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Zollfahndung am Flughafen

Die Suche nach Drogen ist für Hunde ein Spiel

Von Anna-Sophia Lang
Aktualisiert am 02.01.2020
 - 16:08
Schnüffelnase: Diesmal hat Hündin Black nur einen Köder und keine echten Drogen erwischt.
Ohne die tierischen Kollegen würden der Zollfahndung am Flughafen millionenschwere Funde entgehen. Doch nicht jeder Hund ist für die spezielle Arbeit geeignet.

Es ist ein kalter, zugiger Tag am Flughafen Frankfurt, aber Black ist bester Laune. Tänzelnd wie ein Dressurpferd kommt sie an der Leine in die kleine Halle gelaufen, die Ohren gespitzt, den Blick aufmerksam auf das, was vor ihr liegt. Zwei Reihen Koffer hat sie heute wieder abzuarbeiten, wie immer eine anstrengende Aufgabe für die belgische Schäferhündin. Bis zu 200 Mal muss sie pro Minute ein- und ausatmen, um das zu erschnüffeln, worauf sie trainiert ist: Rauschgift. Das macht sie so gut, dass ihr kaum eine verbotene Sendung entgeht. 38 Kilogramm Kokain hat sie im Februar 2019 in zwei Koffern aus São Paulo gefunden, sie waren getarnt als Blechdosen mit Babymilchpulver. Rund 1,4 Millionen Euro hätten die Drogenhändler dafür auf dem Schwarzmarkt in Peking bekommen, wohin der Stoff hätte gehen sollen.

Auch heute wird Black fündig. Vor einem kleinen silberfarbenen Rollkoffer hält sie an. Sie schnüffelt links und rechts, dann stupst sie ihn mit der Nase nach vorn, legt die Schnauze obendrauf und erstarrt. Für ihren Hundeführer das Zeichen, dass die Hündin etwas riecht. Ein paar Sekunden wartet er, dann gibt er ihr das Signal, dass sie loslassen und sich ihre Belohnung abholen darf. Black tollt herum, rennt auf und ab zwischen den Kofferreihen. Zwei- bis viermal am Tag hat sie so einen Einsatz, zwischen jeder einzelnen Schnüffeltour muss sie sich eine Stunde lang erholen. Die Ladung von acht bis zehn Maschinen werden mit tierischer Hilfe kontrolliert, abends gehen die Hunde mit ihren Hundeführern nach Hause.

Am hektischen Flughafen zurechtkommen

Tatsächlich ist das, was Black diesmal gefunden hat, nur ein Geruchsträger, den ihr Hundeführer plaziert hat. Bei den Rauschgiftspürhunden gilt: Jeder Erfolg bringt eine Belohnung. Denn die Drogensuche ist für sie ein Spiel – und nur Hunde mit ausgeprägtem Spiel- und Beutetrieb sind deshalb für den Job geeignet. Bevor sie in die Spürhundestaffel aufgenommen werden, müssen sie in einer mehrwöchigen Probezeit beweisen, dass sie diesen haben. Und dass sie am hektischen Flughafen zurechtkommen, ohne von ihrer Aufgabe abgelenkt zu sein.

Im weltweiten Drogenschmuggel ist der Frankfurter Flughafen ein Drehkreuz. Die Flugdichte auf rauschgiftrelevanten Strecken sei hier hoch, sagt Hans-Jürgen Schmidt von der Zollfahndung – sie übernimmt, sobald der Zoll eine verdächtige Person aufgegriffen hat. Etwa 35 Flugzeuge, die als Hochrisikoflüge eingestuft werden, kommen täglich an. Die meisten starten in Südamerika, manche in Afrika sowie im Nahen und Fernen Osten. Gut 7000 Kilogramm Rauschgift haben die Beamten 2018 aus Personenflugzeugen, Frachtladungen und im Internationalen Postzentrum sichergestellt. Der weit überwiegende Teil, fast 5000 Kilogramm, entfiel dabei auf die Kaudroge Khat, dann folgten Kokain, synthetische Drogen wie Amphetamin und Ecstasy, den übrigen Teil machten Heroin, Haschisch, Marihuana und sonstige Substanzen aus. Ein großer Teil ist fürs Ausland bestimmt.

Meist synthetische Drogen

Das trifft insbesondere auf Funde im Internationalen Postzentrum zu. Dort sind in den vergangenen drei Jahren jährlich mehr verdächtige Pakete mit Adressen im Ausland entdeckt worden. In neun von zehn Fällen steckten in den Sendungen synthetische Drogen. Die werden oft in illegalen Laboren in den Niederlanden hergestellt, Kunden bestellen sie über das Darknet, Kuriere bringen die Ware über die Grenze und geben sie in Deutschland als Postsendung auf. Am Flughafen sind innerhalb von zweieinhalb Jahren 11.000 solcher Sendungen sichergestellt worden, allein bis Herbst 2019 schon eine halbe Million Ecstasy-Pillen.

Den klassischen Schmuggel hat der Postversand aber nicht abgelöst. 83 Drogenkuriere haben die Zollfahnder am Frankfurter Flughafen im Jahr 2018 festgenommen. 13 davon waren Menschen, die „Schlucker“ genannt werden. Sie hatten die Drogen im Körper transportiert. Normale Schlucker, sagt Schmidt, hätten meist Behälter mit 600 bis 1100 Gramm in ihrem Körper. Die größte Menge, die er jemals bei einem Menschen gesehen hat, waren 2300 Gramm. Gefährlich ist das allemal, denn geht ein Behälter kaputt, ist das lebensbedrohlich. Deshalb haben die Schmuggler, die Fahndern aufgefallen sind, eine besondere Prozedur vor sich. Zunächst muss ein Drogentest den Verdacht bestätigen, dann werden mit richterlicher Zustimmung Röntgenbilder aufgenommen, bei Verdacht auf Flüssigkokain muss ein MRT angefertigt werden. „In dem Moment wissen die Leute, jetzt ist es gelaufen. Dann wollen sie die Drogen so schnell wie möglich loswerden.“

Der Einfallsreichtum kennt keine Grenzen

Viele, sagt Schmidt, tränken freiwillig Abführmittel, um die Drogen auf der speziellen „Schlucker-Toilette“ wieder auszuscheiden. Bis alle Behälter aus dem Körper raus sind, dauere es manchmal bis zu einer Woche. Hat ein Richter bereits über die Untersuchungshaft entschieden, kommen die Schmuggler ins Krankenhaus, wo sie medizinisch und von der Justiz überwacht werden. Erst, wenn ein letztes Röntgenbild zeigt, dass kein Fremdkörper mehr im Körper ist, folgt die Einlieferung ins Gefängnis. Die Zollfahnder ermitteln derweil weiter und übergeben ihren Bericht später an die Staatsanwaltschaft. Meist würden Körperschmuggler zu Freiheitsstrafen zwischen drei und vier Jahren verurteilt, sagt Schmidt. Auch diejenigen, die Drogen im Gepäck oder in ihrer Kleidung transportieren, landen vor Gericht. „Was die Verstecke angeht, kennt der Einfallsreichtum keine Grenzen.“ Doppelte Böden im Koffer oder Rauschgift in deren Gestänge sind der Klassiker. Der Zoll hat aber schon Illegales in Holzbeinen entdeckt, in Schuhen und Büchern, in Deorollern oder Rasierschaumdosen und zuletzt häufiger in mobilen Lautsprechern. Manchmal wird Kokain in Rum aufgelöst, in anderen Fällen sind Jeans in flüssigem Kokain getränkt worden.

Nicht jeder Kurier will gewusst haben, was er da tat. Manche sagen, der Koffer sei ihnen in die Hand gedrückt worden. Andere behaupten, sie sollten das Gepäckstück in einem Hotel übergeben. Dann versuchen die Zollfahnder, die Abholer festzunehmen. Wieder andere schweigen ganz. Anhand von Handydaten, Tickets und etwaigen Notizen sammeln die Beamten dennoch Hinweise – immer in der Hoffnung, an die Hintermänner zu kommen.

Vor Gericht und in den Vernehmungen davor sind die Berichte der Kuriere oft ähnlich. Viele berichten von familiären und finanziellen Problemen. Von kranken Angehörigen, deren Behandlung sie mit dem Lohn für den Schmuggel bezahlen wollten, von Arbeitslosigkeit und fehlenden Perspektiven für die Kinder, die sie ernähren müssen und zur Schule schicken wollen. Manche erzählen von Schulden und Erpressung.

Ein Fall aus dem Jahr 2016 ist Schmidt besonders in Erinnerung geblieben, weil er ihn schockiert hat. Eine 24 Jahre alte Kolumbianerin reiste damals mit einem Kilogramm Kokain ein, das sie nach Spanien bringen sollte. Die Drogen waren eingenäht in zwei Brustimplantate, die der Frau kurz zuvor operativ eingesetzt worden waren. Die Frau klagte während ihrer Vernehmung über Schmerzen. In ihrer Heimat, so berichtete sie den Zollfahndern, arbeite sie als Erntehelferin. Sie habe drei Kinder durchzubringen. Noch in derselben Nacht entfernten Ärzte die Implantate.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lang, Anna-Sophia
Anna-Sophia Lang
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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