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Hansi Flick

Löws Schattenmann

Von Marc Heinrich, Ascona
 - 15:17
Des Bundestrainers Rückhalt - ohne jegliche Allüren: Hansi Flickzur Bildergalerie

Hans-Dieter Flick ist ein Frühaufsteher. Lange hält es ihn in diesen mit Terminen vollgepackten Tagen auch im EM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft nicht in den Federn - trotz der per Fernbedienung verstellbaren Matratzen, die für größtmöglichen Komfort und bestmögliche Erholung sorgen sollen. Momentan ist noch ein wenig mehr zu tun als gewöhnlich und da trifft es sich gut, dass der Dreiundvierzigjährige nicht allzu viel Schlaf benötigt. Er schaut dennoch frisch und munter aus; der Stress, den ein Turnier wie die EM mit sich bringt, sieht man ihm (noch) nicht an.

Flick, der stets freundliche und verbindliche Fußball-Lehrer, schlug die Einladung eines Fernsehsenders nicht aus, der ihn der spektakulären Bilder wegen partout auf über tausend Meter Höhe interviewen wollte und nicht unten am Ufer des Lago Maggiore, wo die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ihre täglichen Übungseinheiten absolviert. Flick, den es von sich aus nicht in die Öffentlichkeit drängt und der daher länger überredet werden musste, stieg also kurz nach Sonnenaufgang in den vom Tourismusverband der Tessiner (die wissen, welche Werbewirksamkeit von den bunten Aufnahmen ihrer Heimat ausgehen) organisierten Helikopter - und ließ sich auf eine Alm transportieren.

Hans? Der Hansi bleibt lieber der Hansi

Als Dank für seine Flexibilität bekam Flick hinterher einen runden Alpkäse in die Hand gedrückt, den er an DFB-Koch Holger Stromberg zur weiteren Verwendung weiterreichte - „so hat auch die Mannschaft etwas davon“. Das ist durchaus typisch für den 1965 in der Nähe von Heidelberg geborenen Assistenten von Joachim Löw. „Ich bin in erster Linie ein Teamplayer“, sagt er.

Als der DFB vor zwei Jahren das neue Führungsteam Löw/Flick vorstellte, sollte er auf Geheiß des Verbandes nur noch Hans genannt werden. Ihm selbst, wie sich schnell herausstellte, war das nicht unbedingt recht. Er war immer der Hansi, das wollte er auch im neuen Job bleiben. Der Hansi - „nett, umgänglich, keiner, der gerne einen Streit vom Zaun brach“, so erinnerte sich sein ehemaliger Coach Jupp Heynckes an den früheren Mittelfeldmann. Beim täglichen Medientreffen stellte Pressesprecher Harald Stenger ihn zuletzt den 150 Journalisten also als „den Hansi“ vor, der seinerseits mit einem „freundlichen Hallo“ in die Menge grüßte.

„Ich bin niemand, der in die erste Reihe muss“

Flick ist Löws Schattenmann. Der breiteren deutschen Fußballszene ist er vor allem durch seine Auftritte in der Halbzeitpause der Länderspiele ein Begriff, wenn er vor den Fernsehkameras erläutern soll, wieso und warum ausgewechselt wurde - oder warum noch nicht. Der noch immer jugendlich anmutende frühere Bundesligaprofi könnte im Augenblick mit seinem braungebrannten Antlitz zweifelsohne durch die engen Altstadtgassen Asconas schlendern und müsste nicht befürchten, dass er dabei übermäßig von deutschen Fans mit Autogrammwünschen gestört würde: nur die wenigsten würden ihn erkennen.

Flick ist kein Lautsprecher, keiner, der sich über Schlagzeilen produzieren will, um damit seine Bedeutung herauszustreichen. „Ich bin niemand, der immer in der ersten Reihe stehen muss“, wie er es nennt. Er weiß, dass seine Rolle innerhalb des Teamgefüges von allen unmittelbar Beteiligten auch so hoch genug bewertet wird. „Ich habe die Freiheiten, die ich brauche und bin mit meiner Arbeit zufrieden.“

Ein Dampfplauderer wird Hansi Flick wohl nicht mehr

Er formulierte, wie gewohnt, vorsichtig, wenn er sich den Medien stellt. Ihm ist anzumerken, dass er auf keinen Fall ein Wort verlieren will, dass dem aus Prinzip schweigsamen Joachim Löw, den er nun nach seiner Sperre gegen Portugal ersetzen muss, missfallen könnte. Wie seine Rolle dabei konkret aussehe, wurde er zuletzt einmal gefragt. Jeder im Trainerteam sei bemüht, möglichst viel Vorarbeit zu leisten, dass „wir unser Ziel erreichen“. Punkt. Nein, ein Dampfplauderer wird aus Flick wohl nicht mehr.

Seine Aufgabe erledigt Flick als rechte Hand von Löw ohne jegliche Allüren. Er leitet im stillen Kämmerlein gemeinsam mit dem Schweizer Urs Siegenthaler die Scouting-Abteilung beim DFB. In Kooperation mit der Sporthochschule Köln beschäftigen sich drei Dutzend Studenten mit der Beobachtung des internationalen Fußballs. Mit dem Mann stand Flick, der zusammen mit Thomas Doll 2003 Jahrgangsbester der Fußball-Lehrer-Ausbildung war, seit Wochenanfang in noch intensiverem Kontakt. Das Ziel: „Wir wollen eine möglichst große Transparenz.“

Über Hoffenheim und Salzburg zum deutschen Team

Als Mittelfeldspieler war Flick mit dem FC Bayern München viermal Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Das Nationaltrikot durfte er nie tragen. 148 Spiele in der ersten Liga machte er nur, am Ende der Karriere, die er aus gesundheitlichen Gründen beenden musste, spielte er auch für den 1. FC Köln.

Vor acht Jahren begann er als Coach bei der TSG Hoffenheim, führte diese in die Regionalliga Süd, wurde jedoch im November 2005 vom aktuellen Erstliga-Aufsteiger entlassen, ging anschließend ins Trainerteam von Red Bull Salzburg unter Giovanni Trapattoni, wo er mit Niko Kovac gemeinsame Sache machte. Die, die ihn als Übungsleiter erlebt haben, nennen ihn „einen richtig Guten“.

„Fußball ist das komplexeste Spiel, das es gibt“

Flick gilt als der Computer-Freak in der Führungsebene des DFB. Als Internetexperte erstellte er für Löw eine Datenbank, in der alle Informationen über die technische und körperliche Entwicklung der Profis gespeichert werden, in Ascona entwirft er die Tagespläne und erstellt mit einer angeheuerten Firma über jeden Gegner eine fünfzehnminütige DVD.

„Ich bin der Meinung, dass man möglichst alles wissen sollte. Fußball ist das komplexeste Spiel, das es gibt. Du hast 22 Mann auf dem Platz, jeder mit seinen eigenen Problemen, Stärken und Schwächen. Von daher ist Fußball unglaublich schwer vorhersehbar.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Heinrich, Marc
Marc Heinrich
Sportredakteur.
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