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Frauenfußball

Deutschland erkämpft den zweiten WM-Sieg

Von Daniel Meuren, Valenciennes
 - 19:50
Erfolgreicher Zusammenhalt: Deutschland besiegt auch Spanien.zur Bildergalerie

Nach dem Schlusspfiff sandte Martina Voss-Tecklenburg dieses Mal kein Stoßgebet zum Himmel. Aber der Sprint zu ihren Spielerinnen und der Dank für eine kämpferisch gute Leistung zeugten von der Erleichterung. Wie schon im Auftaktspiel der deutschen Fußballerinnen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich musste die Bundestrainerin auch gegen Spanien bis zum Ende der Nachspielzeit mit ihrem Team um einen Arbeitssieg zittern. Am Ende aber reichte es dank eines Tores von Sara Däbritz (42. Minute) zum zweiten 1:0-Sieg im zweiten Spiel. „Ich bin sehr erleichtert“, sagte Martina Voss-Tecklenburg. „Spanien war immer gefährlich, hat uns vor Probleme gestellt mit ihrem sicheren Kombinationsspiel. Deshalb wäre ich heute sicher auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen.“

Frauenfussball-WM 2019

So aber kann das deutsche Team nur noch sehr theoretisch die Qualifikation für das Achtelfinale verpassen und am kommenden Montag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM, in der ARD und bei DAZN) trotz der Defizite im bisherigen Turnierverlauf bereits mit einem Unentschieden gegen Südafrika dafür sorgen, dass es im weiteren Turnierverlauf erst einmal den Vereinigten Staaten aus dem Weg geht. Die Amerikanerinnen gaben beim 13:0-Sieg über Thailand ein Statement ab und wären für das deutsche Team derzeit vermutlich eine Nummer zu groß. Dies wäre als Zweiter der Vorrundengruppe B womöglich bereits im Achtelfinale der Fall. Als Gruppensieger würde Deutschland stattdessen auf einen der vier besten Gruppendritten treffen.

Martina Voss-Tecklenburg veränderte vor 21.000 Zuschauern im Stadion des nordfranzösischen Zweiligaklubs Valenciennes die Startformation sowohl bezüglich Grundordnung als auch personell massiv: Lena Goeßling, Lena Oberdorf und Verena Schweers kamen für Dzsenifer Marozsan, die wegen eines Zehenbruchs mindestens bis zum Achtelfinale pausieren muss, Linksverteidigerin Carolin Simon und Melanie Leupolz ins Spiel. Martina Voss-Tecklenburg hatte vor dem Spiel gesagt, dass Dzsenifer Marozsan nicht zu ersetzen sei. Entsprechend setzte sie auf eine 4-4-2-Grundordnung mit den zwei Spitzen Alexandra Popp und Svenja Huth und verzichtete auf eine klassische Spielmacherin im Zentrum. „Dass Dzseni uns fehlt, ist klar. Sie gibt uns mit ihrer Ballsicherheit gerade in engen Situationen, wie wir sie heute hatten, Sicherheit. Aber ich spüre Stolz auf meine Mannschaft, dass sie sich das Ergebnis hart erarbeitet hat.“

Eine ähnlich verantwortungsvolle Rolle wie Dzsenifer Marozsan, aber deutlich weiter hinten positioniert, übernahm stattdessen Sara Däbritz. Beim Aufwärmen nahmen sich die Bundestrainerin und ihr Assistent Thomas Nörenberg die Spielerin von Bayern München deshalb noch einmal zur Seite und erklärten ihr eine spezielle Spielsituation: Sollte es die Idee für den Anstoß gewesen sein, dann liefen die Ausführungen allerdings ins Leere. Mit einem verunglückten Schlag aus der eigenen Hälfte brachte Sara Däbritz ihr Team direkt in Gefahr. Der Ball kam postwendend zurück, sodass Schlussfrau Almuth Schult aus ihrem Tor eilen und mit einer Grätsche klären musste. Die gefährliche Situation brachte Unsicherheit ins deutsche Spiel, zudem sorgte einsetzender starker Regen für ungemütliche Rahmenbedingungen.

Martina Voss-Tecklenburg aber bewies Stärke und Haltung und stand ihrem Team trotz schnell durchnässter Jacke tapfer in der Coachingzone direkt am Spielfeldrand zur Seite. Wild gestikulierend und laut rufend versuchte sie zu ordnen, was nur schwer zu ordnen war: Immer wieder überraschten die für ihr Kurzpassspiel berühmten Spanierinnen die deutsche Abwehr mit langen Bällen aus dem Mittelfeld in die Schnittstellen der Abwehr. Sara Doorsoun rettete in höchster Not gegen Nahikari Garcia (6.), die aber kläglich vergab.

Die Spanierinnen waren den Deutschen in der ersten Hälfte in allen Belangen überlegen. In den Zweikämpfen wirkten sie wacher und stellten die deutschen Spielerinnen schon beim eröffnenden Pass durch geschicktes Zustellen der Passwege vor solch unlösbare Probleme, dass etwa Verena Schweers einen Ball unbedrängt ins Aus rollen lassen musste, weil sie keine Anspielstation fand. „Spanien hat uns schon damit überrascht, wie giftig und mutig sie uns gepresst haben“, sagte Verena Schweers. „Wir brauchten lange, um ins Spiel zu finden.“

Auch Fehlpässe waren die Folge, es kam keine Ruhe ins Spiel, die Deutschen mussten den mit deutlich größerem Ballbesitzanteil spielenden Spanierinnen hinterherlaufen. Zudem verfolgten die Gegnerinnen einen klaren Plan im Ballbesitz: Sie legten sich die Deutschen durch Querpässe in der Viererabwehrkette zurecht, um dann auf die Chance zum langen Ball in die Spitze abzuwarten.

Lediglich ihre altbekannte Schwäche im Abschluss hinderte die Spanierinnen an der Krönung ihres starken Auftritts. Das Führungstor erzielten stattdessen die Deutschen, die sich in der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit steigerten. Der erste mit Konsequenz zu Ende gespielte Angriff führte nach Lena Goeßlings öffnendem Pass auf Svenja Huth, zu einer exakten Flanke auf Alexandra Popp. Den Kopfball wehrte die spanische Torfrau Sandra Panos noch ab. Sara Däbritz grätschte den Ball jedoch ins Netz und hatte dabei Glück, dass sich die spanische Spielführerin Marta Torrejon im Versuch, das Unheil zu verhindern, reichlich ungeschickt anstellte. „Unser Ziel war es, Erster zu werden und mit dem Sieg gegen Spanien sind wir auf einem guten Weg“, sagte die Torschützin.

Zur Pause stellt Martina Voss-Tecklenburg abermals um: Für Rechtsverteidigerin Kathrin Hendrich kam die 18 Jahre alte Mittelstürmerin Klara Bühl vom SC Freiburg zu ihrem WM-Debüt. Die schnelle Angreiferin deutete nach rund einer Stunde mit zwei herausragenden Einzelaktionen ihr Talent an, scheiterte aber beide Male im Abschluss. Die spanischen Bemühungen um den verdienten Ausgleich scheiterten derweil an der nun deutlich verbesserten Abwehr, die dem Gegner kaum noch gefährliche Spielzüge gestattete, oder an Schlussfrau Almuth Schult, die bei ihren Aktionen eine wohltuende Ruhe und Sicherheit ausstrahlte. Immer wieder pflückte sie Flanken sicher aus der Luft.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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