Wirtschaft in Rhein-Main

Darmstadt und Offenbach stechen hervor

Von Manfred Köhler
Aktualisiert am 02.09.2020
 - 06:00
Wachstum: In Hessen sind Darmstadt und Offenbach Motoren.
Die Wirtschaft ist seit der Jahrtausendwende besonders stark im Süden des Ballungsraums Rhein-Main gewachsen. Beim Wohnungsbau ist dagegen Frankfurt Spitzenreiter.

Der Süden des Rhein-Main-Gebiets hat sich zum Motor des gesamten Ballungsraums entwickelt. Wie aus einer Studie des hessischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht, stieg in dem langen Aufschwung seit der Finanzkrise 2009 das Bruttoinlandsprodukt besonders stark in der Stadt Darmstadt sowie in den Landkreisen Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg und Offenbach, wobei Zahlen lediglich bis 2017 vorliegen (siehe Grafik). Hingegen fielen die Zuwächse im Taunus, aber auch in Frankfurt, unterdurchschnittlich aus. Das Bruttoinlandsprodukt ist die Summe der produzierten Güter und Dienstleistungen.

Zu den boomenden Orten zählt zum Beispiel Neu-Isenburg, wo es in den vergangenen Jahren zum Teil im Monatsabstand gelang, neue Ansiedlungen zu vermelden. Der südhessische Raum profitiert offenbar davon, dass noch Gewerbegrundstücke vorhanden sind, die Nähe zum Flughafen groß und die Zahl der Autobahnanschlüsse hoch ist. Von Neu-Isenburg zum Beispiel kann man mit der Autobahn A3 und der A5 zwei der wichtigsten Magistralen Deutschlands innerhalb weniger Minuten erreichen.

Noch deutlicher ist das Bild, wenn man den weitaus längeren Zeitraum vom Jahr 2000 bis 2017 in den Blick nimmt. Dann nämlich schlägt wiederum der Landkreis Offenbach mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 73,4 Prozent alle anderen Gebietskörperschaften, gefolgt von der Stadt Darmstadt mit einem Plus von 71,7 Prozent. Das Bild bei der Erwerbstätigkeit schließlich ist vielschichtiger, die Zuwächse im jüngsten Aufschwung von 2009 an bis 2017 fielen gleichmäßiger aus, und wenngleich Darmstadt und die erwähnten südhessischen Landkreise auch in diesem Punkt gut abschneiden, so hat doch bei der Erwerbstätigkeit auch zum Beispiel der Hochtaunuskreis deutlich zugelegt. So oder so ist Frankfurt als Kernstadt in dieser Statistik eher im Mittelfeld zu finden, was die Bedeutung der Mainmetropole allerdings nicht schmälert, weil die umliegenden Orte mehr oder weniger auf die Bankenstadt ausgerichtet oder wie im Falle des Flughafens von ihrer Infrastruktur regelrecht abhängig sind.

Frankfurt liegt bei Wohnungsbau vorne

Das Bild verändert sich von Grund auf, wenn man eine weitere Zahlenreihe aus der Studie des Wirtschaftsministeriums hinzunimmt, die sich mit dem Wohnungsbau befasst. Im Zeitraum zwischen 2011 und 2018, als der Mangel an Wohnraum durchweg eines der zentralen Themen in der Region war, wuchs der Wohnungsbestand in Frankfurt um 7,3 Prozent, was weit über dem Durchschnitt Hessens in Höhe von 3,8 Prozent lag.

Obwohl die Flächen in der Mainmetropole tendenziell knapper sein dürften als im Umland, schlug Frankfurt mit seinem Wert sowohl den Hochtaunuskreis (plus 2,9 Prozent) als auch den Main-Taunus-Kreis (plus 4,2 Prozent) und den Main-Kinzig-Kreis (plus 2,7 Prozent). Der Landkreis Offenbach, beim Bruttoinlandsprodukt die Benchmark, hielt sich nach dieser Statistik beim Wohnungsbau mit einem Zuwachs von 3,3 Prozent von 2011 bis 2018 eher zurück. Auch unter den Großstädten lag Frankfurt vorn, besondern wenig geschah in Wiesbaden, wo die Zahl der Wohnungen lediglich um 2,1 Prozent stieg, der niedrigste Wert weit und breit.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Köhler, Manfred
Manfred Köhler
Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.
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