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Fußball-WM-Finale der Frauen

Die Amerikanerinnen erledigen den Job

Von Daniel Meuren, Lyon
 - 19:00
Megan Rapinoe brachte die Amerikanerinnen im WM-Finale in Führung.

In der 79. Minute des Endspiels war die WM für Megan Rapinoe fast perfekt. Als sie unter Ovationen der Zuschauer für Christen Press das Feld verließ, erübrigte sich die Frage, wer die Wahl zur Spielerin der Fußball-WM der Frauen gewinnen würde. Rapinoe hatte auch dass Endspiel geprägt: Beim 2:0-Sieg ihres amerikanischen Nationalteams gelang ihr der Türöffner, als sie den Elfmeter zum 1:0 verwandelte (61. Minute). Mit ihrem sechsten Turniertreffer sicherte sie sich auch noch den Preis für die beste Torjägerin. „Megan ist für diese Momente gemacht. Andere mögen unter Scheinwerferlicht nervös werden. Sie wird dann umso stärker“, sagte Trainerin Jill Ellis. Rose Lavelle erhöhte später noch auf 2:0 (69.).

Frauenfussball-WM 2019

Rapinoe musste also nach ihrer Auswechslung nur noch eine gute Viertelstunde bis zum Abpfiff warten, ehe sie zum Jubeln wieder aufs Spielfeld sprinten durfte. Dann war der Weltmeistertitel gewonnen. Oder wie es die Amerikaner gerne sagen: Der Job war erledigt, die Mission erfüllt. Und so wird sich nun erweisen, ob Rapinoe und Co. wie angekündigt zumindest großteils die obligatorische Einladung ins Weiße Haus aus Protest gegen Präsident Donald Trump ablehnen werden. „Meine Einstellung ist klar, ich glaube auch nicht, dass viele gehen werden“, sagte Rapinoe.

Die Amerikanerinnen unterstrichen mit ihrem Erfolg ihre Dominanz: Sie verteidigten ihren Titel von 2015 und sicherten sich insgesamt zum vierten Mal den Turniersieg. Die Europameisterinnen aus den Niederlanden setzten bei ihrer ersten Turnierspielniederlage nach zwölf Siegen in Serie die Tradition ihres Männer-Nationalteams fort. Dieses hat bei drei Versuchen den WM-Titel verpasst, das erste Mal auf den Tag genau 45 Jahre zuvor im Finale von München gegen Deutschland.

Die Auswahl aus den Vereinigten Staaten begann ihr drittes WM-Endspiel in Serie zum dritten Mal mit Megan Rapinoe in der Startelf. Standesgemäß führte sie ihr Team als Kapitänin aufs Feld. Während der Nationalhymne erntete sie frenetischen Beifall, als ihr wie immer aus Protest gegen die Trump-Regierung starres Gesicht auf den Leinwänden des ausverkauften Stadions von Olympique Lyon erschien. Die Protesthaltung der 34 Jahre alten Amerikanerin während des Turniers hat den Respekt vor Rapinoe noch einmal deutlich steigen lassen in den vier WM-Wochen.

Die Ehrfurcht der Niederländerinnen hielt sich in Grenzen. Sie nahmen die Rolle als Underdog an und setzten mit ein paar aggressiven Zweikämpfen Zeichen. So grätschte Danielle van de Donk nach sieben Minuten Sam Mewis ab. Zudem hatte Trainerin Sarina Wiegman sich eine Überraschung einfallen lassen: Sie veränderte ihre sonst starre 4-3-3-Grundordnung, indem sie die rechte Offensivseite weitgehend brach liegen ließ, um mit der schnellen Lineth Beerenstey im Zusammenspiel mit der klassischen Mittelstürmerin Viviane Miedema immer wieder im Zentrum für Unruhe zu sorgen. Zwingende Torchancen ergaben sich so nicht, aber immerhin verstrichen die ersten zwölf Minuten, in denen die Amerikanerinnen zuvor in jedem der sechs vorangegangenen Turnierspiele getroffen hatten, ohne Gefahr für das niederländische Tor.

Die erste große Chance hatten die Amerikanerinnen in der 28. Minute: Julie Ertz nahm den Ball nach einer Ecke volley, die niederländische Schlussfrau Sari van Veenendaal faustete den Ball aus der Gefahrenzone. Van Veenendaal, der in Lyon während der WM-Finalwoche wie jeder Spielführerin eine Bushaltestelle gewidmet worden war, wurde immer wieder zur Endstation. Zunächst wehrte sie einen Mewis-Kopfball ab, wenige Sekunden später hatte sie Glück, dass Alex Morgans Schuss nach der nächsten Rapinoe-Hereingabe an den Pfosten rollte.

In der 40. Minute bewies sie bei einem Morgan-Flachschuss abermals ihr Können. Die Niederlande gingen ohne Gegentor in die Pause. In der 59. Minute war es wie schon einige Male zuvor im Turnier der Videoassistent, der den Amerikanern zuhilfe kam – berechtigterweise. Nachdem die französische Schiedsrichterin Stephanie Frappart ein Foulspiel von Stefanie van der Gragt nicht geahndet hatte, wirkte der Videoassistent zurecht auf die Unparteiische ein. Rapinoe ließ sich die Chance vom Elfmeterpunkt aus nicht entgehen. Rose Lavelle erzielte dann den entscheidenden Treffer, und die Amerikanerinnen gewannnen dank ihres Willens verdient.

Ehe Fifa-Präsident Gianni Infantino den Pokal an Spielführerin Carli Lloyd übergab, kam es zu einem letzten bemerkenswerten Protest. Ausnahmsweise einmal stand nicht Megan Rapinoe im Mittelpunkt. Die mehr als 20.000 amerikanischen Fans im Stadion skandierten „equal pay“. Rapinoe und ihre Mitspielerinnen, die vor einem amerikanischen Gericht gleiche Bezahlung durchzusetzen versuchen, haben die Anhängerschaft offenbar bei der WM für ihren Kampf gewonnen.

Quelle: FAZ.NET
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Sportredakteur.
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