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Ende des Machtvakuums

Neuer Chef für Vettel

Von Anno Hecker
 - 09:23

Und sie bewegt sich doch, die Scuderia. Nach der heftigen Niederlage von Ferrari bei der Formel-1-Weltmeisterschaft gegen Mercedes im vergangenen Jahr kam die Nachricht vom Führungswechsel an der Spitze des Teams am Montag nicht überraschend. Allein der Zeitpunkt wirkt unglücklich: Schon wieder spät dran, die Roten aus Maranello.

In der jüngeren Vergangenheit ist der Rennstall regelmäßig hinter seinen Tempovorgaben zurückgeblieben. Seit 2008 gelang es nicht mehr, beim großen Wettrennen um die WM-Titel vor allen Konkurrenten ins Ziel zu kommen. An den Fahrern lag es nicht. Das gilt trotz der Fehler von Sebastian Vettel auch für 2018. Ferrari vermochte es nicht, nach einem starken Auftakt den Vorsprung zu halten. Im Gegenteil.

Wer hatte den Rückwärtsgang eingelegt?

Nach der Sommerpause entpuppte sich das Entwicklungsprogramm für den Boliden als veritabler Schaltfehler: Aber wer hatte den Rückwärtsgang eingelegt? Der nun seines Postens enthobene Teamchef Arrivabene? Er weiß, wie man zu hohen Preisen Dinge verkauft, die sich schnell in Rauch auflösen. 2014 kam der Italiener von Ferraris Hauptsponsor Philip Morris. Aber die Schwäche des Autos, unter anderem der fehlende Abtrieb in langsamen Kurven, ist wohl eher eine Baustelle von Binotto gewesen, dem Technischen Direktor. Der Gegner Arrivabenes hat jetzt das Sagen.

Dass sich Ferrari-Präsident Elkann erst kurz vor Weihnachten für den Wechsel entschieden haben soll, deutet auf einen lange schwelenden Machtkampf hin. Die erkennbaren eklatanten Fehler der Scuderia waren schon mehrere Rennen vor Ende der Saison in aller Öffentlichkeit diskutiert worden. Dazu gehörte auch die verblüffende Vorführung in Monza, wo Vettel beim Qualifikationstraining den Windschatten-Spender für Räikkönen gab und deshalb als Zweiter im Startplatzrennen hinter dem Finnen in den fatalen Zweikampf mit Hamilton kurz nach dem Start des Rennens verwickelt wurde.

Ob Arrivabene diesen Dienst seines einzigen WM-Kandidaten Vettel angeordnet oder nicht verhindert hatte, spielt bei der Bewertung keine Rolle. Ein Teamchef ist zumindest politisch für Strategiefehler verantwortlich. Der von Monza offenbarte zudem einen wesentlichen Unterschied zwischen der Führungstaktik von Ferrari und des seit 2014 ununterbrochen erfolgreichen Rivalen: Mercedes wäre das nie und nimmer passiert. Weil Arrivabenes smarter, kompromissloser Gegner im Kommandostand, Wolff, genau weiß, was er will und seine Vorstellung in den wesentlichen Punkten auch durchsetzen kann.

Wolff ist der Boss im Silberpfeillager. Arrivabene wirkte stets wie am Gängelband des Fiat-Vorsitzenden Marchionne. Als der im Sommer 2018 plötzlich starb, verlor Ferrari die Führung im doppelten Sinne: erst den wahren Chef und dann das höchste Tempo auf der Strecke. Die Auflösung des Machtvakuums war also überfällig. Ohne starken Teamchef ist noch kaum jemand Champion geworden.

Quelle: F.A.Z.
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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