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WM-Achtelfinale der DFB-Frauen

Deutschland gewinnt im Videospiel

Von Daniel Meuren, Grenoble
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Die Verbindung wird gehalten: Für Torschützin Alexandra Popp (Zweite von rechts) und das deutsche Team geht es im Viertelfinale weiter.

Es wurde auch Fußball gespielt im Achtelfinale der Fußball-WM der Frauen zwischen Deutschland und Nigeria in Grenoble. Und dabei gewann das deutsche Team 3:0, verdient nach der besten Leistung im bisherigen Verlauf des Turniers in Frankreich, dank Toren von Alexandra Popp (20. Minute), Sara Däbritz (27.) und Lea Schüller (83.). Im Viertelfinale trifft Deutschland nun am kommenden Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) in Rennes auf den Sieger der Begegnung zwischen Schweden und Kanada.

Frauenfussball-WM 2019

Den 18.000 Zuschauern im vor Alpengipfeln liegenden Stade des Alpes wird aber vermutlich vor allem eine Häufung von fünf Videoassistenten-Eingriffen in der ersten Halbzeit in Erinnerung bleiben, die einer an sich ansehnlichen Begegnung immer wieder den Spielfluss raubten und Unterbrechungen erzwangen, die die Zuschauer im Stadion immer aufs Neue im Ungewissen ließen. „Das ist schon blöd, wenn immer wieder fünf Minuten nichts passiert auf dem Platz“, sagte Stürmerin Lea Schüller.

Die deutsche Elf durfte sich freilich nicht beschweren nach dem Sieg im Videospiel: In den entscheidenden Situationen entschieden die Unparteiischen zu ihren Gunsten. „Wir haben spielerische Ansätze gezeigt, dann kamen viele Unterbrechungen dazwischen“, sagte Torhüterin Almuth Schult nach der Partie. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bemängelte nach der Partie die „fehlende Spielruhe“: „Aber es ist schön, dass wir im Viertelfinale stehen. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir das schaffen. Die ganze Mannschaft hat verdient, durchzuatmen.“

Besonders für Nigeria war die Vorbereitung auf das Achtelfinale alles andere als optimal: Die Afrikanerinnen mussten von Montag bis Donnerstag in Rennes warten, ob sie den letzten jener vier Plätze in der K.-o.-Phase bekommen, die für die vier besten Gruppendritten reserviert waren. Vor dem Spiel hatte Trainer Thomas Dennerby noch betont, dass die ungewöhnliche Vorbereitung keinen Einfluss auf sein Team habe. „Es war ein tolles Gefühl, am Donnerstagabend noch ins Achtelfinale zu rutschen. Das wiegt alles andere auf“, sagte der Schwede. Dennerby musste auf seine für den FC Barcelona spielende Torjägerin Asisat Oshoala wegen Muskelbeschwerden verzichten.

Das deutsche Team musste hingegen nur mit dem ungewohnten Umstand zurechtkommen, dass der Gegner erst 43 Stunden vor Anpfiff feststand. In der Startformation änderte Bundestrainerin Voss-Tecklenburg ihr Team überraschenderweise gegenüber dem letzten Vorrundenspiel gegen Südafrika nur auf einer Position: Für die junge Klara Bühl kam die robustere Lea Schüller ins Team und spielte in einer 4-4-2-Grundformation als zweite Spitze neben Alexandra Popp, die in ihrem 100. Länderspiel ihr Team als Spielführerin aufs Feld führte.

Vor beiden Stürmerinnen hatte Nigerias Trainer Dennerby vor dem Spiel nicht sonderlich viel Angst zum Ausdruck gebracht. „Deutschland hat nicht mehr die Stürmerinnen wie einst, als Birgit Prinz noch dabei war“, sagte Dennerby, der als schwedischer Nationaltrainer unliebsame Erfahrungen mit der deutschen Rekordtorschützin gesammelt hat.

Popp lehrte ihn freilich schnell eines Besseren: Nach einem Eckball von Lina Magull köpfte die Wolfsburger Mittelstürmerin ein (20. Minute) – das Tor wurde trotz einer Intervention des Videoassistenten anerkannt. Die Abseitsstellung von Svenja Huth wurde von der japanischen Schiedsrichterin Yoshimi Yamashita nach fast dreiminütigem Austausch mit dem Videoassistenten und dem Blick auf den Bildschirm als passiv ausgelegt. Eine strittige Entscheidung. „Wir wissen, dass wir eine Stärke in den Standardsituationen haben“, sagte die Bundestrainerin nach der Partie. „Wir haben uns eigentlich vorgenommen, in jedem Spiel ein Tor aus Standardsituationen heraus zu erzielen.“

Unstrittig war das Eingreifen des Videoassistenten Carlos del Cerro Grande nur wenige Minuten später, als Evelyn Nwabuoko Lina Magull bei einem misslungenen Befreiungsschlag im eigenen Strafraum heftig gegen das Knie trat. Die Unparteiische entschied nach Ansicht der Szene auf dem Bildschirm auf Elfmeter. Sara Däbritz behielt die Nerven, obwohl die Unparteiische der nigerianischen Schlussfrau Chiamaka Nnadozie fast eine Minute lang auf die neue Regelauslegung und die Videoüberwachung einer zu frühen Bewegung nach vorne aufmerksam machte. Die erst 18 Jahre alte Nnadozie hatte die Belehrung nicht nötig. Sie war erst am Montag wegen eines Überschreitens der Linie um sechs Zentimeter um den Lohn einer Elfmeterparade gegen Frankreich gebracht worden. Däbritz schoss den Ball flach ins rechte Eck zum 2:0 ein, ihr drittes Tor im WM-Turnier.

Die Führung war verdient, weil das deutsche Team im Ballbesitz ganz anders auftrat als noch in der Vorrunde: Mit sauberem Passspiel suchten die deutschen Spielerinnen freie Räume im dichten Defensivverbund und fanden sie auch. Vor allem Lina Magull riss als Ersatz für die erstmals nach ihrem Zehenbruch wieder auf der Bank sitzende Dzsenifer Marozsan das Spiel couragiert an sich und forderte im Zentrum Bälle, die sie mit ihren Dribblings auch behauptete. Eine Einwechselung von Marozsan, für den Notfall angedacht, musste nicht erwogen werden. „Wir haben das“, den Sieg, „heute auch für sie gemacht, dass sie bei diesem Turnier auf den Platz zurückkehren kann“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Dzseni wird im Viertelfinale wieder auflaufen, ich bin sehr hoffnungsfroh.“

Das Achtelfinale fand großteils weit vom eigenen Tor entfernt in der gegnerischen Spielhälfte statt, nach Ballverlusten schalteten die Deutschen aufmerksam auf Defensive um. Gefahr entstand nur selten, wenn die äußerst schnellen Nigerianerinnen Gelegenheit zum Konter hatten. Desire Oparanozie hatte kurz vor dem Pausenpfiff die erste Chance, wurde aber von der aufmerksamen Sara Doorsoun geblockt. Nach einem beherzten Vorstoß der eingewechselten Rasheedat Ajibade verfehlte Oparanozie nach dem Seitenwechsel deren Hereingabe nur um wenige Zentimeter (51.).

Das deutsche Team, bei dem zur Pause Verena Schweers und Melanie Leupolz für Carolin Simon und Klara Bühl ihre Posten räumen mussten, übernahm anschließend wieder die Kontrolle, spielte die Kontergelegenheiten aber nicht konsequent genug aus. In der Schlussphase, die nicht mehr vom Videoassistenten, aber von zahlreichen Verletzungsunterbrechungen beeinträchtigt wurde, war Voss-Tecklenburg auf Sicherheit bedacht und beorderte Spielführerin Popp wegen ihrer Kopfballstärke und Robustheit ins defensive Mittelfeld.

In ihrem Jubiläumsländerspiel verdiente sich Popp auch durch diese Bereitschaft zur vielseitigen Verwendung die Kür zur Spielerin des Spiels. „Das mache ich für die Mannschaft“, sagte Popp nach dem Spiel zum Rückzug. „Es hat wieder gut funktioniert. Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert, waren von der ersten Minute an da.“ Bis zum Schlusspunkt – Lea Schüllers erstem WM-Tor durch einen kaltschnäuzigen Abschluss nach einem allerdings desaströsen Abwehrfehler der Nigerianerinnen.

Norwegen behält kühlen Kopf im Elfmeterschießen

Norwegens Fußball-Frauen sind Deutschland ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich gefolgt. Der Weltmeister von 1995 setzte sich in Nizza aber erst im Elfmeterschießen 4:1 gegen Australien durch. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:0) gestanden. Isabell Herlovsen brachte die Norwegerinnen in der 31. Minute in Führung. Karina Saevik hatte sie schön durch einen Schnittstellenpass in Szene gesetzt. Doch Elise Kellond-Knight (83.) schoss die Matildas in der von der deutschen Schiedsrichterin Riem Hussein geleiteten Partie mit einer direkt verwandelten Ecke in die Verlängerung. Dort sah die Australierin Alanna Kennedy (104. Minute/Notbremse) die Rote Karte, so dass die Mannschaft von Ante Milicic in Unterzahl durchhalten musste. Im Elfmeterkrimi hatten die Norwegerinnen dann die besseren Nerven, verwandelte alle vier Elfmeter, während Australien gleich zweimal zu Beginn verschoss. Das Team von Trainer Martin Sjogren spielt im Viertelfinale gegen England oder Kamerun, die am Sonntag in Valenciennes aufeinander treffen. (frez./dpa)

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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