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Formel 1 in China

Ein Rammstoß bremst Vettel aus

Von Anno Hecker
 - 10:07

Von der Pole-Position auf Rang acht. Sebastian Vettel ist es trotz der besten Ausgangsposition beim Großen Preis von China am Sonntag in Schanghai nicht gelungen, auch das dritte Rennen der Formel-1-Saison zu gewinnen. Nach Glück beim Sieg in Australien und Geschick beim Erfolg in Bahrein hatte der Deutsche diesmal Pech. Die einzige Safety-Car-Phase nutzte Red Bull zum Sieg von Daniel Ricciardo vor Valtteri Bottas (Mercedes) und Kimi Räikkönen im Ferrari. Vettel fiel hinter seinen Landsmann Nico Hülkenberg (Sechster) im Renault und in den letzten Runden auch hinter Fernando Alonso (McLaren) zurück, weil er von Max Verstappen bei einem missglückten Überholversuch des Niederländers in einen Dreher versetzt worden war. Dabei wurde die Fahrtüchtigkeit des Ferrari beschädigt. „Jeder hat gesehen, dass es auf seine Kappe geht“, sagte Vettel über das Missgeschick von Verstappen, nachdem beide kurz miteinander gesprochen hatten. „Er ist lange genug dabei. Er hat unsere beider Rennen zerstört. Und er hätte locker aufs Podium fahren können. Wir hatten beide Glück, dass wir weiterfahren konnten. Es ist dumm gelaufen, aber es geht weiter.“ In der Fahrerwertung bleibt der Heppenheimer aber Führender mit 54 Punkten vor Hamilton (43).

Nur einen Fehler erlaubte sich Vettel am Sonntag: Am Start kam er nicht wie gewünscht in die Gänge. Räikkönen schräg hinter ihm auf Position zwei fuhr schneller los. Prompt zog der Hesse nach rechts, um seine Führung bis zur ersten Kurve verteidigen zu können. Der Teamkollege musste leicht vom Gas gehen, Bottas schoss außen vorbei. In den folgenden Kurven musste der Finne auch Verstappen ziehen lassen. Die weicheren Reifen am Red Bull des Niederländers im Kurvengeschlängel boten mehr Haftung. Und so verlor Ferrari nicht nur den zweiten Mann aus der ersten Reihe, der sich auf Rang vier vor Lewis Hamilton wiederfand, sondern auch den strategischen Vorteil, mit zwei Autos das Feld anzuführen. Mercedes war am Zug.

Mit Bottas, dem nominell zweiten Mann im Team. Der Finne hielt den Rückstand bis zu seinem Boxenstopp in der 21. Runde auf 2,4 Sekunden. „Gib alles“, rief ihm der Renningenieur über Funk zu. Die Silberpfeil-Fraktion plante einen „Undercut“. Bottas sollte vor Vettel zum Reifenwechsel gerufen und mit den frischen Pneus den Vorsprung des Deutschen aufholen. Gesagt, getan. Als Vettel eine Runde später nach seinem Service an der Box wieder auf die Piste zurückkehrte, aber noch nicht das Tempo hatte, sah er den Silberpfeil an sich vorbeirauschen: Zweiter. „Wir haben uns vertan. Im Nachhinein ist man immer schlauer, es gibt keine Schuldzuweisung“, sagte Vettel. „. Wenn das Safety-Car zehn Sekunden später gekommen wäre, dann hätten wir noch in die Box fahren können. Aber als das Lämpchen anging, war ich gerade um die letzte Ecke gebogen, das war es zu spät.“ Nach dem strategischen Fehler zum Saisonauftakt in Melbourne, als Vettel profitierte und gewann, bewies Mercedes diesmal mit Bottas am Steuer dass bessere taktische Geschick. Aber da war doch noch Räikkönen. Als einziger aus der Spitzengruppe fuhr er noch auf den alten Reifen, an der Spitze. Und wurde von Ferrari eingesetzt als rasender Puffer. Viel langsamer als Bottas und Vettel, aber schnell genug, den Landsmann etwas aufzuhalten.

Das gelang, Vettel kam in der 28. Runde auf Schlagdistanz heran. Aber nicht nah genug, um Bottas in dieser Phase angreifen zu können. Und so gewann Ferrari zwei Erkenntnisse: Räikkönen fiel durch diese Strategie zunächst auf Rang sechs zurück, noch hinter Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo. Er wurde ein klassisches Opfer zum Wohl des Siegkandidaten. Aber der Mercedes, dass musste Ferrari gleichzeitig einsehen, war zu schnell. Und damit gab es eine Antwort auf die Frage des Wochenendes: Wie konnte Vettel 0,5 Sekunden schneller sein beim Qualifikationstraining am Samstag als der schnellste Mercedes mit Bottas? Wegen des Wetters. Mercedes bekam aufgrund des kühlen Asphalts (18 Grad Celsius) die Reifen nicht auf die gewünschte Temperatur, es fehlte deshalb die nötige Haftung. Am Sonntag erhitzte sich der Streckenbelag aber auf 39 Grad Celsius. Die Mercedes-Ingenieure hatten das erwartet und auch die Wirkung: Schon lief ihr Bolide – schneller als der Ferrari.

Bottas gejagt von Vettel, die Umkehrung des Rennens von Bahrein? Mit allein diesen beiden im Kampf um den Sieg? So sah es aus, bis die Fahrer von Toro Rosso eingriffen in die Grand-Prix-Dramaturgie. Pierre Gasly rammte seinen Teamkollegen Brendon Hartley. Um die Trümmer beseitigen zu können, wurde das Safety-Car auf die Piste geschickt. Prompt ergab sich über eine neue Boxenstopp-Arie für alle, die ihre Glück beim Schopfe ergreifen konnten, eine neue Situation zwanzig Runden vor Ende des Rennens: Vettel dicht hinter Bottas, aber direkt hinter ihm Hamilton im Mercedes-Sandwich. Dann folgte Verstappen auf ganz frischen Reifen vor Räikkönen, der Ricciardo – ebenfalls mit neuen Pneus ausgerüstet – in seinem Nacken spürte. „Das war eine magische Entscheidung“, sagte Ricciardo später. Als die Safety-Car-Phase angezeigt wurde, langen die Red-Bull-Autos noch vor der Boxeneinfahrt. Bottas und Vettel hatten sie schon passiert. „Das war eine Entscheidung in letzter Sekunde“, sagte auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Wir haben zum zweiten Mal beide Autos direkt hintereinander reingeholt, das Team hat hervorragend gearbeitet.“

Mit einer schönen roten Frontreihe hatte Ferrari das Rennen begonnen. Im letzten Drittel kämpfte die Scuderia um eine Schadensbegrenzung. An der Spitze ließ Bottas auch nach der Freigabe des Rennens Vettel keinen Spielraum für eine erfolgreiche Attacke. Von hinten aber deutete sich die Gefahr ein. Ricciardo zog an Räikkönen vorbei. Und Verstappen versuchte es bei Hamilton. Vor einer Woche führte der Zweikampf in Bahrein zu einem platten Reifen und dem Ausfall des Niederländers. Diesmal verbremste er sich, musste die Piste verlassen und sogar seinen Teamkollegen ziehen lassen. Der Australier machte es dem jungen Heißsporn vor: Hamilton? Kein Problem. Vorbei. Vettel? Geht auch. Die Boliden von Red Bull fuhren die besten Rundenzeiten.

Aber mitunter reicht das nicht, unfallfrei an langsameren Autos vorbei zu kommen. 45. Runde: Ob Vettel Verstappen im Rückspiegel hat heranfliegen sehen? Und wenn schon. Der viermalige Weltmeister hatte keine Chance, dem Rammstoß in der Rechtskurve auszuweichen. Der Red Bull drehte den Ferrari, warf Vettel auf Platz sieben zurück noch hinter den durchschlüpfenden Hülkenberg im Renault. Was für ein Desaster. Und was für ein Ärger. Immer wenn es Vollkontakt gibt unter den Spitzenpiloten ist Verstappen im Spiel. „Max hat ein paar Fehler gemacht. Er ist noch jung“, sagte sein Teamchef Horner. Die Streckenstewards reagierten. Sie bestraften Verstappen mit einem Zeitzuschlag von zehn Sekunden. Ein mildes Urteil. Denn Verstappen blieb noch Zeit, diese Rückversetzung abzufedern. Er kam zwar als Vierter ins Ziel, musste seinen Platz aber an Hamilton abtreten. „Ich bin sauer, das Rennen war am Ende scheiße. Es war meine Schuld“, sagte Verstappen. Groß war der Jubel bei Sieger Ricciardo: „Ich habe die Gelegenheit genutzt. Am Samstag dachten wir noch, keine Chance. Wenn ich gewinne, dann passiert immer etwas. Das ist aufregend.“

Großer Preis von China in Schanghai

1. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 1:35:36,380 Std.;
2. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes +8,894 Sek.;
3. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari +9,637;
4. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes +16,985;
5. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull +20,436;
6. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault +21,052;
7. Fernando Alonso (Spanien) - McLaren +30,639;
8. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari +35,286;
9. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Renault +35,763;
10. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas +39,594;
11. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India +44,050;
12. Sergio Perez (Mexiko) - Force India +44,725;
13. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren +49,373;
14. Lance Stroll (Kanada) - Williams +55,490;
15. Sergej Sirotkin (Russland) - Williams +58,241;
16. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber +1:02,604 Min.;
17. Romain Grosjean (Frankreich) - Haas +1:05,296;
18. Pierre Gasly (Frankreich) - Toro Rosso +1:06,330;
19. Charles Leclerc (Monaco) - Sauber +1:22,575

Ausfälle: Brendon Hartley (Neuseeland) - Toro Rosso (52. Rd.)
Pole Position: Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 1:31,095 Min.

Fahrer-Wertung, Stand nach 3 von 21 Wettbewerben:

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) - Ferrari 54 Pkt.;
2. Lewis Hamilton (Großbritannien) - Mercedes 45;
3. Valtteri Bottas (Finnland) - Mercedes 40;
4. Daniel Ricciardo (Australien) - Red Bull 37;
5. Kimi Räikkönen (Finnland) - Ferrari 30;
6. Fernando Alonso (Spanien) - McLaren 22;
7. Nico Hülkenberg (Emmerich) - Renault 22;
8. Max Verstappen (Niederlande) - Red Bull 18;
9. Pierre Gasly (Frankreich) - Toro Rosso 12;
10. Kevin Magnussen (Dänemark) - Haas 11;
11. Stoffel Vandoorne (Belgien) - McLaren 6;
12. Carlos Sainz Jr. (Spanien) - Renault 3;
13. Marcus Ericsson (Schweden) - Sauber 2;
14. Esteban Ocon (Frankreich) - Force India 1

Quelle: FAZ.NET
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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