Formel 1 in Ungarn

Vettel disqualifiziert – Rennstall erwägt Einspruch

Von Christoph Becker
02.08.2021
, 16:13
Die Freude von Sebastian Vettel über den zweiten Platz währt nicht lange.
Zu wenig Sprit im Tank? Sebastian Vettel verliert seinen zweiten Platz beim Formel-1-Rennen in Ungarn wieder. Sein Team Aston Martin überlegt, ob es gegen diese Entscheidung vorgehen soll.

Zum Ende des Tages hatte das kurioseste unter den bislang Formel-1-Rennen des Jahres 2021 auch noch ein Highlight für Zahlenfreunde zu bieten. Um 22.02 Uhr disqualifizierte die Rennleitung den Zweiten des Großen Preises von Ungarn, Sebastian Vettel. Und zwar nicht wegen des T-Shirts, mit dem er unter anderem während der Nationalhymne gegen die homophobe Politik der ungarischen Regierung protestiert hatte, sondern weil er seinen Aston Martin mit zu wenig Sprit im Tank abgestellt hatte. Ein Liter Restmenge verlangt das Reglement, 0,3 ließ sich aus dem Dienstwagen saugen.

Damit wird Vettel sein zweiter Platz der Saison erst einmal gestrichen. Unmittelbarer Profiteur ist Lewis Hamilton. Der Weltmeister von Mercedes rückt auf Platz zwei auf und baut den Vorsprung auf Max Verstappen in der Fahrer-Weltmeisterschaft noch einmal aus. Acht statt sechs Punkte Vorsprung, 195:187 statt 192:186 zur knappen Halbzeit der nach Plan 23 Rennen umfassenden Saison. Als Podiumspilot kann sich auch Carlos Sainz fühlen, der Ferrari Mann rückt von vier auf drei auf.

Allerdings kündigte Vettels Aston-Martin-Rennstall, mit Ergebnis der ungarischen Art nicht gerade gesegnet, unmittelbar nach der Entscheidung an, man habe die Absicht hinterlegt, die Entscheidung anzufechten. Wie das Fachblatt Auto, Motor und Sport berichtet, ist man bei Vettels Arbeitgeber überzeugt, die Mindestmenge an Bord nachweisen zu können. Sie betrage 1,74 Liter Kraftstoff, allein, die verbleibenden 1,44 Liter hätten sich nicht abpumpen lassen.

Man könne aber über die Durchflussmengen Berechnung nachweisen, dass sich eine regelkonforme Menge Kraftstoff an Bord befinde. Einspruch gegen die Disqualifikation kann bis zu 96 Stunden nach der Entscheidung, also bis Donnerstagabend eingelegt werden. Vettels Wagen wurde versiegelt. Der Deutsche hatte das Fahrzeug nach der Zieldurchfahrt auf dem Hungaroring in Kurve Zwölf abgestellt, auf Geheiß des Teams. „Wir haben ihm gesagt, dass er stoppen soll, weil die Förderpumpe nicht mehr funktioniert hat“, zitiert „Auto Motor und Sport“ Aston Martins Teamchef Otmar Szafnauer.

Unterdessen wurde Vettel für das Tragen des Regenbogen-T-Shirts mit der Aufschrift „Same Love“ verwarnt. Die Formel 1 hatte zwar im vergangenen Jahr unter dem Motto „We race as one“ (Wir fahren vereint Rennen) eine Kampagnen zu weitergehendem gesellschaftlichem Engagement begonnen, setzt den Fahrern aber Grenzen, innerhalb derer politische Statements erlaubt beziehungsweise erbeten sind.

Vettel hatte bereits am Wochenende vor dem Rennen Turnschuhe mit Regenbogenmuster getragen und gesagt, er wolle diejenigen unterstützen, die von der geplanten Gesetzgebung in Ungarn betroffen sind. „Es ist beschämend für das Land“, hatte Vettel am Donnerstag gesagt. Er könne nicht verstehen, warum die Regierung so damit kämpfe, dass die Menschen einfach frei leben könnten, wie sie wollten.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte kürzlich ein Referendum über ein Gesetz angekündigt, das sich gegen nicht-heterosexuelle Menschen richtet. Das Gesetz verbietet unter anderem Werbung, in der Homosexuelle oder Transsexuelle als Teil einer Normalität erscheinen. Die EU-Kommission sieht es als diskriminierend an und hat Schritte gegen Ungarn eingeleitet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Christoph
Christoph Becker
Sportredakteur.
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