Aus bei French Open

Kerber scheitert schon wieder auf Anhieb

Von Pirmin Clossé
30.05.2021
, 17:34
Zum Verzweifeln: Angelique Kerber hat kein gutes Verhältnis zur roten Asche von Paris.
Für Angelique Kerber bleibt die rote Asche bei den French Open ein rotes Tuch. Auch in diesem Jahr scheitert die Deutsche in Runde eins. Gegen eine ukrainische Außenseiterin kommt ihr Aufbäumen zu spät.
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Das Bitterste an der Bilanz, die Angelique Kerber nach ihrem diesjährigen Auftritt bei den French Open zog, war, wie vertraut diese klang. „Mal wieder kein guter Tag hier in Paris“, sagte die beste deutsche Tennisspielerin am Sonntag nach einem 2:6, 4:6 gegen die Ukrainerin Anhelina Kalinina. Mal wieder hatte Kerber eine Niederlage gegen eine krasse Außenseiterin hinnehmen müssen. Mal wieder war sie dadurch schon in Runde eins ausgeschieden. Und mal wieder hatte sich gezeigt, dass ihr Traum vom sogenannten Karriere-Slam bestehend aus allen vier Grand-Slam-Titeln wohl ebendies bleiben wird: ein Traum.

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Kerber und die French Open, das war noch nie eine Liebesbeziehung. „Ach ja, das mit dem Sand“, sagte sie einst seufzend über das Tennis-Highlight in Roland Garros. „Mein Lieblingsbelag wird das wohl nicht mehr.“ Drei der vier Grand-Slam-Turniere hat die 33-Jährige gewinnen können: die Australian und die US Open 2016, dazu Wimbledon 2018. Nur der Titel auf der roten Asche von Paris fehlt ihr noch. Er wird es auch weiterhin.

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Zu den Favoritinnen auf den Gesamtsieg hatte Kerber bei der diesjährigen Austragung zwar ohnehin nicht gehört. Zu schwach waren ihre Ergebnisse der vergangenen Wochen und Monate, in der Weltrangliste belegt sie inzwischen nur noch Rang 27. Doch das frühe Aus ist dennoch eine Enttäuschung. Aus dem ohnehin übersichtlichen Starterfeld der deutschen Frauen sind damit nur noch Andrea Petkovic und die letztjährige Viertelfinal-Teilnehmerin Laura Siegemund in Paris.

Kerbers Plan geht nicht auf

Am Montag und Dienstag starten sie ins Turnier. Bei den Männern verabschiedete sich am Sonntag der Karlsruher Yannick Hanfmann nach einem 1:6, 3:6, 6:4, 2:6 gegen den Finnen Henri Laaksonen. Alexander Zverev traf zudem auf den Kölner Oscar Otte (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Zverev gehört in diesem Jahr zu den Favoriten.

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Dagegen hatte sich Kerber vorgenommen, diesmal ohne Erwartungen, ohne Druck in das Turnier zu gehen. „Vielleicht kann ich so für eine Überraschung sorgen“, kündigte sie an. Doch der Plan ging nicht auf. Wieder einmal war ihre Reise in Paris frühzeitig beendet. Denn unvertraut ist für Kerber das Gefühl einer Erstrundenniederlage bei den French Open keineswegs. Inzwischen ist sie bei 13 Teilnahmen achtmal an ihrer Auftakthürde gescheitert, fünfmal in den letzten sechs Jahren, nun zum dritten Mal in Serie. Besonders schmerzhaft war es im Jahr 2017. Damals verlor sie als Nummer eins der Setzliste gegen die Russin Jekaterina Makarowa.

Gegen Kalinina, lediglich die Nummer 139 der Weltrangliste, aber zuletzt immerhin mit zwei Turniersiegen in Serie auf der drittklassigen ITF-Tour, legte Kerber einen folgenschweren Fehlstart hin. Nach nicht einmal 20 Minuten lag sie 0:5 zurück. Aufschlag, Return und vor allem die Passivität im Spiel von der Grundlinie – die Mängelliste war lang, während die Außenseiterin munter drauflos spielte. Zwar fand Kerber gegen Ende des ersten Durchgangs etwas besser in die Partie. Doch das war „ein bisschen zu spät“, wie sie anschließend selbst feststellte.

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Warum Kerber wieder einmal ausgerechnet in Paris so schwach ins Turnier startete, ist ihr selbst ein Rätsel. „Ich würde es mir gerne erklären können, aber ich weiß es nicht“, sagte sie. Erste Runden fielen ihr generell immer besonders schwer, erklärte sie. Kerber ist eine Spielerin, die sich gerne im Turnierverlauf freispielt. Selbst bei ihrem Wimbledonsieg war das so. Doch in Paris kam sie dafür gar nicht erst die Gelegenheit. „Ich habe mich so gut vorbereitet, wie es ging“, sagte sie. „Ich habe mich gut gefühlt, habe gut trainiert.“ Dennoch bot sich letztlich das vertraute Bild aus der jüngeren Vergangenheit: Kerber mühte sich, doch es reichte nicht.

Den Eindruck, gegen Kalinina das Momentum langsam auf ihrer Seite zu haben, machte Kerber jedenfalls direkt zu Beginn des zweiten Satzes wieder kaputt. Wieder lag sie schnell 0:5 zurück. Sie machte viele unerzwungene Fehler, blieb weiter zu defensiv und verpasste es ein ums andere Mal, aussichtsreiche Ballwechsel mit Gewinnschlägen zu beenden. Ihre furiose Aufholjagd, die ihr sogar einen Spielball zum 5:5 einbrachte, kam ebenso zu spät wie in Satz eins. Nach knapp anderthalb Stunden Spielzeit war das Match beendet.

„Das muss ich akzeptieren“, sagte sie nur. Der rote Sand bleibt damit für Kerber weiterhin ein rotes Tuch. Obwohl sie auch bei den French Open schon mit Viertelfinal-Teilnahmen 2012 und 2018 ihre Klasse bewiesen hat und deshalb nicht nur negative Gefühle mit Paris verbinden will. „Ich habe schon viele Niederlagen einstecken müssen. Das ist jetzt eine davon“, sagte Kerber stattdessen.

„Ich werde versuchen, direkt nach vorne zu schauen.“ Dass nun unmittelbar im Juni die Rasensaison beginnt, kommt ihr entgegen. Die neuen WTA-Turniere in Berlin und Bad Homburg bescheren ihr zwei Heimspiele. Auf dem schnellen Untergrund kommt Kerber mit ihrem flachen und direkten Spiel zudem wesentlich besser zurecht. „Das mit dem Sand“ dagegen wird ihre Sache wohl nicht mehr.

Überraschendes Erstrunden-Aus für Österreicher Thiem

US-Open-Champion Dominic Thiem ist bei den French Open völlig überraschend bereits in der ersten Runde ausgeschieden. Der 27 Jahre alte Österreicher verlor am Sonntag in Paris gegen den Spanier Pablo Andujar mit 6:4, 7:5, 3:6, 4:6, 4:6 und setzte seine sportliche Krise damit fort. Seit seinem Triumph in New York 2020 in einem dramatischen Finale gegen Alexander Zverev tut sich Thiem extrem schwer. Schon bei den Australian Open im Februar war Thiem, der in Paris 2018 und 2019 im Finale stand, bereits im Achtelfinale gescheitert. Thiem wäre ein möglicher Viertelfinal-Gegner von Zverev gewesen, der in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel anstrebt. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Clossé, Pirmin
Pirmin Clossé
Sportredakteur.
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