Opel-Partner Segula

„Kurzarbeit konsequenter verwirklichen statt Leute entlassen“

Von Thorsten Winter
19.08.2020
, 18:16
Als „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“ bewertet die IG Metall den von Opel-Partner Segula überraschend geplanten Stellenabbau. Anders als das Management sieht sie Chancen durch mehr Kurzarbeit.

Mit seiner per Video verbreiteten Botschaft von geplanten Einschnitten in die Belegschaft verstört der Geschäftsführer des Opel-Partners Segula die Beschäftigten in Rüsselsheim und Dudenhofen im Rodgau. Martin Lange hat als Deutschland-Chef des französischen Autozulieferers am Montagabend in einer acht Minuten langen Ansprache mitgeteilt, rund 300 Beschäftigte seien derzeit und auch auf absehbare Zeit nicht hinreichend mit Aufgaben versorgt. Kurzarbeit werden deshalb nicht ausreichen, um die Unterauslastung von 20 bis 30 Prozent abzufangen. „Ich hätte das vor einem Jahr so nicht erwartet“, sagte Lange.

Der Autozulieferer hat zu Beginn des vergangenen Jahres Teile des Opel-Entwicklungszentrums in Rüsselsheim und die Teststrecke des Autobauers in Dudenhofen übernommen. 750 Mitarbeiter wechselten von der Marke mit dem Blitz zu Segula. Ursprünglich hätten es 2000 werden sollen. 1300 wählten aber lieber eine Abfindung von Opel, gingen in Vorruhestand oder wechselten in Altersteilzeit. Rüsselsheim ist nebst Dudenhofen der mit Abstand größten Standort der Firma in Deutschland, wo sie insgesamt 1100 Beschäftigte zählt.

„Einen enormen Beitrag geleistet“

„Mit Unverständnis haben der Betriebsrat und die Belegschaft auf die gewählte Kommunikationsform der Geschäftsleitung von Segula reagiert“, heißt es nun in einer Mitteilung der IG Metall Darmstadt. Die Belegschaft befinde sich seit April teilweise in Kurzarbeit. „Durch die Teilnahme an der mobilen Arbeit und der Doppelbelastung durch Kinderbetreuung hat die Belegschaft einen enormen Beitrag geleistet um die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Segula abzufedern“, hebt die Gewerkschaft hervor. Alle Mitarbeiter seien flexibel um die laufenden Projekte erfolgreich abzuarbeiten.

Angesichts dessen sei es „ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“, per Videobotschaft auf Youtube von den Stellenabbauplänen erfahren zu müssen. „Für uns ist anhand der vorgelegten Informationen nicht nachvollziehbar wie die Geschäftsführung auf die Anzahl von bis zu 300 Mitarbeitern kommt. Das Mittel der Kurzarbeit muss noch konsequenter umgesetzt werden um die aktuelle Unterauslastung zu bewältigen“, wird Lars Kotscha, Betriebsratsvorsitzender von Segula Technologies von der Gewerkschaft zitiert.

Segula kann Stellen in Südhessen nicht einfach so abbauen. Denn die Firma hat mit der IG Metall einen Tarifvertrag abgeschlossen, der einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende Juli 2023 festschreibt. Dies hatte zuvor Opel seinen Mitarbeitern zugesagt. Segula bekannte sich vor der Übernahme unter anderem zu diesem Ziel.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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