FAZ plus ArtikelDenk ich an Sport (27)

„Fußball, du geiles Opium!“

Von Fahri Yardim
10.12.2019
, 07:21
In der Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ spielt Fahri Yardim einen Polizisten. Es geht um Fußball, um Identität, und ausgerechnet der Nationalspieler mit dem türkischen Hintergrund wird ermordet.
Fahri Yardim ist Schauspieler. Hier schreibt er über Sport bis auf die Knochen, den Totenkopf als Friedenstaube, die Özil-Debatte und über das vernarbte Leben der Hooligans.
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Fahri Yardim, 39, wurde in Hamburg geboren. Seine Eltern kamen als Studenten aus der Türkei nach Deutschland, der Vater wurde Lehrer, die Mutter Künstlerin. Nach dem Abitur studierte Yardim zunächst Germanistik, Erziehungswissenschaften und Ethnologie, wollte aber viel lieber Schauspieler werden. Er nahm Privatunterricht, absolvierte zudem eine Ausbildung am Bühnenstudio der darstellenden Künste in Hamburg. Sein erster großer Erfolg war die Rolle des jungen Hüseyin in der deutsch-türkischen Kinokomödie „Almanya – Willkommen in Deutschland“. 2013 spielte Yardim an der Seite von Ben Kingsley und Tom Payne im Kinofilm „Der Medicus“. Inzwischen war er zudem fünfmal an der Seite von Till Schweiger im Hamburger „Tatort“ zu sehen. In der Serie „Dogs of Berlin, die bei Netflix gezeigt wird, spielt er einen Polizisten, der nach einem Mord an einem Fußball-Nationalspieler ermittelt. Sein Beitrag zur Serie „Denk ich an Sport“ wurde aufgezeichnet von F.A.Z.-Sportredakteur Michael Wittershagen.

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Denk ich an Sport, denk ich an Fußball. Zu plump? Bei mir jodeln die tiefsten Kammern des Herzens. Fußball, du geiles Opium! Bei dir wird noch gelacht. Dein unnachahmliches Drama hatte mich von Anfang an in Beschlag. Was du alles unter einen Hut bekommst. Deine Kultur, deine Ambivalenz, deine Einfachheit, deine Heuchelei. Diese vulgäre Kunst, die du bist. Für nichts habe ich mich fröhlicher bewegt, keine Erschöpfung so genüsslich erlangt. Verstehe einer die Leichtathleten. Die Fitnessjunkies. Endlosschleifen aus Langeweile. Kontemplationen lebendiger Leichen! Man müsse sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen. Bullshit! Marktkonforme Verklärung der Monotonie! Über die Gleichförmigkeit im Job heulen und danach hübsch Hanteln heben, menschlicher kann man nicht Maschine sein.

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FAZ.NET präsentiert allen Abonnenten von F+ eine besondere Serie. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur erzählen bei „Denk ich an Sport“ ihre ganz eigene Geschichte. Jede Woche gibt es eine neue Folge, alle finden Sie gesammelt auf unserer „Denk ich an Sport“-Sonderseite. Im Original erschien der Text von Fahri Yardim am 2. Dezember 2018 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Zeitliche Bezüge sind in diesem Online-Beitrag aktualisiert.

Quelle: F.A.S.
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