Fehlernährung

Einstiegsdroge Diät

Von Stefan Löffler
10.04.2002
, 16:06
Dubiose Schlankheitsmittel: Die meist zum Scheitern verurteilten Versuche abzuspecken, kosten die Deutschen Milliarden.
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Warum sind Diäten so beliebt? Dass Dicksein ein Gesundheitsrisiko ist, bedeutet noch nicht, dass Abnehmen gesund macht. Im Gegenteil. Leute, die abnehmen, sterben früher.

In einer Reihe von Langzeitstudien erreichten diejenigen das höchste Alter, die im Lauf ihres Lebens langsam aber kontinuierlich etwas zunahmen, und zwar unabhängig davon, ob sie dick, dünn oder normalgewichtig waren. Außer jenen, die unter den Folgen starken Übergewichts wie Diabetes oder Herz- und Organerkrankungen besonders zu leiden haben, ist das Abnehmen eigentlich schwerlich zu empfehlen.

Diät: häufig Auslöser für Ess-Störungen

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Vielfache Untersuchungen belegen, dass dicke Menschen keineswegs mehr, sondern eher sogar etwas weniger essen als dünne. Das verwundert. Doch die gängigen Vorstellungen eines 'Idealgewichts' verbreitete ursprünglich die amerikanische Versicherung Metropolitan Life. Sie ermittelte das Gewicht der Kunden, die länger lebten - alles andere als ein Querschnitt der Bevölkerung.

Ess-Störungen beginnen meist mit einer Diät. Bei Ess-Brechsüchtigen wirken sie regelrecht als Einstiegsdroge. Immer mehr pubertierende Schülerinnen eifern den gängigen Schönheitsidealen nach. Das schlechte Gewissen nach unkontrollierten Essanfällen ist ein weiterer „schlechter“ Anlass zum Hungern.

Fastenkur nicht zum Abnehmen erdacht

Viele Menschen scheitern an Diäten. Das nicht ohne Grund: Ein Körper, der weniger Nahrung bekommt, reagiert auf die geringere Zufuhr, indem er den Energieumsatz senkt und den Appetit erhöht. Eine typische Folge ist, dass sich das Gewicht von Diät zu Diät nach oben schaukelt, der so genannte Jojo-Effekt.

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Zum prominenten Jojo-Fall avancierte der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl. Während seines Jahresurlaubes am Wolfgangsee kasteite er sich mit Semmeln und Milch. Diese Fastenkur erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, obwohl ihr Erfinder F.X. Mayr sie gar nicht zum Abnehmen erdachte. Falsch verstanden, bewirkte die Diät bei Kohl, dass er bis zum jeweils folgenden Sommer für jedes verlorene Kilo zwei zulegte.

Die Anbieter fischen nach Leichtgläubigen

Alle Jahre wieder. Kritische Berichte über Crash-Diäten wechseln sich mit Auflagen steigernden „neuen“ Wellness-Diäten in den Medien ab. Doch wer das Abspecken oft genug vergeblich versuchte, stößt irgendwann auf Schlankheitsmittel. In Funk, Fernsehen und Print-Medien fischen die Anbieter nach Leichtgläubigen - mit überraschendem Erfolg.

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Neben dem Versand setzen einige Anbieter von vermeintlichen Wundermitteln auf den sogenannten Strukturvertrieb. Vertreter werben Kunden, die die Pillen und Shakes im Kreis der Familie und an Bekannte weiterverkaufen. Oder sie organisieren Verkaufspartys, auf denen die im firmeneigenen Schnelldurchgang diplomierten Ernährungsberater auftreten.

Chemie ängstigt, daher ist Bio und Natürlichkeit angesagt

Viele Wundermittel gibt es nur kurze Zeit. Schließlich rechnen die häufig dubiosen Vertriebe weniger mit zufriedenen Nachbestellern als mit Kunden, die auf die vermeintliche Geld-Zurück-Garantie bei Wirkungslosigkeit pochen.

Ebenso wie die Marketingstrategie stammen die Produkte meist aus den Vereinigten Staaten. Weil potentielle Konsumenten durch chemische Labormischungen abgestossen werden, sind Bio und Natürlichkeit angesagt. Altbewährte Mittel wie Apfelessig, Oliven oder Zitronen müssen herhalten, um die „neuen“ Produkte anzupreisen. Erfolg wird immer garantiert.

Die Phantasie der Anbieter scheint grenzenlos

Für wissenschaftlichen Anstrich sorgen auch Firmennamen wie Schlank-Medic Institut oder Bio-Labor. Klinische Studien gibt es nicht, dafür umso mehr Testimonials angeblicher Verwender. Gerne geben die Profiteure des Diätwahns vor, dass Millionen Menschen mit einem Mittel abgenommen hätten.

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Sie prophezeien Gewichtsreduktionen, die selbst bei vollständigem Nahrungsverzicht physiologisch nicht möglich sind. Mitunter versprechen sie, die Käufer müssten nicht einmal Diät halten, sondern nur die Kapseln, den Tee oder das Rührgetränk einnehmen. Die Phantasie der Anbieter scheint grenzenlos. Schwer im Kommen waren auch schon Schlankpflaster, fettverbrennende Thermohosen und sogar Ohrclips.

Sport ist die beste Diät, und auf fettes Essen und Alkohol verzichten

Auf Dauer hilft nur eines, auch wenn es sich sehr unbequem anhört und doch banal ist: mehr Sport, weniger fettes Essen, wenig Alkohol. Das ist dann nicht nur gut für die Linie, sondern auch für die Gesundheit. Und eine Ess-Störung ist dann auch nicht in Sicht.

Quelle: @gf
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