FAZ plus ArtikelDenk ich an Sport (18)

„Wir leben in einer kranken Gesellschaft“

Von Attila Hildmann
08.10.2019
, 06:43
„Wenn ich trainiere, habe ich ein besseres Körpergefühl, dann atme ich anders, selbst mein Schweiß riecht besser“: Attila Hildmann
Attila Hildmann ist Kochbuchautor und eine Galionsfigur des coolen Veganismus in Deutschland. Hier schreibt er über Gewalt auf der Straße, die Kunst des Nichtaufgebens und die Verbindung von Bewegung und Ernährung.
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Attila Hildmann gilt als Galionsfigur des coolen Veganismus in Deutschland, er ist hierzulande einer der erfolgreichsten Kochbuchautoren. Seine Bücher über vegane Ernährung wurden Millionen Mal verkauft. Der 38-Jährige ist Autodidakt, sein Physikstudium brach er ab. Mit Erfolg. Mit seiner Firma Attila Hildmann Empire GmbH vertreibt er über einen Online-Shop vegane Eigenkreationen. In Berlin führt er zudem eine Snackbar. Vergangenes Jahr brachte er einen veganen Energy-Drink auf den Markt und sagte dem Branchengiganten Red Bull den Kampf an. Sein Beitrag zur Serie „Denk ich an Sport“ wurde aufgezeichnet von F.A.Z.-Sportredakteur Michael Wittershagen.

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Ich komme aus Berlin, aus Tempelhof. Wer dort aufwächst, der muss einiges einstecken. Ich bin durch die Hölle gegangen. Als kleiner Junge wurde ich adoptiert. Ich habe türkische Wurzeln, bin aber bei deutschen Eltern groß geworden. Ich stand also zwischen diesen Kulturen, das ist eine gefährliche Mischung dort draußen auf den Straßen. Türken haben mich als Bastard beschimpft, weil ich kein Türkisch konnte. Deutsche haben mich angegriffen, weil ich Türke bin. An meinem ganzen Körper sind Narben, ich habe viele Messerstiche abbekommen. Dem Tod habe ich mehrmals in die Augen geblickt, ich habe keine Angst mehr. Natürlich habe ich mich gewehrt, musste deshalb sogar einige Tage in den Jugendknast. Da war ich vierzehn, vielleicht fünfzehn. Viele tun das als Straßenmärchen ab, und genauso hört es sich an, wenn davon heute im Deutsch-Rap die Rede ist. Für mich war es das ganz und gar nicht. Oder wie fühlt es sich an, wenn einen mal zehn Leute suchen und scharfe Knarren dabeihaben und sie dir an den Kopf halten?

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FAZ.NET präsentiert allen Abonnenten von F+ eine besondere Serie. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur erzählen bei „Denk ich an Sport“ ihre ganz eigene Geschichte. Jede Woche gibt es eine neue Folge, alle finden Sie gesammelt auf unserer „Denk ich an Sport“-Sonderseite. Im Original erschien der Text von Attila Hildmann am 4. März 2018 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zeitliche Bezüge sind in diesem Online-Beitrag aktualisiert.

Quelle: F.A.S.
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