Über den Rhein

Eine Brücke für Radler

Von Oliver Bock
28.09.2020
, 07:01
Die unendliche Geschichte um eine weitere Rheinquerung wird um einen neuen Vorschlag bereichert. Der schließt allerdings einige Verkehrsteilnehmer aus.

Der Bau einer Rheinbrücke zwischen Wiesbaden und Koblenz gehört zu den Dauerthemen der Region, ohne dass eine Lösung in greifbare Nähe rückt. Egal ob es um den seit vielen Jahren diskutieren Brückenschlag zwischen Wiesbaden und Mainz, zwischen St. Goarshausen und St. Goar oder zwischen Rüdesheim und Bingen geht. Für die letztgenannte Verbindung gibt es nun den neuen Vorschlag, es bei einer Rad- und Fußgängerbrücke zu belassen und damit dem häufig vorgetragenen Wunsch der Wirtschaftsverbände nach einer leistungsfähigen Verbindung für den Wirtschaftsverkehr nicht zu entsprechen.

In Rüdesheim und in Bingen gibt es jedoch neuerdings eine Mehrheit, eine solche Variante zumindest zu prüfen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in Hessen ist begeistert und sieht das visionäre Projekt der „Grünen Welle“ als Element einer Verkehrswende im Land.

Die „Nahmobilität“ auf ein völlig neues Niveau bringen

Die Initiative ging von Bingen aus. Oberbürgermeister Thomas Feser (CDU) sieht eine Fuß- und Radbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim vor dem Hintergrund der anstehenden Bundesgartenschau 2029. Die Stadtverordneten hatten die Verwaltung auf Antrag der SPD einstimmig beauftragt, bei den beiden Landesregierungen für diese Idee zu werben. „Auf die Antwort darf man gespannt sein, denn bisher sind wir mit der Realisierung einer Autobrücke stets in Leere gelaufen“, schreibt Feser. Im Internet gibt es dazu inzwischen eine Online-Petition mit mehr als 1500 Unterstützern. Sie verweist auf vergleichbare Brücken wie zwischen Österreich und der Slowakei. Dort habe eine Brücke bei einer Länge von 550 Metern rund 4,9 Millionen Euro gekostet. Davon habe die EU 80 Prozent übernommen.

Laut ADFC könnte die „Grüne Welle“ genannte Brücke die „Nahmobilität“ und den Radtourismus am Mittelrhein auf ein völlig neues Niveau bringen. So sieht es zumindest ADFC-Geschäftsführer Norbert Sanden. Der Radfahrverband wirbt für die Brücke wegen des Defizits an guter, attraktiver und sicherer Infrastruktur. Die Brücke könne zudem ein Sinnbild der Verkehrswende werden.

Fußläufig die Wiesbaden und Koblenz verbinden

Anders als bei den immer wieder diskutierten Projekten für Autobrücken über den Rhein würde es sich laut ADFC um eine deutlich leichtere Konstruktion handeln. Sie könne fußläufig die Bahnhöfe der beiden Städte verbinden und damit eine Verknüpfung zwischen den beiden Verkehrsverbünden herstellen. Auch seien die ökologischen und finanziellen Lasten erheblich geringer als bei einer Autobrücke.

Der Bedarf für eine Rad- und Fußverkehrsbrücke sei an dieser Stelle vorhanden, weil der Rhein auf einer Länge von rund 90 Flusskilometern zwischen Mainz und Koblenz nur mit Fähren überquert werden könne. Doch Fähren stellten bei Niedrigwasser den Betrieb ein, und wegen des Klimawandels müsse damit noch häufiger gerechnet werden.

Die Brücke „Grüne Welle“ solle sich harmonisch in das Landschaftsbild einfügen und ihrerseits zur Touristenattraktion werden. Sie könne das „architektonische Highlight“ der Bundesgartenschau 2029 werden. Zumal sie mit rund 1000 Metern die längste Radbrücke Europas wäre. Zudem verbinde sie den Rheinuferradweg zwischen Rüdesheim und Assmannshausen mit den Radwegen auf rheinhessischer Seite wie den Nahe- und den Selztalradweg. Der ADFC hofft nun auf eine Machbarkeitsstudie zur Klärung von Baulast, Finanzierung und Förderung. Die Kommunen warten auf eine Reaktion der beiden Bundesländer.

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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