalabbau gemäß ihren Vorstellungen nicht bis Ende des Jahres erfolgt ist“, begründet die Gewerkschaft ihren Aufruf. Die Drohung, den Zukunftstarifvertrag zu kündigen, um betriebsbedingte Kündigungen zu ermöglichen, sei eine Provokation. „Lang gehegte Abbauphantasien werden nun im Windschatten der Corona-Krise ausgelebt.“ Es stehe zu befürchten, dass der Personalabbau auch im nächsten Jahr nicht enden werde.

Opel sucht weiter Freiwillige

Laut einer Stellungnahme von Opel vom Montag sucht das Unternehmen jedenfalls weiter Mitarbeiter, die es freiwillig über Altersteilzeit, Vorruhestand oder per Abfindung verlassen wollen. Die neuen Abschlüsse nach dem erweiterten Freiwilligenprogramm seien bisher weit hinter den Erwartungen, teilte ein Sprecher mit, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Damit bleibt unklar, wie viele Mitarbeiter sich bisher für eine der drei Möglichkeiten des Ausstiegs entschieden haben. Ende September meldete Opel, dass das Unternehmen 500 von 2100 benötigten Freiwilligen gefunden hatte.

Aus Sicht von Opel drängt die Zeit. „Unser Ziel ist klar: Wir müssen den Personalabbau bis Jahresende zwingend umsetzen“, hatte Personalchef Ralph Wangemann im September in einer Mitarbeiterbotschaft geschrieben. Laut den Angaben von Montag sucht das Unternehmen dafür den Austausch mit den Arbeitnehmervertretern. „Wir sind mit der IG Metall im Dialog über die Tarifsituation und werden auch alle weiteren Schritte zunächst mit dem Sozialpartner besprechen“, sagte der Sprecher.

Die IG Metall betont indes weiter, dass es sich bei den vereinbarten 2100 Stellen um eine „Bis zu“-Zahl handelt und der Abbau zudem bis Ende nächsten Jahres vonstattengehen soll. Die Gewerkschaft sieht daher den Autokorso am Dienstag nur als Auftakt. Der Aktionstag solle ein erstes Zeichen sein, um zu zeigen, „dass wir trotz Corona wehrhaft sind“, heißt es im Protestaufruf.

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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