Nach 487 Tagen

Roger Federer siegt beim Grand-Slam-Comeback

Von Pirmin Clossé
31.05.2021
, 18:21
Bei ihm ist Tennis Kunst: Roger Federer
Lange musste das Publikum auf den großen Superstar des Tennissports verzichten. Bei den French Open kehrte Roger Federer nun zurück – und zeigte wieder, was ihn so besonders macht.

Das Raunen, das am späten Montagnachmittag immer wieder durch den Court Philippe Chatrier klang, machte eines überdeutlich: Die Tennis-Welt hat Roger Federer vermisst. Wegen zwei Knie-Operationen hatte der „Maestro“, der große Superstar seines Sports, seit Januar 2020 kein Grand-Slam-Turnier mehr bestritten. Das Publikum, wenn auch aufgrund der Pandemie noch recht spärlich auf den Tribünen in der French Open verteilt, war spürbar ausgedürstet.

487 Tage nach seinem bis dato letzten Grand-Slam-Match trat der Schweizer in Paris in Runde eins an. Die Partie war mit Spannung erwartet worden, denn bei den ersten beiden Comeback-Versuchen in diesem Jahr hatte Federer keinen allzu guten Eindruck hinterlassen. In Doha hatte er nach einem etwas mühevollen Auftaktsieg sein zweites Match verloren, in Genf vor zwei Wochen sogar direkt das erste. Diesmal war das anders. Gegen den Usbeken Denis Istomin gewann Federer souverän 6:2, 6:4, 6:3.

„Das ist natürlich ein Vergnügen hier zu spielen“, sagte Federer hinterher und war ganz beseelt von dem ersten Auftritt im sonnigen Paris: „Schönes Wetter, tolles Stadion, Fans sind wieder da. Heute war alles perfekt.“ Die vielleicht noch wichtigere Erkenntnis des Tages allerdings war: Der Meister kann es noch. Die einhändige Rückhand sieht noch so elegant aus wie eh und je. Auch sein Spielwitz, die Raffinesse und der Variantenreichtum sind noch da. Federers Tennis sieht immer noch nach Kunst aus. Zumindest, wenn er so leichtfüßig über den Platz schweben kann, wie in diesem Match.

Kein echter Prüfstein für Federer: Der Usbeke Denis Istomin war klar unterlegen.
Kein echter Prüfstein für Federer: Der Usbeke Denis Istomin war klar unterlegen. Bild: EPA

Nun ist Istomin, bei allem Respekt für den großgewachsenen Usbeken mit der markanten Sportbrille, nicht der allergrößte Prüfstein. Zwar stand er zu seinen besten Zeiten immerhin auf Position 33 der Weltrangliste. Das ist allerdings schon fast zehn Jahre her. Inzwischen wird Istomin nur noch auf Rang 204 geführt. Doch die Art und Weise wie Federer seine Aufgabe löste, ließ seine Zuschauer eben trotzdem ein ums andere Mal anerkennend raunen.

Die French Open hat Federer in den vergangenen Jahren häufig gemieden. Der Sandplatz ist das Hoheitsgebiet seines Rivalen Rafael Nadal. Auch in diesem Jahr hatte Federer die Erwartungen gedämpft. Er wolle sich vor allem „Matchpraxis holen“ für die Rasensaison mit dem Highlight in Wimbledon, kündigte er vor dem Turnierstart an. Den Fans dürfte es egal sein, wofür und warum Federer in Paris spielt. Sie sind einfach froh, dass er überhaupt wieder da ist.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Clossé, Pirmin
Pirmin Clossé
Sportredakteur.
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