Schweizer Auktionen

Magdalena muss es richten

Von Felicitas Rhan
Aktualisiert am 09.10.2020
 - 16:44
Lucas Cranach (Werkstatt), „Bildnis einer Frau in schmuckvollem Kleid mit Haube“, Um 1535, Öl auf Holz, 50,3 mal 35,5 Zentimeter, Preis mit Aufschlag: 91.800 Franken (Taxe 25.000/35.000) bei Koller.
Ergebnisse aus der Schweiz: Alte Kunst bei Koller und die Herbstauktion bei Kornfeld.

Als Koller am 25. September zur Auktion mit Alter Kunst und Werken des 19. Jahrhunderts in Zürich lud, waren die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren: Etliche Highlights blieben unverkauft, darunter das ursprüngliche Spitzenlos der Veranstaltung mit Alter Kunst, Hubert Roberts „Wäscherinnen am Fluss mit einer Tempelruine im Hintergrund“ mit einer Erwartung von 180.000 bis 250.000 Franken. Auch drei Stillleben von Cornelis de Heem und David Cornelisz de Heem (Taxe 120.000/150.000 Franken), von Pieter Claesz und Roelof Koets (80.000/120.000) und von Anne Vallayer-Coster (30.000/50.000) blieben hängen. Gerrit van Honthorsts „Büßende Maria Magdalena“ wurde zum teuersten Los der Auktion; sie erreichte mit einem Zuschlag von 150.000 Franken ihre untere Taxe (bis 250.000) und geht in ein europäisches Museum. Die 1615 entstandene Darstellung von Venus mit sterbendem Adonis von Jacob Jordaens kam auf 150.000 Franken (140.000/200.000).

Für eine Überraschung sorgte das „Bildnis einer Frau in schmuckvollem Kleid mit Haube“, das um 1535 in der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. entstand: Es stammt vermutlich von Hans Cranach, dem erstgeborenen Sohn. Mit einer Schätzung von 25.000 bis 35.000 Franken versehen, fiel der Hammer bei 75.000 Franken. Die marktfrische und wunderschöne, das Christuskind stillende Madonna vom Florentiner Maler Giovanni del Biondo (90.000/140.000) fand ebenso wie die „Heilige Christina von Bolsena“ (80.000/120.000), die wohl von Marco di Martino de Roxatis um 1375 geschaffen wurde, keinen Abnehmer. Beim Angebot des 19. Jahrhunderts überstieg dafür Jean-Baptiste Corots Landschaft „Les canards“ von 1874/75 mit einem Zuschlag von 145000 Franken ihre Erwartungen (60.000/90.000). Die galante Szene „Les jeunes epoux“ von Louis-Léopold Boilly kam auf 50.000 Franken (40.000/60.000). Karl Blechens „Wassermühle in waldiger Gegend“ erreichte mit 12.000 Franken seine untere Erwartung und blieb das Spitzenlos unter den 96 angebotenen Zeichnungen; der Kupferstich „Invidia – Der Neid nach Hieronymus Bosch“ von Pieter Brueghel I. stach mit 8500 Franken – mehr als dem Dreifachen seiner oberen Schätzung – unter den 36 angebotenen Grafiken hervor. Ein Gesamtergebnis für die Veranstaltungen wollte das Auktionshaus nicht nennen, erwartet waren 2,6 Millionen Franken gewesen.

Die Konkurrenz in Bern, das Auktionshaus Kornfeld, hatte ihre Juni-Auktionen auf September verschoben und vermeldet einen Gesamtumsatz von 34 Millionen Franken. Mit einem Zuschlag von je 1,6 Millionen Franken trumpften Marc Chagalls Gemälde „La Fête au village“ von 1970–75 und Alberto Giacomettis Bronze „Nu debout sur socle cubique“ auf. Das 1974 in New York entstandene Gemälde „Figure 1 ou Ozon et Georges IV“ von Le Corbusier kam auf eine Million Franken.

Quelle: F.A.Z.
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