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DFB-Team nach Frauen-WM

„Das Feld hat uns links und rechts überholt“

Von Daniel Meuren, Lyon
 - 14:38
Nicht nur Lina Magull hatte am deutschen WM-Aus zu knabbern.

Der deutsche Frauenfußball hat bei der WM in Frankreich einen weiteren Rückschlag erlitten. Im Interview spricht Siegfried Dietrich, Manager des FFC Frankfurt und Sprecher der Bundesliga, über Investitionen und Hoffnungen beim Anschluss seines Klubs an Eintracht Frankfurt.

Ist die Finalwoche der Fußball-WM der Frauen in Lyon ein Schock für den deutschen Frauenfußball?

Schock ist das falsche Wort. Aber es ist sehr schade und bitter, dass Deutschland nicht dabei war. Sicherlich hat sich gerade im Halbfinale zwischen England und den Vereinigten Staaten gezeigt, auf welchem Niveau sich die Topteams präsentieren. Zudem müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass auch Länder wie die Niederlande viel in Bewegung gesetzt haben.

Frauenfussball-WM 2019

In einem Abschlussfilm der Fifa taucht Deutschland nur in einer Sequenz mit dem entscheidenden schwedischen Gegentreffer und den Reporterworten „Germany is out“ auf. Ist Deutschland in Vergessenheit geraten?

Deutschland war immerhin mit seinem jungen Team unter den letzten acht, aber andere Nationen waren erfolgreicher. Das frühe Ausscheiden ist Signal, Chance und Ansporn zugleich. Es gilt, mit gebündelten Kräften die richtigen Lehren daraus zu ziehen.

Welche Lehren müssen das sein?

Ich bin nicht der Oberlehrer, der in der Öffentlichkeit Ratschläge erteilt. Wir als Bundesligavereine werden intern unsere Hinweise geben.

Der Misserfolg kommt zur Unzeit: Auch die Bundesliga kriselt, die drei niederländischen WM-Finalspielerinnen aus Bundesligaklubs gehen ins Ausland, weil die Liga nicht mehr attraktiv genug ist. Wie soll es jetzt besser werden?

Es ist offensichtlich, dass in anderen europäischen Verbänden und Ligen viel investiert und für den Frauenfußball getan wird. Trotzdem glaube ich, dass wir im DFB und in der Bundesliga gerade in der qualitativen Breite weiterhin gute Voraussetzungen haben, uns für den neuen international wachsenden Wettbewerb zu rüsten und aufzustellen. Wir haben mit Martina Voss-Tecklenburg eine starke Bundestrainerin, die aus dem frühen WM-Aus ihre Lehren ziehen wird und schon zur EM in zwei Jahren wieder angreift. Genauso muss allen Beteiligten und Verantwortlichen bewusst werden, wenn wir das Feld, das uns zum Teil links und rechts überholt hat, wieder einholen wollen, dass wir dann in allen Bereichen Gas geben müssen. In unserer Bundesliga sehe ich eine große Bereitschaft, genau das in großer Gemeinsamkeit anzustreben.

Wie konnte sich Deutschland überholen lassen?

Wir haben uns nicht überholen lassen. Die Engländer haben uns überholt durch die finanzielle Power der Premier-League-Klubs der Männer. Sie haben uns als ihre Vorbilder angesehen und mal ein paar Jahre richtig ernst gemacht.

Oliver Bierhoff als Verantwortlicher für die Nationalteams hat nach der Niederlage gegen Schweden ein vorgefertigtes Statement in Umlauf gebracht. DFB-Interimspräsident Rainer Koch ging auch etwas lapidar über das Ausscheiden hinweg. Fehlt die Ernsthaftigkeit im DFB?

Der DFB stellt sich ja gerade insgesamt neu auf. In diesem Prozess, da bin ich mir sicher, spielt auch der Frauenfußball eine wichtige Rolle. Ich spüre die Ernsthaftigkeit, ohne die wir unsere Ziele nicht erreichen werden. Ein gutes Beispiel ist schon jetzt das Ergebnis der aktuellen zentralen Liga-Vermarktung des DFB, in der wir eine Benchmark in Europa sind.

Sind Sie sich da sicher? Man konnte den Eindruck gewinnen, dass das parallel verlaufende EM-Turnier der U-21-Männer mehr Aufmerksamkeit gebunden hat bei den maßgeblichen Personen im DFB ...

Ich nehme wahr, dass die Frauen-Nationalmannschaft beim DFB gleichberechtigt gesehen wird.

Was halten Sie davon, dass das erste EM-Qualifikationsspiel nach der WM an einem Samstag um 12.30 Uhr angesetzt wird? Das klingt eher nach Kindergeburtstag als nach einer ernsthaften Sportveranstaltung.

Ich weiß nicht, wie der Termin zustande kam. Ich gehe aber davon aus, dass das als familiengerechter Termin gedacht ist, zu dem fast konkurrenzfrei zu anderen Sportveranstaltungen und Ligaspielen viele Zuschauer kommen werden. Grundsätzlich fände ich es aber angemessen, dass Terminansetzungen am späten Nachmittag oder Abend realisiert werden.

2013 gab es ein Länderspiel mit 45.000 Zuschauern gegen Japan. Danach wurde eine EM gewonnen. Trotzdem war plötzlich ein gravierender Rückgang beim Interesse zu verzeichnen mit zuletzt meist weniger als 5000 Zuschauern. Wann wurde der Anschluss verpasst?

Der Hype rund um die Heim-WM 2011 hat sich nach dem frühen Ausscheiden relativiert. Nach Höhen und Tiefen der letzten Jahre sehe ich jetzt eine Konstanz, die mit zukünftigen Erfolgen wieder einen Ausschlag nach oben bringen wird.

Ihr Verein FFC Frankfurt, einst erfolgreichster Verein in Europa, seit Jahren im Wettstreit mit den Bundesligaklubs aus Wolfsburg und München chancenlos, gilt jetzt als Hoffnungsschimmer wegen des geplanten Zusammengehens mit Eintracht Frankfurt. Kann nur der Männerfußball den Frauenfußball retten?

Es geht nicht um ein Retten aus Mitleid. Mit Blick auf den nationalen und internationalen Wettbewerbe sind die Voraussetzungen und Strukturen bei den Männervereinen für den Spitzen-Vereinsfrauenfußball der Zukunft das Maß aller Dinge. Genauso ist aber für mich ein Verein nur dann ein repräsentativer Teil der Gesellschaft, wenn er Männer und Frauen unter einem Dach fördert und leistungsorientiert Fußball spielen lässt. Das bei uns mit Eintracht Frankfurt angestrebte Modell liegt nicht nur im Trend der Zeit, sondern ist mit vielen Win-Win-Aspekten ausgestattet. Um langfristig damit erfolgreich zu sein, gilt es aber auch neben anfänglichen Investitionen unternehmerische Qualitäten zu entwickeln, mit denen eigene Gewinne Einnahmen aus dem Frauenfußball für die zukünftige Etablierung generiert werden.

Bisher herrscht aber eher der Glaube vor, dass Frauenfußball aus Mitleid unterstützt wird. Bei Bayern München hat Uli Hoeneß gerade nach dem Gewinn der Basketball-Meisterschaft betont, dass der Verein genau dort hin wollte, als er mit Basketball anfing. Das muss die Frauenfußballabteilung doch als Ohrfeige verstanden haben, wo dieser Wille nicht zum Ausdruck kommt. Wie sollen Profiklubs zur Überzeugung kommen, dass Frauenfußball Sinn ergibt?

Ich habe das Gefühl, dass es auch bei Bayern München ein sehr positives Bekenntnis zum Frauenfußball gibt, auch wenn ich nicht verstanden habe, weshalb die Bayern das Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona im April im kleinen Stadion auf ihrem Campus durchgeführt haben und nicht eine große Werbeaktion in der Arena gewagt wurde.

Borussia Dortmund hat da in der „Sport-Bild“ erst einmal so reagiert, dass man schon Frauen-Handball unterstütze und den städtischen Amateurvereinen im Frauenfußball nicht in die Quere kommen wolle. So kann man Desinteresse auch höflich formulieren, oder?

Ich bin mir sicher, dass die Amateurvereine rund um Dortmund glücklich wären, wenn sie einen Vorreiter in der Region hätten, bei dem dann Talente auch in der Nähe Profis werden können. Ansonsten halte ich diese Aussage für eine Momentaufnahme. Ich bin mir sicher, dass populäre Vereine wie Dortmund und Schalke früher oder später überzeugt sein werden, dass die Integration des Frauenfußballs der richtige Weg ist.

Haben Sie eine Erklärung, warum außer Dzsenifer Marozsan und Torhüterin Almuth Schult keine weiteren Weltklassespielerinnen entwickelt wurden, obwohl seit anderthalb Jahrzehnten beste Förderbedingungen herrschen?

Es war eine besondere Generation um Birgit Prinz, die sich an die Weltspitze herangearbeitet hat, mit großem Willen und gegen Widerstände. Die jetzige Generation ist noch nicht so weit. Sie braucht Erfolge, um auch individuelle Spitzenklasse zu entwickeln. Und nicht zu vergessen: Wir hätten mit Kim Kulig und Nadine Keßler jetzt zwei Spielerinnen im besten Alter gehabt, die aufgrund von Verletzungen früh aufhören mussten. Hinzu kommen Lira Alushi und Celia Sasic, die sich eben frühzeitig für Kinder und ihre Familie entschieden haben.

In der Finalwoche der WM haben die Amerikanerinnen vorgemacht, wie man sich präsentiert. Was kann Deutschland von den Vereinigten Staaten lernen?

Die Amerikanerinnen haben eine ganz andere Mentalität, eine andere Art, sich zu verkaufen und einen anderen Stellenwert. Sie haben dank ihrer vielen Erfolge zwei Jahrzehnte Vorsprung im Marketing. Aber sicher können wir einiges aus dem Auftreten lernen für die Zeit, wenn wir wieder entsprechende Erfolge haben.

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WM-Aus gegen Schweden
„Der deutsche Frauenfußball muss jetzt hart arbeiten“

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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