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Start der Frauenfußball-WM

Bei den Deutschen stimmt nur das Ergebnis

Von Daniel Meuren, Rennes
 - 13:21
Giulia Gwinn (Zweite von rechts) erzielte das goldene Tor.zur Bildergalerie

Martina Voss-Tecklenburg faltete die Hände vor ihrem Gesicht, blickte zum Himmel über Rennes und dankte dem „Fußballgott„. Die Bundestrainerin der deutschen Fußballfrauen wusste, dass ihrem Team soeben ein glücklicher 1:0-Arbeitssieg über China durch ein Tor von Giulia Gwinn (66. Minute) zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Frankreich gelungen war. „Ich war einfach erleichtert, dass wir das im Teamwork noch hinbekommen haben“, sagte die 51 Jahre alte Martina Voss-Tecklenburg nach dem Erfolg in ihrem ersten WM-Spiel als Bundestrainerin.

Frauenfussball-WM 2019

Tatsächlich stimmte am Ende nur das Ergebnis. Zahlreiche Unsicherheiten in der Defensive bereiten Sorgen für den weiteren Turnierverlauf. „Aber wir haben Widerstände positiv überwunden, nun müssen wir die nächsten Widerstände so überwinden, am besten auch direkt im nächsten Spiel.“ Dann ist Spanien, das am Samstag zum Start 3:1 gegen Südafrika gewann, am kommenden Mittwoch (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, im ZDF und bei DAZN) in Valenciennes ein vermutlich noch etwas stärkerer Gegner.

Die Bundestrainerin ließ ihr Team vor gut 15.000 Zuschauern anfangs überraschend mit einer in die hintere Abwehrreihe zurückgezogenen Aufbauspielerin Melanie Leupolz agieren. Der chinesische Trainer Xiuang Jia verzichtete derweil auf seinen einzigen, im Ausland spielenden Star: Wang Shuang, im Ligaalltag im WM-Gastgeberland Frankreich für Paris Saint-Germain am Ball und vor einer Woche bei der 1:2-Niederlage im letzten Testspiel gegen die Französinnen noch als einzige Torschützin für China erfolgreich, musste zunächst von der Bank aus zuschauen.

Damit war die Richtung vorgegeben: China, gegen das Deutschland zuletzt während der Olympischen Spiele 2016 gleichfalls mit 1:0 gewonnen hatte, lauerte aus einer tief und kompakt agierenden Verteidigung heraus auf Konter. Wie von Martina Voss-Tecklenburg angekündigt, agierten die Asiatinnen dabei sehr diszipliniert. Zudem brachten die Chinesinnen Härte ins Spiel: Bereits nach zwölf Minuten sah Angreiferin Wang Shanshan Gelb nach einem Foul an Marozsan. „Das war teilweise grenzwertig“, sagte die Bundestrainerin später. „Kaum eine meiner Spielerinnen ist ohne Blessuren davongekommen.“

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„Die deutsche Leistung bereitet Sorgen“

Die Deutschen erspielten sich dennoch bereits in den ersten Minuten gute Torchancen. Eine Flanke von Alexandra Popp konnte die chinesische Torhüterin Peng Shimeng gerade so vor der einschussbereiten Svenja Huth wegfausten. Kurze Zeit später rauschte der Ball nach einem Distanzschuss von Sara Däbritz denkbar knapp am rechten Pfosten vorbei. Das befreiende Tor wollte aber nicht fallen. „Wir haben uns nicht belohnt für die gute Anfangsphase“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Sonst wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen. Aber wir müssen das auch so besser regeln.“

Für einen ersten Schreckmoment sorgte nach 13 Minuten Sara Doorsoun, als sie mit einem fatalen Fehlpass im Spielaufbau die erste chinesische Torchance ermöglichte: Die schnelle, aber am Ball unsichere Innenverteidigerin rettete ihr Team, nachdem sie in den eigenen Torraum zurückgeeilt war, immerhin selbst, als sie den Schuss der chinesischen Mittelstürmerin Li Yang zur Ecke abwehrte. Carolin Simon hatte anschließend Pech, weil der Ball nach einem überlegten Schlenzer am Tordreieck landete statt im Netz.

Das anfangs flüssige, immer wieder von Melanie Leupolz und Dzsenifer Marozsan eingeleitete Kurzpassspiel geriet immer mehr ins Stocken. Gerade Dzsenifer Marozsan, die nach ihren Weltklasseleistungen bei Olympique Lyon als klare Anführerin des Teams gilt, tauchte mehr und mehr ab. Kurz vor dem Pausenpfiff leistete sich Sara Doorsoun zudem einen weiteren Fehlpass: Nach einem Pfostenschuss von Li Yang musste Almuth Schult Kopf und Kragen riskieren, um im Nachschuss den Rückstand zu verhindern. „Zweimal denselben Fehler zu machen, das geht gar nicht“, sagte Sara Doorsoun selbstkritisch. „Ich muss das schnellstmöglich abstellen.“

Die deutsche Auswahl konnte froh sein, mit einem torlosen Unentschieden in die Halbzeit zu gehen. Sara Doorsoun blieb zu ihrer eigenen Überraschung sogar auf dem Feld, weil Martina Voss-Tecklenburg nicht zu viele Wechseloptionen verbrauchen wollte. In Halbzeit zwei unterliefen ihr keine vergleichbar gravierenden Fehler mehr.

Zur Pause wurde von den Deutschen trotz der bis dahin durchwachsenen Leistung eine Rekordmarke unterboten: Die 17 Jahre, fünf Monate und 20 Tage alte Lena Oberdorf kam für Carolin Simon ins Spiel, um mit ihrer ausgeprägten physischen Präsenz mehr Stabilität ins deutsche Mittelfeld zu bringen und wurde somit zur jüngsten deutschen WM-Spielerin der Fußballgeschichte. Bislang hielt Rekordnationalspielerin Birgit Prinz die Bestmarke, sie war bei ihrem WM-Debüt im Jahr 1995 knapp zwei Monate älter war. „Echt?“, sagte Lena Oberdorf. „Das wusste ich nicht. Da werde ich Brigit drauf ansprechen müssen.“ Birgit Prinz wirkt während der WM als Psychologin an der WM-Mission mit.

Lena Oberdorf könnte nach ihrem starken Auftritt schon im nächsten Spiel zur Startelf zählen. Die deutsche Elf tat sich auch derart verjüngt weiter schwer. Und so musste ein Standard die erlösende Führung bringen: Nach einem abgewehrten Eckball von Dzsenifer Marozsan nahm sich Giulia Gwinn aus 17 Metern ein Herz und schoss den Ball ein. „So würde ich den Ball vermutlich nicht noch einmal treffen“, sagte die erst 19 Jahre alte Giulia Gwinn zu ihrem Volltreffer in ihrem ersten WM-Spiel. Kurzzeitig kam im ansonsten eher stimmungsarmen Roazhon Park des französischen Pokalsiegers Stade Rennes WM-Atmosphäre auf.

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Auch danach wurden die Deutschen aber nicht souveräner: Große Torgefahr entwickelten die Chinesinnen aber auch nicht mehr. Mit dem Sieg hat Deutschland bereits eine gute Grundlage fürs Weiterkommen gelegt: In den sechs Vierergruppen kommen schließlich auch die vier besten Gruppendritten weiter, um ein Achtelfinale mit 16 Teams zu ermöglichen. Dafür könnten drei Punkte nach den Erfahrungen früherer Turniere schon reichen. Besser für das gegen China noch so wacklige Selbstvertrauen des deutschen Teams wären freilich stärkere und erfolgreiche Auftritte gegen Spanien und Südafrika. Dann sollte vor allem die Abwehrreihe dafür sorgen, dass Martina Voss-Tecklenburg nicht mehr allzu viele weitere Stoßgebete zum Himmel schicken muss.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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