Gesundheitsamt Frankfurt

Immer mehr Fälle der Hautkrankheit Krätze

Von Jörn Wenge, Frankfurt
09.12.2016
, 18:17
Im Gesundheitsamt stehen die Telefone seit Wochen nicht still.
Krätze ist in diesem Jahr in Frankfurt so oft gemeldet worden, wie lange nicht mehr. Verlässliche Statistiken gibt es jedoch nicht, nur wenige Einrichtungen müssen die Hautkrankheit melden.
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Die Hautkrankheit Krätze ist in Frankfurt offenbar so verbreitet wie seit vielen Jahren nicht mehr. In diesem Jahr wurden dem Gesundheitsamt schon 120 Fälle gemeldet, ein signifikanter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. 2015 lag die Zahl der Erkrankten in Gemeinschaftseinrichtungen, also vor allem in Schulen und Kindergärten, bei 68. Im Jahr 2014 waren 34 Fälle gemeldet worden, 2005 sogar nur elf. Da Ärzte anders als etwa bei HIV- oder Tuberkulose-Infektionen das Gesundheitsamt nicht informieren müssen, wenn sie einen Patienten wegen Krätze behandeln, fehlt laut dem Infektiologen Antoni Walczok vom Gesundheitsamt aber eine verlässliche Statistik. Die Dunkelziffer sei hoch.

Nur Kinder-Gemeinschaftseinrichtungen sind verpflichtet, Krätze-Erkrankungen zu melden. Die Leiter anderer Einrichtungen, etwa von Altenheimen, benachrichtigen das Gesundheitsamt manchmal freiwillig. Die Verantwortlichen in den Frankfurter Asylbewerberunterkünften sind zumindest angehalten, etwaige Fälle zu melden. 25 der 120 Erkrankten im laufenden Jahr sind laut Gesundheitsamt Flüchtlinge. Amtsleiter René Gottschalk sagt, Krätze-Erkrankungen seien in den Frankfurter Unterkünften für Asylbewerber „eine Ausnahmeerscheinung“. Solche Fälle würden „typischerweise“ schon bei der Erstaufnahme festgestellt.

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Leicht übertragbar nur bei vielen Milben

Zwar handle es sich um einen „Trend“, sagt Walczok, aber nicht um einen „drastischen Anstieg“. Zuletzt hatten Medien darüber berichtet, dass die Zahl der Krätze-Erkrankungen in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen gestiegen sei. Auch in Thüringen und Niedersachsen berichteten Zeitungen über Krätze-Fälle an Schulen.

Krätze, auch Scabies genannt, wird durch Milben verursacht. Die weiblichen Tiere bohren sich in die obere Hautschicht, wo sie kleine Gänge bilden. Darin legen sie Eier, aber auch Kot ab. Wegen des Kots und abgestorbener Bestandteile der Milbe spüren die Erkrankten schließlich einen starken Juckreiz - aber erst drei bis vier Wochen nach der Ansteckung. Laut Helmut Schöfer, Infektiologe am Universitätsklinikum Frankfurt, wird die am meisten verbreitete Form der Krätze nur bei längerem Hautkontakt mit einem Erkrankten übertragen, zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr, oder in schlechten hygienischen Verhältnissen, etwa durch von Milben befallene Bettwäsche.

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Relativ leicht übertragbar sei Krätze nur, wenn der Infizierte an Scabies crustosa leide, einer Erkrankungsform, bei der die Haut durch besonders viele Milben befallen sei. Diese betreffe aber nur Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem und sei sehr selten. Früher sei sie in Frankfurt etwa bei HIV-Patienten aufgetreten, als diese Infektion noch schlecht zu behandeln gewesen sei.

Keine Gefahr für Bevölkerung

Eine Zunahme der Scabies-Erkrankungen seit Ende des vergangenen Jahrzehnts hat auch Petra Tiarks-Jungk beobachtet. In der „Humanitären Sprechstunde“ der Stadt Frankfurt behandelt die Ärztin Menschen, die nicht krankenversichert sind. Den Anstieg zu erklären, sei schwierig, weil das Gros der Erkrankungsfälle nicht gemeldet werde. Prekäre Verhältnisse, in denen viele südosteuropäische Armutsmigranten lebten und denen viele Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland ausgesetzt seien, begünstigten aber eine Infektion.

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Infektiologe Schöfer hat im Uniklinikum keine Zunahme von Scabies-Erkrankungen bemerkt. Zu Beginn der Flüchtlingskrise habe man zwar mit einer „riesigen Epidemie“ gerechnet. Diese sei jedoch nicht eingetreten. Schöfer vermutet, dass das der zügigen Unterbringung der Migranten in Notunterkünften und der Versorgung etwa mit sauberer Bettwäsche zu verdanken sei. Auch der Umstand, dass vor allem junge Männer mit offenbar gutem Immunsystem gekommen seien, könne ein Faktor gewesen sein.

Die Mediziner betonen, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestehe. Krätze sei zwar eine lästige, aber auch gut mit Salben und Medikamenten behandelbare Krankheit. Gesundheitliche Risiken gibt es laut Schöfer nur, wenn sich Erkrankte nicht behandeln lassen und die befallene Haut aufkratzen. Dann könnten Bakterien eindringen.

Quelle: F.A.Z.
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