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Lance Stroll und die Formel 1

Ein Milliardärssohn im Papa-Mobil

Von Hermann Renner
Aktualisiert am 01.08.2020
 - 13:22
Mit Unterstützung des Vaters: Lance Stroll fährt in der Formel 1.
Als Filius eines Milliardärs hat es Lance Stroll in die Formel 1 geschafft. Falls Sebastian Vettel zum Rennstall Racing Point wechselt, müsste der schnellere Temkollege weichen.

Lance Stroll hat es schwer. Der 21-jährige Kanadier fährt mit einem Etikett, das er nicht mehr los wird. Er ist der Sohn eines Milliardärs und damit nur in der Formel 1, weil ihn das Geld des Vaters dorthin gebracht hat. Tatsächlich scheint der Ehrgeiz von Stroll senior größer zu sein als der des Juniors. Man erzählt sich, dass der ehemalige Modezar Lawrence Stroll bis heute zwischen 300 und 400 Millionen Dollar (338 Millionen Euro) in die Karriere seines Filius gesteckt hat. Bevor Stroll 2017 bei Williams andockte, kaufte ihm der Vater ein zwei Jahres altes Auto, mietete sich bei Williams und Motorenlieferant Mercedes eine Mannschaft mit zwanzig Mitgliedern sowie zwei Motoren und tingelte damit um die Welt, damit der Sohnemann eine Saison lang Erfahrungen sammeln konnte. Kein anderer Fahrer aus der jüngeren Vergangenheit kam so gut vorbereitet in der Königsklasse an.

Jeder Vertrag kostete Geld. Viel Geld. Williams soll pro Jahr 20 Millionen Euro kassiert haben. Freiwillig hätte kein Rennstall den jungen Kanadier genommen. Stroll galt und gilt als ordentlicher Rennfahrer, der an einem guten Tag in einem guten Auto auf das Podium fahren kann. Mehr nicht. In ihm steckt nicht das Weltmeister-Gen wie in Max Verstappen, Charles Leclerc oder Lando Norris. Trotz des Formel-3-Titels 2016. Die Szene unterstellte Stroll Vorzugsbehandlung mit besseren Motoren und mehr Testfahrten. Der Vater hatte sich den besten Rennstall im Feld mehrheitlich gekauft. Ähnlich ging er später in der Königsklasse vor.

Lawrence Stroll holte Force India im Sommer 2018 zusammen mit ein paar kanadischen Geschäftsfreunden gegen eine Zahlung von rund 100 Millionen Euro aus der Insolvenz. Der Rennstall heißt seitdem Racing Point. Das Problem mit der Mitgift hat sich erledigt. Lance Stroll hat einen Anstellungsvertrag, bis er die Lust verliert. Das tritt wahrscheinlich eher ein, als dass dem Vater die Geduld ausgeht.

Lance Stroll hat nie den Eindruck vermittelt, als mache ihm das Rennfahren übermäßigen Spaß. Alles scheint eine Last zu sein. Die TV-Anstalten klagen, dass Stroll nur zu den vertraglich vereinbarten Interview-Slots erscheint. Bei den jüngsten Pressekonferenzen des Internationalen Automobil-Verbandes wiederholte er stumpf, was Teamkollege Sergio Perez vorher gesagt hatte. Tatsächlich fuhr der Kanadier zuletzt beim Rennen in Ungarn sein bislang bestes Formel-1-Rennen, auch wenn er 2017 in Baku schon einmal Dritter geworden ist. Das aber verdankte er hauptsächlich dem turbulenten Rennverlauf. Der dritte Startplatz und der vierte Rang im Rennen von Budapest war ein Resultat aus eigener Kraft. Strolls Kommentar am Funk „The car was on fire“ ist sein bisher größter Gefühlsausbruch bei 65 GP-Starts.

Die Grenzen aufgezeigt

Perez hat Stroll im vergangenen Jahr dessen Grenzen aufgezeigt. Der Mexikaner gewann das Trainingsduell mit 17:4, nach Punkten 52:21. Für den Großen Preis von England an diesem Sonntag in Silverstone (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) galt der Mexikaner wieder als Favorit im Stallduell. Aber wegen eines positiven Tests auf Covid-19 begab er sich in Quarantäne und wurde durch den Rheinländer Nico Hülkenberg ersetzt. Ein schwieriger Moment für Perez. Denn trotz seiner Überlegenheit wäre er der Fahrer, der gehen müsste, falls Sebastian Vettel käme. Diese Gerüchte schlugen Perez in Ungarn offenbar aufs Gemüt. Zum ersten Mal überhaupt sah er ein ganzes Wochenende lang kein Land gegen den schwächer eingeschätzten Teamkollegen. Für Silverstone hatte er sich vorgenommen, die Rangordnung wiederherzustellen und mit dem schnellen Boliden weit vorne zu landen. Stroll beendete das zweite Training am Freitag als Schnellster.

Er ist nicht der einzige Formel-1-Pilot, der mit familiärer Hilfe den Weg in die Formel 1 gefunden hat. Michael Latifi, ein weiterer kanadischer Milliardär, hat seinen Sohn bei Williams untergebracht. Der Besitzer eines Nahrungsmittelkonzerns hält Anteile bei McLaren und ist derzeit der größte Gläubiger von Williams. Latifi senior kaufte die alten Rennfahrzeuge des Teams, die Williams als Bürgschaft für einen Kredit bei einer Bank hinterlegt hatte. Die Geschichte vom Glück, Sohn zu sein, könnte sich fortsetzen. Der russische Düngemittelhändler Dmitry Mazepin ist mit seinem Sohn Nikita bereits in der Formel 2 angelangt. Auch Mazepin schaut sich seit geraumer Zeit nach einer Beteiligung an einem Formel-1-Team um.

Leistungsprinzip auch bei Red Bull ausgehebelt

Alexander Albon genießt das Glück, Thailänder zu sein. Er fährt seit dem GP Ungarn 2019 für Red Bull. Die Mehrheitseigner des Limonadekonzerns kommen aus Thailand und finden es gut, dass es einer ihrer Landsleute in die erste Reihe geschafft hat. Damit ist bei Red Bull auch zum ersten Mal das bisweilen gnadenlose Leistungsprinzip ausgehebelt worden. Albon fährt nicht schlecht, aber auch noch nicht so, wie es Sportdirektor Helmut Marko und Teamchef Christian Horner normalerweise verlangen. In Budapest fehlten Albon nach 70 Runden 70 Sekunden auf Teamkapitän Verstappen. Beim zweiten Spielberg-Rennen lag er zwar nur elf Sekunden zurück, allerdings mit einem Boxenstopp weniger. Immerhin, den Saisonauftakt hätte Albon dank kluger Strategie und frischer Reifen zum richtigen Zeitpunkt gewinnen können, hätte ihn Lewis Hamilton nicht von der Strecke geboxt. Der Weltmeister steht Albon im Weg. Schon im vergangenen Jahr in Brasilien vereitelte Hamilton dem Red Bull-Piloten durch eine Kollision ein Podium.

England muss sich um die Zukunft seiner Fahrer keine Sorgen machen. Wenn Hamilton einmal geht, stehen Lando Norris und George Russell schon in den Startlöchern. Beiden traut man zu, dass sie Rennen und Titel gewinnen können. Beide sind schnell, selbstbewusst, selbstkritisch und bis unter die Haarspitzen motiviert. Norris zählt zum Kader von McLaren, Russell ist Teil der Mercedes-Familie und bis Ende 2021 an Williams ausgeliehen. Norris gelang beim Saisonauftakt in Spielberg erstmals der Sprung aufs Podium. Russell wartet noch auf seinen ersten WM-Punkt. Der 22-jährige Brite muss im Training auf sich aufmerksam machen, mit Ergebnissen, die man seinem Auto nicht zutraut. Zuletzt schaffte er es zwei Mal in die zweite K.-o.-Runde der Qualifikation. Für Williams ist das wie ein Sieg. Trotzdem erhielt der Mercedes-Protegé den ersten Pokal dieser Saison. Russell gewann die virtuelle Formel-1-Meisterschaft, die in der Corona-Pause ausgetragen wurde.

Quelle: F.A.Z.
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