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Fußball-WM der Frauen

Endstation Viertelfinale für Deutschland

Von Daniel Meuren, Rennes
 - 20:24
Die deutsche Fußballfrauen um Alexandra Popp scheiden bei der WM im Viertelfinale aus.

Martina Voss-Tecklenburg versuchte es ein letztes Mal. Eine Trinkpause eine Viertelstunde vor Schluss bot noch einmal die Gelegenheit, an ihr Team zu appellieren. Die Bundestrainerin gab eine neue Marschrichtung aus, alle körperlich robusten und torgefährlichen Spielerinnen beorderte sie ins Sturmzentrum, wo plötzlich auch die 17 Jahre junge Lena Oberdorf auftauchte. Es war ein Akt der Verzweiflung, der nichts mehr brachte. Die Deutschen sind bei der Fußball-WM der Frauen nach einer 1:2-Niederlage gegen Schweden im Viertelfinale ausgeschieden.

Frauenfussball-WM 2019

Schweden spielt nun am Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM) in Lyon im zweiten WM-Halbfinale gegen Europameister Niederlande, der zuvor Italien 2:0 besiegt hatte. Beide Teams sind damit zugleich für das olympische Fußballturnier im kommenden Sommer in Japan qualifiziert, bei dem Großbritannien dank des englischen Halbfinaleinzugs gegen Norwegen den dritten europäischen Platz einnehmen wird. Die Engländerinnen treffen am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM) im ersten Halbfinale auf die Vereinigten Staaten. Titelverteidiger Deutschland verpasst das Olympia-Turnier hingegen erst zum zweiten Mal nach 2012. Und es ist eine große Chance vergeben, mit einem klangvollen Duell mit den Niederlanden ein abermals größeres Millionenpublikum an den Fernsehschirmen zu erreichen.

„Wir sind in einem Prozess, aber es ist noch nicht so gefestigt. Wir müssen es besser verteidigen. Nach dem Rückstand mussten wir viel investieren, Schweden kann gut verteidigen“, sagte die Bundestrainerin. „Uns hat auch etwas Spielglück gefehlt, das tut weh. Wir hatten nach vorne nicht ganz die Durchschlagskraft. In einigen Phasen haben uns die Konsequenz und der Mut gefehlt. Wir werden daran wachsen.“ Auch Torhüterin Almuth Schult war enttäuscht: „Wir hatten uns etwas anderes vorgenommen und haben gut angefangen. Das Spiel ist nach dem Ausgleich gekippt. Man lernt aus jeder Niederlage. Aber das ist nicht zu entschuldigen. Das ist einfach bitter.“ (Alle Stimmen zum Spiel)

Voss-Tecklenburg verzichtete vor 25.000 Zuschauern im Roazhon Park in Rennes in der Startaufstellung letztlich doch auf Dzsenifer Marozsan. Die Spielmacherin war nach ihrem Zehenbruch, den sie an gleicher Stelle exakt drei Wochen zuvor im WM-Auftaktspiel gegen China erlitten hatte, grundsätzlich wieder einsatzfähig. Für sie stand überraschend Linda Dallmann in der Startelf, die im Turnierverlauf zuvor lediglich eine halbe Stunde gegen Südafrika zum Einsatz gekommen war. Spielführerin Alexandra Popp rückte derweil aus dem Sturmzentrum ins zentrale defensive Mittelfeld, wo sie ihre körperliche Robustheit einbringen sollte.

Den Deutschen kam in der Vorbereitung nahezu jedes Detail entgegen. Für Schweden war Deutschland das Schreckgespenst, weil die Auswahl der Skandinavierinnen seit 1995 in elf Duellen bei großen Turnieren keinen Sieg mehr errungen und dabei unter anderem vier Endspiele verloren hatte. Die deutsche Elf hatte zudem zwischen Achtel- und Viertelfinale zwei Tage länger Zeit für Regeneration. Das führte in der Teamleitung zu großer Zuversicht. Zu guter Letzt wurde den Deutschen auch noch jene Platzhälfte zum Aufwärmen zugeteilt, die im Schatten des Stadions lag – bei einer Hitze von 38 Grad Celsius in Rennes kein zu vernachlässigender Vorteil.

Zu Beginn des Spiels sah es auch so aus, als ob die Elf von Voss-Tecklenburg diese Vorteile ausspielen könnte: Sie begann, angeführt von der äußerst aktiven Spielführerin Popp, mit schnellen Ballstafetten, ließ die Schwedinnen mehr laufen, als ihnen lieb war. Die erste Torchance hatten dennoch die Schwedinnen, die auf Kontergelegenheiten lauerten: Spielführerin Carolin Seger schickte Sofia Jakobsson mit einem perfekten Pass in Richtung deutsches Tor, doch Schult rettete per Fußabwehr (12. Minute). Vier Minuten später fiel der Führungstreffer für Deutschland: Sara Däbritz marschierte entschlossen durchs Mittelfeld, Lina Magull schlich sich in die durch einen Tiefenlauf von Lea Schüller aufgerissene schwedische Defensive und schoss den Ball nach Däbritz-Zuspiel und etwas unkonventioneller Ballannahme aus 13 Metern volley ein.

Anschließend kam Schüller zu einer Kopfballchance, ehe die Deutschen die gerade bei der bretonischen Hitze so wertvolle Führung herschenkten: Nach einem Befreiungsschlag der Schwedin Carolin Sembrant war Marina Hegering so unachtsam, dass sie den langen Flugball unterschätzte und dadurch Jakobsson die Gelegenheit gab, alleine auf Torhüterin Schult zuzulaufen. Die 29 Jahre alte Stürmerin ließ der Schlussfrau vom VfL Wolfsburg keine Chance. (22.) Beide Teams litten sichtlich unter der Hitze, die Qualen wurden nur kurzzeitig gemindert durch eine von der Fifa angeordnete Trinkpause nach einer guten halben Stunde. Die Flüssigkeitszufuhr schien die Schwedinnen kurzzeitig zu beflügeln, Schult musste gegen Fridolina Rolfö retten.

In der Pause bereitete sich dann Marozsan gemeinsam mit Assistenztrainer Patrik Grolimund auf ihren Einsatz vor. Die 27 Jahre alte Weltklassefußballerin von Olympique Lyon kam für Dallmann aufs Feld, die nur ansatzweise die erhofften Akzente setzen konnte. Die zweite Hälfte begann aber denkbar ungünstig: Einen Kopfball von Rolfö konnte Almuth Schult nur abklatschen, Stina Blackstenius drosch den Ball aus drei Metern ins Netz (48.).

Die deutsche Elf wirkte angeschlagen durch den Rückstand. Die Schwedinnen blieben ihrem kraftsparenden Stil mit langen Bällen und dem Vermeiden jedes Risikos treu. Es war offenbar das bessere Rezept, mit dem die Deutschen weder bei ihren Pressingversuchen, noch in ihrer verunsicherten Abwehrkette zurechtkamen.

Das deutsche Team, das sich seiner herausragenden Fitness so sicher war, hatte kaum noch etwas zuzusetzen. Das Vertrauen in Marozsan war bei den Mitspielerinnen offensichtlich nicht so ausgeprägt wie vor ihrer Verletzung. Sie wurde nur selten eingebunden und kam fast ausschließlich bei Standards zur Geltung. Auch ihre Kolleginnen blieben ohne Wirkung, da die kopfballstarke schwedische Abwehr zu aufmerksam war, als dass sich eine echte Torgelegenheit hätte bieten können.

Als letzte Maßnahme beorderte Voss-Tecklenburg schließlich für die letzten 20 Minuten Popp nach vorne. Zunächst aber hätte Blackstenius bei einem Konter sogar frühzeitig für die Entscheidung sorgen können. Hegering aber rettete in größter Not. (71.). Schult zeichnete sich wenige Minuten später gegen Jakobsson aus (78.). In der Schlussoffensive bäumten sich die verzweifelten Deutschen noch einmal auf. Lena Oberdorf setzte aber kurz vor Schluss einen Kopfball knapp neben das Tor, und die schwedische Schlussfrau Hedvig Lindahl parierte einen Schuss von Sara Däbritz sicher. Ein letzter Kopfball von Marina Hegering verpasste schließlich ebenfalls das Ziel. Und dann jubelten die Schwedinnen über das Ende einer aus ihrer Sicht so schrecklichen 24 Jahre andauernden Negativserie.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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