Qualifikation der Formel 1

Ferrari schlägt sich wieder selbst

Von Anno Hecker, Abu Dhabi
Aktualisiert am 30.11.2019
 - 15:56
Sebastian Vettel startet von Platz vier beim Saisonfinale in Abu Dhabi.zur Bildergalerie
Die Silberpfeile fahren in der Qualifikation beim Formel-1-Saisonfinale die schnellsten Runden. Ungetrübt tritt Mercedes die große Sause in Abu Dhabi aber nicht an. Gar nicht rund läuft es bei Ferrari.

Nach Mercedes kann man die Uhr stellen. Schon wieder fuhren die beiden Silberpfeil-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas die beste und zweitbeste Runde beim Qualifikationstraining zum Großen Preis von Abu Dhabi am Sonntag (14.10 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky). Zum sechsten Mal in Serie ist das diesem Rennstall gelungen. Beim Finale der Saison demonstrierte der Weltmeister noch einmal seine Klasse. „Es ist besonders speziell, das letzte Qualifying mit einer Pole-Position zu beenden und sich so von dem Auto zu verabschieden.“

Ungetrübt tritt Mercedes die große Sause aber nicht an. Wegen eines Antriebwechsel beim Auto von Bottas bildet Mercedes die Klammer: Hamilton wird dank seiner 88. Pole-Position das Feld ins Rennen führen; der finnische Teamkollege wegen der Strafe für den Einsatz des nächsten Motors vom Ende aus sein Glück versuchen. Den schärfsten Gegner ist der Champion los. Die Hintermänner rücken auf: Und so macht sich Max Verstappen als erster Nachrücker von Rang drei Hoffnungen, dem Champion die abschließende Meisterfeier zu verderben. „Es ist alles möglich“, sagte der Niederländer.

Und Ferrari? Geschlagen um eine halbe Sekunde von Hamilton und von sich selbst. Charles Leclerc hatte mit dem letzten Versuch vorrücken wollen von Rang vier. Aber er kreuzte die Startlinie erst nach Ablauf der Zeit. Ein Strategiefehler. Sebastian Vettel kam zwar rechtzeitig in die Gänge, leistet sich aber einen Fehler in der ersten Kurve. Er hat als Fünftschnellster aus anderen Gründen schlechtere Aussichten. Der Hesse kam im zweiten Teil des Startplatzrennens nur mit der weichsten Reifenmischung über die Runde und muss, so will es das Reglement, mit diesen Pneus das Rennen beginnen. Die Rennställe rechnen aber mit einem „Einbruch“ der Haftungsleistung bereits nach fünf der 55 Runden bei diesem Ein-Stopp-Rennen.

Kurios an dieser Konstellation: Beide Ferrari fuhren mit den Soft-Gummis langsamer als Mercedes, obwohl der Zeitvorteil bei einer Sekunde liegen soll. Erst im letzten Moment wechselte Leclerc auf das härtere Modell – und fuhr die Bestzeit. Vettel erklärte seine Wahl so: „Es ging darum, am Start was anderes zu machen als die anderen.“ Ferraris Grundproblem ist wie erwartet der dritte Sektor mit elf der 21 Kurven. Fast sechs Zehntelsekunden verloren die Scuderia-Piloten in dieser Passage gegenüber Hamilton. Der kleine, auf den Geraden gewonnene Vorsprung verpuffte. Es ist das typische Bild der Saison. „Wir haben einfach nicht den Grip“, sagte Vettel. Immerhin stehen die Roten wegen der Versetzung von Bottas in der zweiten Startreihe.

Versöhnlich beginnt der 21. Grand Prix der Saison für Nico Hülkenberg. In seinem voraussichtlich letzten, 177. Formel-1-Rennen startet er von Rang neun. Renault hatte sich gegen eine Vertragsverlängerung mit dem Rheinländer entschieden, der mit der DTM liebäugelt. Denn die Cockpits der anderen, für Hülkenberg interessanten Rennställe sind besetzt. Zuletzt verpflichtete Williams Nicholas Latifi. Der Kanadier ersetzt den Polen Robert Kubica, der im Jahr seines Comebacks nach der schweren Verletzung bei seinem Rallyeunfall 2011 in jedem der 21 Qualifying-Runden seit dem Saisonstart im März seinem jungen Teamkollegen George Russell unterlag.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hecker, Anno
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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