„Kunde im Mittelpunkt“

Wie sich Volkswagen auf der IAA neu inszenieren will

Von Falk Heunemann
Aktualisiert am 05.09.2019
 - 16:35
Ungewohnt: Bunt wird sich VW auf seinem im Aufbau befindlichen Stand während der IAA zeigen
Vor der IAA in Frankfurt gibt VW einen ersten Einblick in den neuen Markenauftritt. „Der Kunde steht im Vordergrund“, kündigt die Marke an. Das wirft eine Frage auf.

Die Nase entdeckt die erste Überraschung: Es riecht nach Farbe in der Halle 3 der Frankfurter Messe. Arbeiter streichen noch die Geländer, eine etagenhohe LED-Wand strahlt in grün und rot auf die Ausstellungsfläche, anderswo leuchtet es warmorange, violett und hellbau. Noch ist ist der Auftritt nicht fertig, überall wird noch gehämmert und gebohrt, aus dem Boden ragen Kabelenden. Doch es soll, das ist beim Rundgang über Baustelle zu erkennen, bunt werden, wenn sich Volkswagen bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September zeigt. Das ist für die Marke so neu wie ungewöhnlich.

In früheren Jahren zeigte sich der Hersteller noch eher kühl-sachlich, kräftige weiße Scheinwerfer beleuchteten graue und Fahrzeugmodelle in dezent gehaltenen Farben. „Lebendiger, moderner, bunter“, sei nun der Messeauftritt von Volkswagen, sagt die Verantwortliche Sandra Waidelich. „Der Kunde steht im Vordergrund.“ Und wo war er bisher? „Bisher stand das Produkt im Vordergrund.“

„Auch das kann es mal bunt geben“

Die zweite Überraschung ist das neue Logo: In Videos, die auf der LED-Wand laufen, ist es zur Unkenntlichkeit geblurrt wie unter Wellen, an der Decke jedoch hängt es schon, weiß beleuchtet vor schwarzem Hintergrund. Nicht mehr in 3D, wie bisher, sondern flacher, reduzierter. In Frankfurt soll der neue Markenauftritt offiziell der Welt vorgestellt werden. „Auch das kann es mal bunt geben“, sagt Waidelich.

Vor allem aber ist es überraschend, dass Volkswagen überhaupt einen ersten Einblick in die Messepräsentation gewährt. Bei früheren Messen wäre das undenkbar gewesen. Doch die Autohersteller sind in der Defensive, nach Dieselmanipulationsskandal, Absatzschwäche im Ausland und Klimadebatte. „Wir sind offen für Diskussionen“, sagt Waidelich beim Rundgang über die Baustelle. Volkswagen soll nahbarer werden. Es gehe nicht mehr darum, eine perfekte Werbewelt zu zeigen, erläutert sie das neue Konzept.

Diesel? Natürlich!

Zudem will sich der Hersteller als umweltfreundlich inszenieren. Beim Messeauftritt werde 100 Prozent Ökostrom eingesetzt, das Licht stamme aus Energiesparlampen. Eine Weltkugel soll mittels Projektionen zeigen, wie nachhaltig das Unternehmen wirtschafte. Doch auch Platz spart sich der Hersteller, dieses Mal belegt die Marke bei der IAA nur 4233 Quadratmeter auf zwei Ebenen, vergangenes Mal waren es 4900 Quadratmeter.

Damit ist Volkswagen aber weniger Radikal als anderer Hersteller, BMW hat seine Fläche mehr als halbiert, Mercedes hat um 30 Prozent reduziert, und viele Unternehmen aus Amerika und Asien sparen sich den Auftritt in Frankfurt komplett.

An den ersten Tagen, wenn Medien und Fachbesucher über das Messegelände laufen, wird Volkswagen ausschließlich 23 Elektroautos ausstellen, vor allem das neue Modell ID3. 30.000 Exemplare seien bereits bestellt, im nächsten Jahr könnten bei entsprechender Nachfrage bis zu 100.000 ID3-Fahrzeuge produziert werden. Zur Orientierung: Weltweit werden von der Marke rund eine halbe Million Autos im Monat verkauft. Wenn die Messe sich dann dem Publikum öffne, würden auch 19 Fahrzeuge mit Verbrennermotoren in die Halle gerollt. Auch welche mit Dieselmotor, sagt eine Mitarbeiterin. Damit verdiene Volkswagen schließlich noch immer sein Geld.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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