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Formel-1-Klassiker

Mensch vor Maschine in Monte Carlo

Von Anno Hecker, Monte Carlo
 - 17:01

Geschafft, endlich. Freudetrunken schlürfte Daniel Ricciardo vor den Augen des Fürsten Champagner – aus seinem Rennschuh nach 1:45 Stunden im heißen Red Bull. Es gibt köstlichere Mischungen. Aber der erste Sieg in Monaco, der siebte in seiner Karriere, übertüncht jeden schlechten Geschmack: Willkommen im Klub, so könnte der Händedruck von Albert II. und der von Sebastian Vettel als Gratulationsgeste auch gewertet werden. Der Hesse wurde am Sonntag beim Großen Preis von Monaco Zweiter vor seinem schärfsten Rivalen im Kampf um den Fahrertitel, Lewis Hamilton. Zufrieden registrierte er eine Annäherung. In der Fahrerwertung kam er dem Engländer (110 Punkte) bis auf 14 (96) nahe. Ricciardo rückte auf Rang drei vor (72). „Mehr war nicht drin“, sagte Vettel.

Drei Tage stauten sich alle Hoffnungen, Wünsche und Theorien zu einem Berg von Erwartungen. Dann rollte die Formel 1 los wie zu einer Feiertagsdemonstration. Einer hinter dem anderen, sauber eingefädelt vor der ersten Kurve. Auch das ist eine Kunst bei einer Beschleunigung von null auf 180 über längstens 200 Meter. Millimeterarbeit unter Stress, unter dem Druck, auf den ersten Metern die beste Überholchance wahrzunehmen, bevor es sich dahinzieht. Unspektakulär, aber so gekonnt wie erwartet. Und so verschob sich die Spannung auch im Cockpit. Wer unter den Siegkandidaten mit dem Führenden Ricciardo vor Vettel und Hamilton, Kimi Räikkönen (Ferrari) sowie Mercedes-Pilot Valtteri Bottas, alle innerhalb von acht Sekunden, zuckt zuerst? Wer wird den Boxenstoppreigen beginnen, den einzigen Service-Aufenthalt, der rennbestimmend sein soll?

Hamilton begann in der 13. von 78 Runden. Ein aggressives Manöver mit dem Ziel, Vettel mit Hilfe der Taktik von Rang zwei zu verdrängen. Aber der Engländer kam mit den etwas härteren Reifen nicht so in Schwung wie gewünscht und fand sich dort wieder, wo er ausgeschert war: auf Rang drei. Ricciardo kontrollierte das Tempo, zog mit Blick auf seinen obligatorischen Pneu-Wechsel auf 3,6 Sekunden davon und behielt diese Führung vor Vettel. Nach einem Drittel des 76. Großen Preises von Monaco seit der Premiere 1929 erfüllten sich die Ahnungen der erfahrenen Piloten: Ohne Zwischenfälle, ohne Pannen oder die Laune der Natur, wenigstens einen Schauer, blieb nichts übrig, als sich zu fügen, zu warten: Vettel mit einer guten Sekunde hinter Ricciardo auf einen Fehler des Australiers. Hamilton, um acht Sekunden distanziert, auf einen Zwischenfall, Räikkönen in Schlagweite auf ein Missgeschick des Weltmeisters.

28. Runde: Red-Bulls Sportchef Helmut Marko schüttelt den Kopf. Am Kommandostand muss er als einer der Ersten erfahren haben, dass sein Frontfahrer langsamer wird. „Ich verliere Power“, ruft Ricciardo ins Mikrophon. Nicht doch. Vor zwei Jahren führte er ebenfalls in Monaco. Und dann, beim Boxenstopp, hielten seine Mechaniker die falschen Reifen in der Hand. Rien ne va plus! Der Sieg verloren. „Morgen will ich es zu Ende bringen“, hatte Ricciardo nach seiner brillanten Tour mit einem Rundenrekord 1,4 Sekunden unter dem alten zum Gewinn seiner zweiten Pole-Position seiner Karriere gesagt. Und jetzt das nächste Drama? „Bleib konzentriert“, antwortete der Renningenieur. Was auch so eine Art Beruhigungspille sein sollte: Wir kümmern uns um das Problem. Rückfrage Ricciardo mitten im Stadtverkehr, wo eine kleine Unaufmerksamkeit den Red Bull im Bruchteil einer Sekunde in einen Kohlefaserhaufen verwandeln kann: „Wird es besser?“ – Renningenieur: „Negativ, negativ. Aber Du machst einen guten Job. Es wird hart.“ Kopf runter. „Ich dachte, das war es jetzt“, sagte Ricciardo im Ziel, „nicht schon wieder.“

Der Red Bull wurde zwar langsamer, aber dennoch keine leichte Beute für Vettel. Ricciardo ist ein Meister in der Selbstverteidigung, vor allem auf einem so engen, nicht für Überholmanöver im klassischen Stil geschaffenen Kurs wie in Monaco. Nach ein paar Runden vergrößerte sich der auf 0,7 Sekunden gesunkene Abstand wieder. Vettel schonte seine Reifen, während die Verschleppung des Tempos Hamilton heranführte. Zur Mitte des 65. WM-Laufes an der Côte d’Azur nahm das Rennen um den Sieg neue Fahrt auf: Ricciardo ein paar Wagenlängen vor Vettel, Hamilton formatfüllend im Rückspiegel des Ferrari, Räikkönen als Vierter unter Druck von Bottas, der als Einziger unter den ersten fünf auf der dritthärtesten Reifenvariante kreiste; schneller als alle vor ihm, nur 6,3 Sekunden zurück. Ein kurioser Grand Prix. Die Führenden langsam, das Mittelfeld, zwischenzeitlich angeführt von Nico Hülkenberg (Achter im Renault), weit distanziert, aber nun fixer unterwegs, eine halbe Sekunde pro Runde.

Selten war ein Monaco-Rennen, gemessen am Potential der Autos, so langsam, so unspektakulär und zugleich so spannend. Rasen, die Lei(d)tplanken meiden – und hoffen auf ein gutes Signal. Für Vettel kam es etwa 23 Runden vor Schluss: „Wir können das Problem nicht lösen“, erfuhr Ricciardo von seinen Boxenstrategen. Es saß im Heck, wo bekanntlich der Antrieb allen physikalischen Vortrieb erzeugt. Das Renault-Triebwerk sollte doch in Monaco keine Rolle spielen. Erstmals in dieser Saison konnten Ferrari und Mercedes den Leistungsvorteil nicht ausspielen. Ricciardo konnte in den Kurven die Straßenlage seines Boliden und die Traktion beim Beschleunigen ausspielen. Und sein Teamkollege Max Verstappen sogar am laufenden Band überholen. Der Verlierer des Samstags rauschte von Platz 20 auf neun vor. Ohne den Crash im dritten Training hätte der Zwanzigjährige um den Sieg gekämpft.

Am Sonntag forderte ihn das Team nach einem Feindkontakt wieder zu einer besonnenen Fahrweise auf. „Ich hoffe, er lernt endlich aus seinen Fehlern“, hatte Teamchef Chris Horner seinem großen, erst zwanzig Jahre alten Talent am Samstag hinterhergerufen. Verärgert und wohl wissend, dass sich die Dominanz in Monaco schon beim nächsten Grand Prix in Kanada kaum wiederholen lässt. Selbst wenn Ricciardo dort so nervenstark und präzise fährt wie am Sonntag in Monaco. „Daniel verlor 25 Prozent der Motorkraft“, erzählte Horner. „Mir wurde gesagt, dass wir in zwei Runden aufgeben müssten. Aber er hat es verstanden, damit umzugehen. Die Temperatur der hinteren Bremsen schoss durchs Dach, er musste so fahren, dass die Bremsen gekühlt wurden, er musste hier und da vom Gas gehen und hatte Sebastian im Nacken. Er war der Coolste da draußen.“ Er führte das Besondere dieses Rennens vor Augen: Eine leichte Schwäche des Motors kann der Mensch in Monaco ausgleichen.

Formel-1-Ergebnisse Grand Prix von Monaco

1. Ricciardo (Australien) - Red Bull 1:42:54,807 Std.,
2. Vettel (Heppenheim) - Ferrari +7,336 Sek.,
3. Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +17,013,
4. Räikkönen (Finnland) - Ferrari +18,127,
5. Bottas (Finnland) - Mercedes +18,822,
6. Ocon (Frankreich) - Force India +23,667,
7. Gasly (Frankreich) - Toro Rosso +24,331,
8. Hülkenberg (Emmerich) - Renault +24,839,
9. Verstappen (Niederlande) - Red Bull +25,317,
10. Sainz Jr. (Spanien) - Renault +1:09,013 Min.
11. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber-Ferrari 1:09,864,
12. Sergio Perez (Mexiko) Force-India-Mercedes 1:10,461,
13. Kevin Magnussen (Dänemark) Haas-Ferrari 1:14,823,
14. Stoffel Vandoorne (Belgien) McLaren-Renault, eine Runde zurück,
15. Romain Grosjean (Frankreich) Haas-Ferrari, eine Runde zurück
16. Sergej Sirotkin (Russland) Williams-Mercedes, eine Runde zurück
17. Lance Stroll (Kanada) Williams-Mercedes, zwei Runden zurück

Ausfälle: Alonso (Spanien) - McLaren (54. Rd.), Hartley (Neuseeland) - Toro Rosso (71. Rd.), Leclerc (Monaco) - Sauber (71. Rd.).

Fahrer-Wertung:

1. Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 110 Pkt.,
2. Vettel (Heppenheim) - Ferrari 96,
3. Ricciardo (Australien) - Red Bull 72,
4. Bottas (Finnland) - Mercedes 68,
5. Räikkönen (Finnland) - Ferrari 60,
6. Verstappen (Niederlande) - Red Bull 35,
7. Alonso (Spanien) - McLaren 32,
8. Hülkenberg (Emmerich) - Renault 26,
9. Sainz Jr. (Spanien) - Renault 20,
10. Magnussen (Dänemark) - Haas 19.

Konstrukteurs-Wertung:

1. Mercedes 178 Pkt.,
2. Ferrari 156,
3. Red Bull 107,
4. Renault 46,
5. McLaren 40,
6. Force India 26,
7. Toro Rosso 19,
8. Haas 19,
9. Sauber 11,
10. Williams 4.

Quelle: FAZ.NET
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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