11.September

Wie der Sport dem Terror trotzte

11.09.2002
, 18:33
Salt Lake City: Spiele mit Sorgen um die Sicherheit
Miltärischer Schutz und hohe Sicherheitsmaßnahmen: Der US-Sport, Olympia und die Fußball-WM standen im Zeichen des 11.Septembers.
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Der internationale Sport hat nach dem 11. September ein weiteres Stück seiner Unbekümmertheit verloren. Abfangjäger über Salt Lake City, Kriegsschiffe vor den Küsten Japans und Südkoreas sowie unzählige Einzelkontrollen machten Olympia und die Fußball-WM im Jahr nach den Terrorangriffen zu militärischen Operationen.

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Auch beim Endspiel der National Football League (NFL) im Januar in New Orleans, dem „Indy 500“ im Mai in Indianapolis, dem zuschauerträchtigsten Ein-Tages- Ereignis der Welt, oder bei den US Open im Tennis in New York - überall wurden Sicherheits-Vorkehrungen getroffen, wie man sie nie zuvor gesehen hatte.

In der Sprache des Sports ist schnell von Katastrophen, Tragödien und Schicksalen die Rede. Angesichts der verheerenden Ereignissse verschlug es aber auch einer geschwätzigen Branche die Sprache. Aus Pietät und Respekt wurde nach dem 11.September kurz innegehalten, um das unglaubliche Geschehen zu verarbeiten. Als die Welt den Atem anhielt, tat dies auch der Sport.

Rückkehr zur Normalität

Zur vermeintlichen Normalität zurückzukehren, war schwierig. Der US-Sport befand sich vorübergehend im Schockzustand, bevor die Branche zu einem allerdings patriotisch-geprägten „business as usual“ zurückfand. Die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City Anfang 2002, die durch den Korruptionsskandal ohnehin schon ihre Unschuld verloren hatten, trugen nun noch eine weitaus schwerere Hypothek.

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Spiele mit aufwendigem militärischen Schutz und Sicherheitsmaßnahmen erwarteten die Welt. Und wurden dennoch zu einem erstaunlich heiteren Fest, bei denen aber am Ende wie üblich nicht mehr Sicherheitsfragen, sondern Korruption und Doping die Themen waren. Auch das ist zumindest eine Art der Rückkehr zur Normalität.

„Spiele als Antwort auf die Gewalt“

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, hatte schon kurz nach dem 11.September erklärt: „Die Spiele sind die beste Antwort auf die Gewalt, sie dürfen nicht das Opfer der Gewalt werden.“

Rogge führte damit die Linie von Avery Brundage fort. 1972 stand der damalige IOC-Präsident vor der Gewissensfrage, die bis dahin heiteren Spiele von München trotz des blutigen Endes der Entführung israelischer Athleten zu Ende zu bringen, oder Olympia nach dem palästinensischem Terror zu beenden. „The Games must go on“ - lautete seine Entscheidung, die sich dieser Tage zum 30. Mal jährt. Schon 1972 war ein Wendepunkt in der Welt des Sports.

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Die Mär von Unschuld des Sports war ohnehin nie aufrechtzuerhalten, und spätestens nach dem Attentat von München konnte sich der Sport nicht mehr eine Rolle anmaßen, die ihn ohnehin überfordert: Friedensstiftend soll er wirken, für Völkerverständigung sorgen, Toleranz vermitteln, aber eigentlich kann er in solchen extremen Situationen nur seine Ohnmacht beweisen.

Neue Bedrohung auch für den Sport

Gegen globale Herausforderungen wie den internationalen Terrorismus kann auch der Sport nur versuchen, sich zu schützen. Er braucht die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft. Sich keine politische Rolle anzumaßen, war das Gebot der Stunde. Aus Pietät zu schweigen, anstatt laut eine nicht vorhandene Kompetenz einzufordern.

Schreckenszenarien, wie aus Drehbüchern schlechter Katastrophenfilme, wurde auch für große Massensportveranstaltungen denkbarer, eine neue Dimension der Bedrohung eröffnete sich. Wenngleich die vorgebliche heile Welt des Sports seit jeher eine wertlose Illusion war. Es fiel schwer, zu einer professionellen Unbekümmertheit zurückzukehren.

Manch Großevent wird gar zu einer Demonstration für Gewaltlosigkeit, doch das Risiko des Terrors droht stets wie ein Damoklesschwert über einst unbeschwerte Feste.

Quelle: @gf
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