FAZ plus ArtikelNeue Torhüter-Regel

Überwachung ohne Augenmaß

EIN KOMMENTAR Von Daniel Meuren
18.06.2019
, 16:54
Der Fußball ist dank des Videoassistenten um eine groteske Regelinterpretation reicher: Torhüter müssen fortan bei einem Elfmeter absurd streng mit mindestens einem Fuß die Torlinie berühren. Praxisferner lässt sich das Spiel kaum regulieren.

In der vergangenen Bundesliga-Spielzeit wurden 81,3 Prozent der Elfmeter verwandelt. Es besteht eigentlich kein Bedarf, das Verwandeln zu erleichtern. Genau das aber hat der Fußball im Doppelpass zwischen der internationalen Regelkommission Ifab und der Institution des Videoassistenten nun im Zuge der Einführung neuer Regeln erreicht: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen wird so exakt wie nie zuvor darauf geachtet, ob eine Torhüterin sich vor der Ballberührung durch die Schützin zu früh von der Torlinie entfernt hat.

Ausgangspunkt ist dabei eine Regelverfeinerung, die eigentlich zugunsten der Torhüter festlegt, dass sich nur noch ein Fuß auf der Torlinie befinden muss, was schon gelebte Praxis war. Nachmessungen haben nun am Montagabend ergeben, dass sich auch der hintere Fuß der nigerianischen Torfrau Chiamaka Nnadozie sechs Zentimeter vor der Linie statt auf ihr befunden haben soll, als Wendie Renard den Ball auf die Reise links neben das Tor geschickt hat. Das Urteil nach Videobeweis: Die Fehlschützin durfte nochmals antreten und verwandelte sicher, die nigerianische Schlussfrau sah die Gelbe Karte.

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Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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