FAZ plus ArtikelUrlaub in Corona-Zeiten

Wer macht schon Reisepläne?

Von Robert Maus
05.05.2021
, 15:50
Wer bucht, bucht später um oder sagt ganz ab. Viele Urlaubshungrige hoffen auf die Impfkampagne. Inhabern von Reisebüros geht es nicht anders.

Unser höchstes Gut war immer die Vorfreude auf den Urlaub, das ist momentan aber leider nicht drin.“ Jens Oszvald ist der Inhaber des Wiesbadener Reisebüros Hartmann und rät selbst den verbliebenen reisefreudigen Kunden, möglichst kurzfristig zu buchen. „Das ist einfach sicherer“, sagt er. Die Bedingungen in den Reiseländern änderten sich coronabedingt immer wieder. Dabei würde Oszvald nichts lieber als Reisen zu verkaufen. Die Bedingungen für ihn und seine Branche sind weiterhin hart, die Pandemie mit ihren Einschränkungen hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um etwa 80 Prozent einbrechen lassen, seine sieben Angestellten befinden sich weiterhin in Kurzarbeit. Für dieses Jahr wurden im Reisebüro Hartmann bislang nur ein Fünftel der Anzahl an Sommerreisen gebucht, die sonst um diese Zeit schon verkauft waren. Trotzdem klagt der Wiesbadener nicht, er hat die Hoffnung, dass sich viele seiner Kunden durchaus fürs Reisen entscheiden, aber eben kurzfristig.

Jens Oszvald betreibt zwei Reisebüros in der Landeshauptstadt und in beiden ist der Trend zur Pauschalreise deutlich wahrnehmbar. „Wenn sich Reisedaten, Hotels oder Flüge ändern, hat der Kunde die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen“, begründet er die gestiegene Nachfrage nach Angeboten aus einer Hand. Wer bucht, suche sich überwiegend europäische Ziele aus. Oszvalds Einschätzung nach fühlten sich die Kunden so sicherer, dass sie im Notfall auch wieder nach Haus kämen. „Diejenigen, die bereits im vergangenen Jahr unter Corona-Bedingungen verreist sind, planen ihren Urlaub auch 2021 mutiger“, stellt er fest. Doch insbesondere Familien hielten sich mit Plänen zurück. Das hat laut Oszvald auch mit den Kosten zu tun. Zwar gebe es derzeit viele günstige Hotel- und Flugangebote, aber viele Ziele sind ohne vorherigen PCR-Test unerreichbar, und dafür müsste eine vierköpfige Familie schon vor dem Abflug rund 280 Euro extra bezahlen. Und für die Rückreise seien dann wieder Antigentests fällig. Die seien zwar günstiger, aber auch sie belasteten die Reisekasse, gibt der Unternehmer zu bedenken.

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