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Horror-Unfall von 17-Jähriger

„Sophia hatte keine Zeit zu reagieren“

 - 11:45
Glück im Unglück: Sophia Flörsch (links) kracht mit enormem Tempo in die Begrenzung in Macao.

Der schwere Unfall der deutschen Nachwuchs-Pilotin Sophia Flörsch beim Weltfinale der Formel 3 in Macao wird vom Internationalen Automobilverband untersucht. Das bestätigte ein Mitarbeiter der FIA der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag in Macao. Dabei wird es auch um eine Aussage des chinesischen Teamkollegen von Mick Schumacher gehen. Guan Yu Zhou fuhr vor dem Unfall hinter der 17 Jahre alten Münchnerin und behauptet, gelbe Warnlampen auf der Geraden gesehen zu haben.

„Ich denke, das war ein Organisationsfehler. Sophia war sehr nahe an Jehan Daruvala dran, und als der früh bremste, hatte sie keine Zeit zu reagieren“, sagte Zhou und schilderte den Unfallhergang weiter aus seiner Sicht: „Sie hat mit ihrem Auto den rechten Hinterreifen von Jehans Auto getroffen, und wurde in die Luft geschleudert – bis in den Fangzaun der Lisboa-Kurve.“ Laut offizieller Zeitnahme war Flörsch nur wenige Meter vor der Anbremszone der Kurve mit 276,2 km/h Topspeed gemessen worden. „Wir müssen uns bei den Engeln bedanken, die sie heute bei sich hatte, und auch für die fantastische Kraft ihres Dallara-Rennwagens“, sagte Flörschs Teamchef Frits van Amersfoort.

Den Zuschauern stockte der Atem, in der Boxengasse herrschte blankes Entsetzen, nachdem Sophia Flörsch auf dem engen und gefährlichen Stadtkurs von Macao schwer verunglückte. Die Bilder ihres Rennwagens, der abhob und ungebremst durch die Fangzäune in mehreren Metern Höhe gegen Schutzplanken krachte, ließen das Schlimmste vermuten. Nur wenige Stunde nach dem schweren Crash meldete sich die Münchnerin aber per Twitter aus dem Krankenhaus: „Ich wollte alle wissen lassen, dass ich okay bin.“ Dabei kündigte sie auch an, an diesem Montag operiert zu werden. Wie durch ein Wunder, war Flörsch schon nach dem Horror-Crash beim Weltfinale der Formel 3 auch bei Bewusstsein und ansprechbar.

Flörsch brach der siebte Halswirbel. Dies teilte ihr Vater Alexander Flörsch der Deutschen Presse-Agentur nach Rücksprache mit dem Chefarzt des Krankenhauses Conde S. Januário Hospital in Macao mit. Die Münchnerin wurde am Montag seit 9.30 Uhr Ortszeit operiert. Der Eingriff dauere deshalb so lange, weil die Ärzte wegen der Nervenbahnen vorsichtig vorgehen müssten. Das Rückenmark seiner Tochter sei aber nicht beschädigt, sagte ihr Vater, der im Krankenhaus war. Zudem habe es vor dem Eingriff zu keinem Zeitpunkt Lähmungserscheinungen gegeben. Insgesamt wurden vier weitere Personen in den Unfall verwickelt, der zu einer rund einstündigen Unterbrechung des Rennens geführt hatte. Der japanische Nachwuchspilot Sho Tsuboi klagte über Schmerzen im Lendenwirbelbereich, ein Fotograf erlitt Verletzungen an der Leber, ein anderer sowie ein Streckenposten Gesichts- und Kopf-Traumata. Der Marshall zog sich zudem einen Oberkieferbruch zu.

„An Sophia und die anderen Unfallbeteiligten – wir denken an euch und hoffen weiterhin das Beste“, twitterte Formel-3-Europameister Mick Schumacher. Der 19 Jahre alte Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher konnte nach Startrang sechs einen Platz aufholen im Wagen des italienischen Prema Powerteams. Den Sieg sicherte sich der ebenfalls 19 Jahre alte Daniel Ticktum. Der Brite hatte sich in der EM-Wertung Schumacher geschlagen geben müssen.

Das sportliche Geschehen geriet angesichts des schrecklichen Unfalls von Flörsch aber zur Nebensache. Die Münchnerin, die am 1. Dezember 18 Jahre alt wird, war erst im Verlauf dieses Jahres in die Formel 3 aufgestiegen, als sie für das niederländische Van Amersfoort Team in Zandvoort an den Start ging. Sie hatte sich zuvor mit starken Leistungen in der Formel 4 empfohlen und es dort als erste Frau zweimal aufs Podest geschafft. Als erste Frau aus Deutschland trat sie beim Grand Prix in Macao an. Im Zeittraining hatte es Flörsch auf Platz 20 unter 28 Teilnehmern aus 14 Nationen geschafft. In der Qualifikation war sie 19. geworden. Bei ihrem Unfall in der vierten Runde lag Flörsch auf Position 15.

Zunächst blieb die Unfallursache unklar. Einzelheiten soll nun die FIA-Untersuchung klären. Flörsch verlor offensichtlich auf der Geraden vor der Lisboa-Kurve die Kontrolle über ihren Wagen. Sie hob mit ihrem Auto ab und flog mit dem Heck zuerst durch und über die Fangzäune, ehe sie mit der Cockpitseite in die Begrenzungsbefestigungen, hinter denen Fotografen die Möglichkeit haben, Bilder zu machen, in mehreren Metern Höhe einschlug. Der Wagen stürzte daraufhin zurück auf den Boden. Der deutsche Formel-1-Rennstall Mercedes schickte per Twitter den Wunsch nach viel Kraft an Flörsch und die weiteren Verletzten. Flörsch bedankte sich wiederum auch bei den Silberpfeilen für die Unterstützung.

Kritik an dem gefährlich engen Kurs gab es vonseiten der Fahrer vor dem Rennen praktisch nicht. Angesprochen darauf, wie sehr er den Kurs möge, sagte Sieger Ticktum am Sonntag: „Das ist rhetorisch, ich habe mich das erste Mal verliebt, als ich hier war.“ Für die meisten Piloten, darunter auch Mick Schumacher, gehört der gefährliche Stadtkurs zu den Lieblingsrennstrecken. Kritisiert wird dort aber der Motorrad Grand Prix. Erst im vergangenen Jahr war ein Pilot dort tödlich verunglückt.

Quelle: tora./dpa
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