Hamilton und Verstappen

Lauter Giftpfeile am Hungaroring

Von Christoph Becker
30.07.2021
, 18:00
Zwischen Lewis Hamilton (links) und Max Verstappen herrscht Eiszeit.
Seit dem Crash in Silverstone geht es bei Max Verstappen und Lewis Hamilton viel um den gegenseitigen Respekt. Und um die Frage: Bei wem ist der noch vorhanden?
ANZEIGE

Am Donnerstagnachmittag in Budapest hat Max Verstappen den Großen Preis von Großbritannien zum zweiten Mal verloren. Waren der Führende der Formel-1-Weltmeisterschaft und sein Red-Bull-Team vor zwei Wochen in Silverstone noch unschuldige Opfer eines Fouls durch Lewis Hamilton, muss sich der Niederländer nun fragen, wie viel sein Team zur zweiten Niederlage – vor den Sportkommissaren – beigetragen hat.

ANZEIGE

Red Bull hatte angekündigt, vor dem Rennen auf dem Hungaroring, zu dem Verstappen mit acht Punkten Vorsprung auf Hamilton anreist, neue Beweise vorlegen zu können. Sie sollten darlegen, dass Hamilton wegen dessen Schuld an der Kollision in der ersten Runde des Rennens in Silverstone in der Copse-Kurve im Rennen zu milde bestraft worden sei. Hamilton hatte eine Zehn-Sekunden-Strafe bekommen und war anschließend zum Heimsieg gerast, der das Rennen um die Weltmeisterschaft wieder spannend gemacht hatte. Red Bull hatte den erlittenen Schaden auf 1,5 Millionen Euro berechnet. Doch die Prozessführung der Kläger überzeugte nicht, was Red Bull an Beweisen vorgebracht hatte, sei „weder wesentlich noch signifikant neu“. Keine Chance auf Wiederaufnahme des Verfahrens also, Klage abgewiesen.

Anklage des Weltmeisterteams

Dass sich Verstappen weiterhin mit dem für ihn höchst unglücklich verlaufenen Rennen in Silverstone beschäftigt, zeigte die Pressekonferenz vor dem Rennen in Ungarn am Sonntag (15 Uhr/Sky). Sie geriet zu seiner persönlichen Anklage des Weltmeisterteams Mercedes. „Die Reaktion des Teams, so feierst du keinen Sieg. Besonders keinen, den du so geholt hast. Das fand ich respektlos, und es zeigt, wer sie wirklich sind. Ich würde nicht so gesehen werden wollen.“

Es sei respektlos, sagte Verstappen, „wenn einer im Krankenhaus ist und der andere schwenkt die Flagge, als wäre nichts passiert, nachdem er einen mit 51 g (Fliehkräfte, Anm. d. Red.) in die Wand gedrückt hat.“ Rückblende in die Midlands am vorvergangenen Sonntag: Während Hamilton die Gelegenheit vor vollen Tribünen ausgelassen beging, musste sich Verstappen in einem Krankenhaus in Coventry durchchecken lassen. Hamiltons Jubel jagte den Blutdruck des Niederländers so nachdrücklich nach oben, dass er auch in Mogyorod noch Dampf ablassen musste.

ANZEIGE

„Der Wille bleibt gleich“

Weltmeister Hamilton hatte den Niederländer in der Zwischenzeit telefonisch erreicht, offenbar ohne, dass die beiden eine gütliche Einigung im persönlichen Verhältnis erzielen konnten. Er habe Verstappen wissen lassen wollen, dass seinerseits der Respekt noch vorhanden sei. Tatsächlich hatte der Brite einen weiteren Pfeil zur Verwendung im psychologischen Duell allerdings noch nicht einmal sonderlich sorgfältig versteckt. Denn das mit dem Respekt, das beruhe „vielleicht nicht auf Gegenseitigkeit, aber das ist okay“.

Hamilton wird wieder jubeln, auch ohne Fans und außerhalb der Heimat, sollte das Rennergebnis ihm dazu Anlass geben, so viel steht fest. Bei der Party in England habe er lediglich „seine natürlichen Emotionen“ rausgelassen. Er versucht, Verstappen ins Duell zu ziehen, von dem er sagt, dass er es vermeiden wolle. „Der Wille bleibt gleich. Wir sind als Team hier, um das Rennen zu gewinnen. Hoffentlich nicht im Kampf, sondern indem ich einfach davonfahre.“

Zumindest bis zum Rennstart sind Mercedes und Hamilton nun, trotz des eigenen Verschuldens am Unfall in England, in einer komfortablen Situation. Ihre Gegner haben viel Zeit, Aufwand und Emotion in ein Geschehen gesteckt, das sich offenkundig nicht mehr ändern lässt. Und das vor dem Grand Prix auf einem Kurs, auf dem Red Bull seit 2014 nicht mehr gewonnen hat. In den vergangenen beiden Jahren hatte Hamilton jeweils vor Verstappen gesiegt, die bislang letzten beiden von insgesamt acht Siegen Hamiltons auf dem Hungaroring. Nur in Bahrein ist der Brite noch öfter erfolgreich gewesen.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Christoph
Christoph Becker
Sportredakteur.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE