FAZ plus ArtikelDeutsche Fußballfrauen

Mit Mut und Marozsan

Von Daniel Meuren, Grenoble
23.06.2019
, 15:26
Wie einst E.T.: Alexandra Popp (2. von links) telefoniert nach Hause
Die DFB-Frauen stehen im WM-Viertelfinale und haben noch immer kein Gegentor kassiert. Für die kommende Runde hofft die Bundestrainerin auf die spielerische Kreativität ihres genesenden Stars.

Wie es sich für eine Torjägerin gehört, hat sich Alexandra Popp vor der Fußball-WM der Frauen eine Jubel-Choreographie ausgedacht. So hielt sie auch nach ihrem Führungstreffer beim 3:0-Sieg der deutschen Fußballfrauen im Achtelfinale der Fußball-WM gegen Nigeria (20. Minute) im französischen Grenoble ihre linke Hand wie einen mittlerweile antiquierten Telefonhörer ans Ohr und zeigte mit dem Finger der rechten Hand zum Himmel über dem Stade des Alpes. „Das ist für meine Familie und meine Freunde, die die WM zu Hause verfolgen. So ein bisschen wie E.T. nach Hause telefonieren“, erklärte die 28 Jahre alte Stürmerin den Jubel nach dem souveränen Sieg, zu dem Sara Däbritz per Elfmeter (27.) und Lea Schüller mit ihrem ersten WM-Tor (83.) die weiteren Treffer beisteuerten.

Der kleine Außerirdische, von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg 1982 geschaffen und offenbar noch für die Generation der erst in den neunziger Jahren geborenen Spielerinnen eine prägende, zu sentimentalen Gefühlen verleitende Figur, hatte damals ähnliche Probleme beim Aufbau einer Funkverbindung zu seinen drei Millionen Lichtjahre entfernten Verwandten wie Popp vor ihren zwei Toren in den beiden jüngsten WM-Begegnungen beim Versuch der Integration ins Spiel ihres Teams. Die Mittelstürmerin kam gegen China und Spanien nicht nur kaum zum Abschluss, sie hatte zudem viel zu wenige Ballkontakte. So konnte sie ihre Fähigkeiten nicht ausspielen, den Ball dank ihrer Robustheit im Zweikampf in vorderster Reihe zu halten und dann an nachrückende Mitspielerinnen verteilen zu können. Popp wirkte rat- und orientierungslos. Dem deutschen Team fehlte eine gerade nach dem Ausfall von Spielmacherin Dzsenifer Marozsan umso wichtigere Anspielstation.

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Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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