Formel 1 in Silverstone

Verwunderung bei Ferrari, Vettel stinksauer

Von Richard Blehn, Silverstone
02.07.2022
, 18:01
Der Schnellste im Pfützen-Slalom von Silverstone: Ferrari-Pilot Carlos Sainz Jr. beim Qualifying zum Großen Preis von Großbritannien
Im britischen Regen ist Ferrari-Pilot Sainz 72 Tausendstel schneller als Max Verstappen. Für Mick Schumacher und Sebastian Vettel läuft das Qualifying dagegen gar nicht gut.
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Die Formel 1 probt den Slalom um die Pfützen, er endet mit einer Premiere: Beim Großen Preis von Großbritannien steht der Spanier Carlos Sainz jr. zum ersten Mal in seiner Grand-Prix-Karriere auf der Pole-Position. Das wunderte den Tagesbesten im Ferrari sogar selbst: „Ich habe mich schlecht gefühlt da draußen."

In den dramatischen Schlussminuten der verregneten Qualifikation distanzierte der in 149 WM-Läufen noch sieglose Spanier den Favoriten Max Verstappen um die Winzigkeit von 72 Tausendstel, Charles Leclerc im zweiten Ferrari folgte vor dem Mexikaner Sergio Perez im anderen Red-Bull-Rennwagen. Lewis Hamilton, der Rekordsieger von Silverstone, landete auf dem fünften Rang.

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„Wir haben ein gutes Auto fürs Rennen", glaubt derweil der niederländische WM-Spitzenreiter Verstappen, der sich auf der Zeitenjagd mit zu viel Risiko einmal spektakulär gedreht hatte. Die Königsklasse macht in Mittelengland ihren Freischwimmer, so viel Wasser stand teilweise auf der Ideallinie.

Luft 14 Grad, Asphalt 19, leichter Nieselregen. Ein ganz normaler britischer Sommertag, besonders unangenehm allerdings für alle, die mit einem über 300 km/h schnellen Cabriolet unterwegs sein müssen, vom stundenlangen Ausharren auf den Tribünen mal ganz abgesehen. Zum zweiten Mal hintereinander begann die Qualifikation zu einem Formel-1-Rennen im Nassen. Die Favoriten bangten, die Hinterbänkler hofften. Alles oder Gischt. Im Fahrerlager von Silverstone standen trotzdem Liegestühle vor einer Open-Air-Bar, über die Videowände flimmerten Bilder vom Rennen jüngst in Miami.

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Sehnsucht war ein gutes Stichwort, vor allem für jene der auch in diesem Jahr erwarteten 140.000 Zuschauer beim Großen Preis von Großbritannien (Sonntag, 16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky), die sich zum Mercedes-Lager zählen. Ein vom Unterboden bis zu den Seitenkästen runderneuerter Silberpfeil soll endlich das lästige Hüpfen und das brutale Aufsetzen an den Dienstwagen der britischen Fahrerkombination Lewis Hamilton und George Russell besiegen. Noch gelingt das nicht ganz optimal, vor allem in Kurven zeigte sich das „bouncing" noch immer. Aber Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach von einem großen Sprung und machte vor dem Sky-Mikrofon Schönwettermiene unterm grauen Himmel: „Es ist das beste Auto, dass wir in dieser Saison hatten. Wir sind wieder im Spiel."

Enttäuschungen für Schumacher und Vettel

Der Beginn der sich bis Mitte September ziehenden europäischen Saison ist von vielen Rennställen zur Generalüberholung der bisherigen Teams genutzt worden. Red Bull hat seinen schlanken Autos neuen Schliff gegeben, die Rennwagen von Alpine und Williams-Mercedes haben veränderte aerodynamische Gesichter. Die Gelegenheit ist ja auch günstig gerade, denn zusätzlich zum gültigen Budgetdeckel ist vom Formel-1-Management ein Inflationszuschlag in Aussicht gestellt worden.

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Das unbeständige Wetter in Mittelengland aber machte es schwierig, die Auswirkungen auf die aktuellen Kräfteverhältnisse genau zu verifizieren. Bemerkenswert und wohl den schwierigen Bedingungen geschuldet waren die Startplätze neun für den Chinesen Guanyu Zhou im Alfa Romeo und zehn für den bisherigen kanadischen Hinterherfahrer Nicolas Latifi im Williams.

Enttäuschend klar waren an diesem Samstag die Leistungen der beiden deutschen Formel-1-Piloten einzuschätzen. Mick Schumacher, dessen fahrerisches Können zuletzt stärker aufscheinen konnte, landete mit dem weiterhin ohne neue technische Teile ausgestatteten Haas-Ferrari auf dem vorletzten Platz. Dem 23-Jährigen wurde abermals ein Problem am Auto zum Verhängnis – das Lenkrad stand schief und hing nach links, die Balance stimmte nicht. Mal untersteuerte das Auto extrem, mal übersteuerte es in Kurven.

Trotz der vom Rennstall zu verantwortenden Pannenserie setzt ihn Teamchef Günther Steiner weiter unter Druck: „Er weiß, dass er es kann, hat das Selbstbewusstsein und muss nur etwas mehr Glück haben. Er hat in Montréal im Rennen gezeigt, dass er da ist. Er hat das Selbstbewusstsein. Er muss jetzt einfach Punkte holen, um zu beweisen, dass es machbar ist.“

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Sebastian Vettel musste mit dem bereits im Juni überarbeiteten Aston Martin einmal mehr bereits im ersten Qualifikationsabschnitt den Dienst quittieren, Rang 18. Der Heppenheimer fluchte ins Helmmikrofon: „Nicht schon wieder, nicht schon wieder.“ Die Updates funktionierten einfach noch nicht.

Am Sonntag vor dem zehnten WM-Lauf wird der Hesse das 30 Jahre alte Weltmeisterauto von Nigel Mansell um den Silverstone Circuit bewegen. Nicht als Hommage für den britischen Publikumsliebling, sondern um ein weiteres Zeichen für das eigene Klimabewusstsein zu setzen – der Williams-Renault wird eigens mit Biosprit betankt. Zu seinem aktuellen Auto fielen ihm nur drei Vokabeln ein: „Bitter.“ „Enttäuscht.“ „Langsam.“

Quelle: FAZ.NET
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