FAZ plus ArtikelUber-Deutschland-Chef Weigler

„Das kann man niemandem auf der Welt erklären“

Von Falk Heunemann
16.04.2021
, 17:11
Christoph Weigler, Deutschland-Chef von Uber, ist enttäuscht vom neuen Taxigesetz. Im Gespräch erklärt er, warum der Fahrtenvermittler ausgerechnet mitten in der Pandemie nach Wiesbaden und Mainz expandiert.

Seit mehr als einem Jahr herrscht Covid-19-Pandemie, die ganze Republik befindet sich weiterhin im Lockdown, viele müssen zu Hause bleiben – warum weitet dann gerade jetzt der Fahrtenvermittler Uber das Angebot auf die Städte Wiesbaden und Mainz aus?

Wir sind bereits seit 2018 in Frankfurt, aber das Rhein-Main-Gebiet ist eine Metropolregion, die man nicht nur von Frankfurt aus denken sollte. Es gab zum einen immer wieder Fahrten nach Mainz und Wiesbaden, und zum anderen wurde im vergangenen Jahr 280.000 Mal in diesen beiden Städten versucht, die Uber-App zu nutzen. Das zeigt uns, dass es eine große Nachfrage dort gibt. Wir mussten aber auch Partner finden, die Fahrten durchführen. Uber selbst ist ja nur ein Marktplatz. Die Partner haben wir nun gefunden, darunter übrigens auch viele Taxiunternehmer.

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Umstrittene Rückkehrpflicht und Leerfahrten

Umstrittene Rückkehrpflicht und Leerfahrten

Als der damals 33 Jahre alte Unternehmensberater Christoph Weigler 2016 zum neuen Deutschland-Chef von Uber berufen wurde, wollte der Fahrtenvermittler damit einen Imagewandel einleiten: Nicht mehr so konfrontativ und regelignorant wie noch beim ersten Anlauf 2013 will der amerikanische Fahrtenvermittler, der in der Folge zeitweise von Gerichten gestoppt wurde, seitdem auftreten.

Die Touren werden nun nicht mehr von unversicherten Privatleuten angeboten, sondern nur von lizensierten Unternehmen. Mit den Kommunen und den Gesetzgebern wird regelmäßig verhandelt, und auch Taxifahrer sind nun eingeladen, die App zu nutzen. Der Plan schien aufzugehen. 2019 kündigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an, für Anbieter wie Uber, Moia (Volkswagen) oder Freenow (Daimler, BMW) das Personenförderungsgesetz zu reformieren und zu liberalisieren. Das ging aber der Taxibranche, die Uber auch unter dem neuen Deutschland-Chef kritisch sieht, zu weit: Fast zwei Jahre lang organisierte sie Massenproteste und Autokorsos in deutschen Innenstädten gegen die Reform.

Die Taxiunternehmen fürchten, dass sie weiter Auflagen und Tarifvorgaben der Kommunen erfüllen müssen, die neuen Anbieter aber nicht. Nun haben Bundestag und Bundesrat eine Reform beschlossen, die keine Seite zufriedenstellt: Die umstrittene und von Uber kritisierte Rückkehrpflicht, die Leerfahrten nach jedem Auftrag erzeugt, bleibt bestehen. Dafür aber wird das Pooling erlaubt, die gleichzeitige Mitnahme mehrerer Fahrgäste mit unterschiedlichen Zielen. Zudem können Kommunen den neuen Anbietern zusätzliche Auflagen machen. fahe.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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