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DFB-Frauen ohne Marozsan

Wie Deutschland die nächste WM-Prüfung meistern könnte

Von Daniel Meuren, Valenciennes
 - 13:17
Fällt verletzungsbedingt aus: die deutsche Nationalspielerin Dzenifer Marozsanzur Bildergalerie

Im deutschen Frauenfußball gab es schon einmal eine dominante Feldspielerin, die mit ihren Fähigkeiten weit über allen anderen stand. Sie heißt Birgit Prinz. Am Montag half die während der WM in Frankreich als Team-Psychologin tätige deutsche Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin im Torwarttraining aus. Und wie sie da dreimal in Serie vom rechten Eck des Fünfmeterraums aus auf Almuth Schult zudribbelte und den Ball dann stets nach der gleichen Finte mit dem Außenrist locker an der Torfrau vorbei ins Tor schnippte, das hatte Qualität.

Frauenfussball-WM 2019

Wenn es doch so einfach wäre, die 41 Jahre alte Prinz zu verjüngen und an diesem Mittwoch (18 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Frauenfußball-WM sowie im ZDF und bei DAZN) gegen Spanien im zweiten Gruppenspiel in Valenciennes auf den Rasen zu schicken? Dann hätte Martina Voss-Tecklenburg die Lösung parat für ein Szenario, das die DFB-Frauen am Dienstag nach zweitägiger Geheimniskrämerei und auch gezielter Falschinformation („Wir müssen von Tag zu Tag schauen“) verkündet haben: Dzsenifer Marozsan fällt nicht nur für das Spiel gegen Spanien aus, sondern nach Worten von Bundestrainerin Voss-Tecklenburg zumindest auch für das dritte Vorrundenspiel am Montag gegen Südafrika.

Bereits am Samstagabend wurde nach dem brutalen Einsteigen der Chinesin Wang Shanshan zu Beginn des deutschen 1:0-Auftaktsiegs in Rennes im Krankenhaus ein Bruch der linken Mittelzehe diagnostiziert; wegen Absprachen mit Marozsans Klub Olympique Lyon und auch um Zeit zu gewinnen für die „Verarbeitung des Schocks“, wie Voss-Tecklenburg sagte, wurde die Information zurückgehalten. Die Spielmacherin selbst zeigte sich kämpferisch. Es gebe keinen Grund, „den Kopf hängen zu lassen. Wer mich kennt, weiß ganz genau, dass ich nicht so einfach aufgeben werde“, schrieb Marozsan bei Instagram.

Vorerst jedoch fehlt dem deutschen Team die beste Spielerin, auf deren Fertigkeiten im Passspiel und Torabschluss das gesamte Spiel ausgerichtet war. „Sie ist nicht zu ersetzen, weil sie einzigartige Fähigkeiten hat“, sagte Voss-Tecklenburg. „Wir müssen das als Team kompensieren.“ Die Bundestrainerin gab keinen Hinweis auf ihren Plan B: Denkbar wäre der Verzicht auf eine klassische Spielmacherin und eine Variante mit der Doppelspitze Alexandra Popp und Lea Schüller. Dann würde die DFB-Elf freilich gerade im Zentrum Räume öffnen, in denen die Spanierinnen ihr Tiki-Taka-Kurzpassspiel aufziehen könnten. Da wäre die erst 17 Jahre alte Lena Oberdorf als Zentrumsspielerin die bessere Lösung.

In jedem Fall wird das Spiel gegen Spanien nun noch mehr zu einem „Duell auf Augenhöhe“, wie es Voss-Tecklenburg ausdrückte, wo nun die „Unterschiedspielerin“ im deutschen Team fehlt, die schon die WM 2011 verletzt verpasst hatte und 2015 nur stark beeinträchtigt durch eine Knöchelblessur spielen konnte, wodurch sie anschließend dem FFC Frankfurt monatelang wegen der Folgen fehlte. Anders als heute Lyon wurde der FFC damals nicht einbezogen in die Entscheidung über eine Fortsetzung der WM.

Der spanische Trainer Jorge Vilda dürfte die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen haben, auch wenn er vorgab, weiter von einem Einsatz Marozsans auszugehen. „Ich habe selbst schon einmal mit einem gebrochenen Fußzeh gespielt. Es ist möglich“, sagte er. Die Spanierinnen, die nach unerwarteten Problemen und einem 0:1-Halbzeit-Rückstand ihr erstes Spiel gegen Südafrika noch 3:1 gewonnen haben, spekulieren aber nun umso mehr auf den ersten Erfolg nach bisher zwei Niederlagen und zwei Unentschieden gegen Deutschland. „Wir haben Respekt. Aber wir sind nicht eingeschüchtert“, sagt Spielführerin Marta Torrejón, deren Bruder Marc gerade mit Union Berlin in die Bundesliga aufgestiegen ist. Viele Spielerinnen des spanischen Kaders haben bereits gute Erfahrung gegen Deutschland gemacht. Von bislang zwölf U-17-Europameisterschaften hat Deutschland sieben, Spanien vier gewonnen, die beiden jüngsten U-19-Europameisterschaften gewann Spanien genauso wie die U-17-WM im Vorjahr.

„Alles muss irgendwo anfangen“, sagte Amanda Sampedro, die beim ersten spanischen Erfolg der Juniorinnen überhaupt dabei war. „Seit 2010 haben wir uns nach vorne bewegt.“ Die Spanierinnen, die 2015 bei ihrer ersten WM-Teilnahme in der Vorrunde gescheitert waren, spüren zudem den Rückenwind durch den Aufschwung der heimischen Liga: Ein Namenssponsor garantiert den Klubs jährlich zwei Millionen Euro, ein TV-Vertrag bringt weitere drei Millionen und garantierte Live-Übertragungen. Zudem sorgte im April für Aufsehen, dass beim Spitzenspiel Atlético Madrid gegen FC Barcelona 60.000 Menschen zuschauten. Zum Halbfinale der Champions League kamen dann fast 20.000 Zuschauer ins Mini Estadi in der Nachbarschaft von Camp Nou, während der FC Bayern München das Hinspiel eine Woche zuvor im nur 2500 Zuschauer fassenden Stadion auf dem vereinseigenen Campus austragen ließ – zum Ärger auch seiner Spielerinnen.

Doch Trainer Vilda will die Fortschritte des spanischen Frauenfußballs nicht überbewerten. „Eines Tages wollen wir mal vor Deutschland stehen. Aber noch stehen sie weit vor uns und sind WM-Favoritinnen“, sagte der 37 Jahre alte Spanier: „Wenn man die Spielerinnen anschaut, dann weiß man, was sie können.“ Ohne Dzsenifer Marozsan können die Deutschen freilich ein bisschen weniger.

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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