Storchenpaar in Frankfurt

Noch zu jung für Nachwuchs

13.05.2015
, 12:52
Luftnummer: Junges Storchenpaar in Frankfurt-Bonames
In Frankfurt ist die Hoffnung aufgekeimt, erstmals seit 1968 könnte in der Stadt ein Storchenpaar brüten. Doch der Schein trügt. Das Paar ist noch nicht geschlechtsreif. „Die üben nur“, sagen Fachleute.

Die Hoffnung, im Storchennest am Alten Flugplatz in Bonames könnte zum ersten Mal seit 1968 ein Storchenpaar in Frankfurt brüten, scheint sich nicht zu erfüllen. Zumindest ist einer der beiden Störche, das Weibchen, erst zwei Jahre alt und damit zu jung, um sich fortpflanzen zu können, wie Ingolf Grabow vom Naturschutzbund (Nabu) Frankfurt festgestellt hat. Er hatte entdeckt, dass eines der Tiere beringt ist. Die Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Fechenheim hatte daraufhin mitteilen können, dass es sich um einen Storch handelt, der 2013 im Main-Kinzig-Kreis geschlüpft ist.

Besucher des Alten Flugplatzes hatten die beiden Vögel seit Mitte April immer wieder dabei beobachtet, wie sie klapperten, balzten und sich ihr vom Naturschutzbund aufgestelltes Nest bequemer herrichteten. Für alle Passanten sah das nach Liebesspiel aus. Jetzt steht praktisch fest, dass die Vögel nur geübt haben. Schließlich müssten die Störche Mitte Mai längst brüten.

Probesitzen auch in Harheim?

Störche sind laut Matthias Werner von der Staatlichen Vogelschutzwarte erst im dritten oder vierten Lebensjahr geschlechtsreif. Natürlich gebe es Ausnahmen. Doch je jünger die Störche seien, desto wahrscheinlicher sei es, dass es keinen Nachwuchs gebe.

Grabow hat auch in Harheim ein Storchenpaar im dort aufgestellten Nabu-Nest beobachtet. Doch niemand weiß, ob es sich tatsächlich um ein anderes Paar handelt oder ob das Bonameser Paar auch in Harheim probesitzt.

Werner ist zuversichtlich, dass die Rückkehr der Störche nach Frankfurt nur eine Frage der Zeit ist. Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Jahren brütende Störche zu haben, „liegt bei 100 Prozent“, sagt er. Frankfurt sei umringt von großen Populationen mit viel Nachwuchs.

Die größte hessische Storchengruppe findet sich in den Rheinauen im Kreis Groß-Gerau. Dort lebt fast die Hälfte der 380 in Hessen registrierten Brutpaare. Die nächstgrößere Population lebt in der Wetterau, gefolgt von jener im Main-Kinzig-Kreis. Schon jetzt beobachtet die Vogelschutzwarte, dass die Störche weiter in Richtung Mittel- und Nordhessen siedeln. „Warum sollten die Vögel nicht auch die Lücke füllen, die derzeit Frankfurt noch bildet“, sagt Werner. „Die Störche kehren zurück.“ Vor rund 40 Jahren gab es nur noch einen Storch in Hessen.

Warum die Vögel ausgerechnet die Mainmetropole bisher meiden, kann auch Werner nicht erklären. Am Nahrungsangebot scheitere es nicht, sagt er. Gerade an der Nidda böten sich den Störchen ausreichend geeignete Lebensräume.

Die Experten haben beobachtet, dass sich die Vögel sehr am Nest orientieren und ihm auch treu bleiben. Werner ist deshalb optimistisch, dass das jetzt klappernde Paar im nächsten Jahr zum Alten Flugplatz zurückkehren und dann auch brüten wird. „Für den Storch ist das ihm vertraute Nest das Entscheidende“, sagt Werner, „wichtiger als das ihm verbundene Weibchen.“

Quelle: F.A.Z.
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