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Saisonfinale in Abu Dhabi

Die Formel 1 rüstet sich zur letzten Attacke

Von Anno Hecker, Abu Dhabi
Aktualisiert am 30.11.2019
 - 11:48
Wer ist die Nummer eins? Zwischen Vettel (vorne) und Leclerc ist die Lage ungeklärt.zur Bildergalerie
Alles entschieden in der Formel 1? Von wegen. Obwohl die Titel längst von Hamilton und Mercedes gewonnen sind, steht die Abrechnung in vielen Fällen noch aus. Die Spannung vor der letzten Chance ist groß.

Einmal auf Händen getragen. Pierre Gasly strahlte, als er nach dem erhebenden Gefühl gefragt wurde. Zweiter im Formel-1-Rennen von Brasilien vor zwei Wochen, endlich mal auf das Podium gesaust, den Champagner nicht nur gerochen, sondern aufgesogen – zumindest mit dem Overall. Schon ließen die Mechaniker den im Sommer vom Mutterteam Red Bull zum Tochterrennstall Toro Rosso degradierten Franzosen für einen Moment schweben. „Wäre schön“, sagte er am Donnerstag, „wenn sich das wiederholen ließe.“

Am liebsten an diesem Sonntagnachmittag zum Ende des Großen Preises von Abu Dhabi (14.10 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky). Der Rennzirkus rüstet zum Finale der Saison. Obwohl die Titel längst von Lewis Hamilton und Mercedes gewonnen sind, steht die Abrechnung in vielen Fällen noch aus. Schatzmeister einiger Teams denken an das viele noch zu gewinnende Preisgeld. Die Chefmanager an die Wirkung eines Triumphes, die dreieinhalb Monate bis zum Start der nächsten Saison den ganzen Tross motivieren kann. Und die Piloten an ihre Zukunft oder wenigstens an das Prestige, sich in Abu Dhabi mit einer großen Runde von 2019 zu verabschieden. Es ist ihre letzte Chance.

Die Triebkraft für die Spannung des 21. und letzten Grand Prix des Jahres baut sich von hinten auf. Im Mittelfeld der Formel 1 würden Teamchefs Luftsprünge machen, wenn sich mit der Zieldurchfahrt die Hackordnung in der Konstrukteurswertung noch einmal änderte. Pro Platzgewinn winken fünf bis sechs Millionen Dollar aus der Gesamtvermarktung. Und so blasen sie zur Jagd. Haas (28 Punkte) hat zwar kaum Aussichten, Alfa (57) einzuholen, aber die Schweizer liegen mit ihrem coolen Steuerkünstler Kimi Räikkönen nur zehn Punkte hinter Racing Point (67), das jüngst von Toro Rosso (83) überholt wurde. Mit dem nächsten Coup verdrängte Gaslys Rennstall sogar das Werksteam Renault (91) und hätte dann mit zwei Grand Prix gut zehn bis zwölf Millionen Dollar mehr in der Kasse für 2020, als noch vor zwei Wochen gedacht. Renaults Teamchef Cyril Abiteboul ahnt, was auf ihn zukommt: „Das wird ein harter Kampf.“

In Abu Dhabi lässt sich auf den letzten Drücker der Schub für eine erfolgreichere Zukunft auslösen. Wenn da nicht die Statistik wäre. Etwa 75 Prozent aller vergebenen Punkte gewannen bislang die Topteams Mercedes, Ferrari und Red Bull. Alle anderen kommen nur zu fetter Beute, falls die Spitzenteams die Kurve nicht kriegen, wegen technischer Defekte ausfallen, krasse Strategiefehler begehen – oder ihre Piloten sich gegeneinander von der Piste fegen. Ohne die Selbstverschrottung Ferraris in São Paulo, ohne Mercedes‘ Denk- und Hamiltons Fahrfehler beim Abschuss des unglücklichen Alex Albon (Red Bull) hätten die Hinterbänkler wieder Selters geschlürft.

Warum sollte sich die Selbstzerstörung in Abu Dhabi wiederholen? „Wir werden versuchen, das zu verhindern.“ Das war die erste Aussage von Charles Leclerc im Fahrerlager zum Ergebnis der Aussprachen bei Ferrari als Folge des Unfalls zwischen ihm und Vettel in Brasilien. Der Monegasse ließ später den „Versuch“ beiseite und legte sich sinngemäß fest: Kommt nicht wieder vor! Ob es Regeln gibt für die Durchsetzung des Berührungsverbotes, ließ Teamchef Binotto trotz bohrender Nachfragen am Freitag offen. Vermutlich wird es beim Auftritt im Emirat keine geben müssen, die zerknirschten Fahrer auf Abstand zu halten: „Sie wissen“, fügte Binotto schmallippig hinzu, „was sie zu tun haben.“

Auch Max Verstappen wollte auf Anhieb keine Brisanz im Finale erkennen. Er könnte Dritter in der Fahrerwertung werden. Nur das nicht, jedenfalls nicht als Karrierehöhepunkt. Sein Mienenspiel sprach Bände. Soll es noch einer wagen, ihm, dem erstbesten WM-Kandidaten ohne Weltklasseboliden, Rang drei als Glücksgefühl anzutragen. Aber Leclerc sitzt ihm im Nacken, auch mit Blick auf das ganz große Rennen. Im Verlauf der Saison stieg der Ferrari-Debütant zum Rivalen in der Generation Zukunft auf. Verstappen im letzten Moment zu schlagen scheint ihm wichtig: „Elf Punkte sind viel. Ich werde es trotzdem versuchen. Ich will meine erste Saison mit Ferrari auf dem Podest abschließen.“

Das wäre ein weiteres Argument aus der Sicht von Leclerc, im Team als Erster unter Gleichen gewürdigt zu werden, als eine Art Unantastbarer Angriffe des Teamkollegen samt Vollkontaktbegegnungen von vornherein auszuschließen. Quasi mit Segen der Teamführung. Vettel wird sich wehren und versuchen, am ersten Advent aus der Dämmerung (vor der arabischen Nacht) ins Licht zu rasen. Der viermalige Weltmeister verkürzte allerdings seine Vorbereitung. Die Geburt des dritten Kindes, ein Söhnchen, hielt ihn bis Donnerstag in Europa.

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Valtteri Bottas glaubt, andere Prioritäten setzen zu müssen. Er habe sich, teilte der Finne mit, leider von seiner Frau getrennt; in Freundschaft, auch wegen der Herausforderungen, die seine Karriere im besten Auto mit sich brächten: Nämlich Hamilton endlich im Titelkampf zu schlagen, im vierten Anlauf 2020. Am Sonntag will es Bottas wieder versuchen, es wird schwierig: Der Finne startet von ganz hinten, wegen eines Antriebswechsels. Vier Siege gelangen ihm bislang 2019, Hamilton machten zehn zum Weltmeister, zum sechsten Mal. Dass er der Beste ist, weiß die Welt. Aber sie sollte es am Freitag noch mal genau sehen. Zu Beginn des Trainings kreiste Hamilton nicht mit der Startnummer 44 auf der Nase des Silberpfeils, sondern mit einer Eins als Zeichen seines Rangs. Da hatte Verstappen längst ausgesprochen, worum es auch in Abu Dhabi auf Biegen und Brechen geht: „Wir sind zum Siegen hier.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hecker, Anno
Anno Hecker
Verantwortlicher Redakteur für Sport.
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